Händler


Strukturwandel im Naturkosthandel ging 2017 weiter

Ladenstatistik Naturkosthandel 2017. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Biofilialisten geben immer mehr den Ton an Quelle: AMI

Der Umsatz im Naturkosthandel ist 2017 nur noch um rund zwei Prozent gewachsen. Das bestätigen die Auswertungen verschiedener Panel-Daten. So weist das Umsatzbarometer von Klaus Braun ein Wachstum von 2,2 Prozent aus – auf bestehender Verkaufsfläche. Die Flächenausweitungen berücksichtigt dagegen das BioVista Handelspanel, dort beträgt das Wachstum 2,8 Prozent. Der Biogroßhandel ist nach den Daten des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) Umsatzmonitorings sogar um 3,7 Prozent gestiegen. Der Biogroßhandel allerdings verkauft auch Waren an Außer-Haus-Verpfleger und an den Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Nicht zuletzt zeigt das GfK-Haushaltspanel für den Naturkosthandel ein Umsatzwachstum von 1,9 Prozent. Alle verschiedenen Paneldaten belegen das gegenüber den Vorjahren deutlich kleinere Wachstum. Allerdings hat insbesondere das vierte Quartal die schwachen ersten drei Quartale noch ausgeglichen.

Die Analysen von BioVista zeigen vor allem eines: Weniger Kundinnen und Kunden kamen in die Läden. Viele Einkäufe erledigten sie im LEH, der ein immer größeres Biosortiment anbietet. Im vierten Quartal aber kamen die Kundinnen und Kunden zurück: Erstmals in dem Jahr stiegen die Kundenzahlen ab Oktober wieder. Übers Jahr betrachtet ist der durchschnittliche Bonwert gestiegen, die Anzahl der gekauften Artikel aber gleichgeblieben. Der Umsatz je Händler ist in allen Ladengrößen leicht zurückgegangen.

Wie schon in den vergangenen Jahren ist das Sortiment im Naturkosthandel frischebetont, und mit 62 Prozent Umsatzanteil ist der Frischeanteil sogar noch um einen Prozentpunkt gestiegen. Top-Aufsteigerprodukte waren Butter (durch die massiven Preissteigerungen), Eier und Vanilleprodukte (auch preisbedingt). Auf den weiteren Plätzen folgen Fertigprodukte, Kräutertee, Weichkäse und Lachs.

Neueröffnungen vor allem bei großen Läden

Bei Betrachtung der Ladenstatistik vom bioverlag fällt auf, dass insbesondere die Filialisten des Naturkosthandels neue Läden eröffnet haben. 49 der 78 Neueröffnungen gehörten zu einer der bundesweiten Filialisten. Verschwunden sind dagegen kleinere inhabergeführte Läden. Dafür haben insbesondere die Kleinstädte viele neue Läden bekommen. Insgesamt sind große Läden auf dem Vormarsch. Den knapp 700 Läden mit mehr als 400 Quadratmeter standen 2017 nur noch rund 500 kleine Bioläden gegenüber. Vor fünf Jahren war das Verhältnis in etwa umgekehrt. Während es bei den großen und kleinen Läden viel Bewegung gab, haben die Läden der Größenklasse von 100 bis 399 Quadratmetern im Laufe der letzten fünf Jahre kaum Federn gelassen. Mit knapp 800 Läden bleiben sie, was die Ladenzahl angeht, Primus im Naturkostfachhandel. Bei der Verkaufsfläche ist diese Größenklasse mit 155.000 Quadratmetern allerdings nur Vize, denn die großen Läden bringen es zusammen auf rund 400.000 Quadratmeter. Nicht einmal ein Zehntel davon schaffen die kleinen Läden unter 100 Quadratmeter. Insgesamt hatte der Naturkosthandel 2017 eine Fläche von 655.000 Quadratmetern, davon waren 29.000 Quadratmeter in dem Jahr neu dazugekommen.

Die Kernkompetenz des Fachhandels ist die Frische und das dürfte auch in Zukunft so bleiben. Allerdings geht der Wettbewerb mit dem LEH zulasten des Umsatzes bei vergleichbarer Ware. Nur Bio reicht für viele Naturkostläden nicht mehr aus. Die inhabergeführten, individuellen und spezialisierten Betriebe werden sich im Sortiment von den filialisierten / standardisierten Betrieben mit ihren Handelsmarken abgrenzen müssen. Sie können sich zum Beispiel Zugang zu "kleinen und feinen" (und exklusiven) Produktlinien schaffen. Das wiederum gibt Chancen für innovative Hersteller mit speziellen und exklusiven Produkten.


Letzte Aktualisierung: 18.04.2018