Händler


Wie ist Biogeflügel im Handel positioniert?

Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) untersuchten Ökomarktexpertinnen und -experten der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) und der Marktinfo Eier und Geflügel (MEG), wie verbreitet Biogeflügelprodukte sowie konventionell erzeugte Konkurrenzprodukte mit Tierwohllabel im LEH sind. Mithilfe von Smartphones wurden die Geflügelauslagen in ausgewählten Einkaufsstätten fotografiert. Im Fokus der im März 2017 durchgeführten Storechecks waren 15 Handelsunternehmen und sieben Städte in Deutschland (Berlin, Bonn, Frankfurt, Hamburg, Leipzig, München, Stuttgart). Die Auswahl der Geschäfte orientierte sich an dem Haushaltspanel der GfK und umfasste die sieben als repräsentativ eingestuften Regionen des Marktforschungsunternehmens Nielsen Company. Zusätzlich wurde das Online-Angebot von REWE in punkto Geflügel gesichtet.

Grafik zu den Storechecks. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Aufteilung der Einkaufsstätten mit Geflügelangebot nach Bio-Produkten und Produkten mit Tierschutzlabelbezug

Zum Zeitpunkt der Storechecks waren insgesamt 59 konventionell erzeugte Geflügelprodukte mit Tierschutzlabel in acht Supermärkten erhältlich. Immer wichtiger wird der konventionelle LEH aber auch als Einkaufsstätte für Biogeflügelprodukte. Von den insgesamt ermittelten 73 Biogeflügelartikeln wurden allein 28 von sechs konventionellen Handelsunternehmen angeboten. Ihr Biosortiment war zwar kleiner, dafür aber oft etwas preisgünstiger als in Biosupermärkten. Die Preise für Hähnchen, Puten, Enten und Gänse aus ökologischer Haltung waren ungefähr dreimal so hoch wie für konventionell erzeugtes Geflügel.

Grafik zu den Storechecks. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Preisspannen für Bio-Geflügelprodukte, die durch den Store Check ermittelt werden.
Grafik:
Preisspannen für Geflügelprodukte mit Tierschutzbezug, die durch den Store Check ermittelt wurden.

Bei Hähnchen ergab der Store Check 17 verschiedene Artikel, darunter konventionelle Premiumware sowie biozertifizierte Produkte. Neben Brathähnchen und Hähnchenschenkeln führten die Supermärkte Minutensteaks, Hähnchenbrustfilet, Hähnchenleber sowie Hähnchenherzen. Der Verkaufsanteil ganzer Biohähnchen im LEH überstieg sogar den Anteil ganzer konventionell erzeugter Hähnchen. Bei Biohähnchen warben manche Geschäfte zusätzlich mit der Produktspezifikation "aufgezogen und geschlachtet in Deutschland". Dagegen war das Angebot an Putenfleisch längst nicht so vielseitig. Putenprodukte wurden fast ausschließlich als Teilstücke vermarktet. Dabei fiel das relativ breite Angebot an Putenfleischprodukten in den Biosupermärkten auf: Es reichte von Putenbrustfilet über Putenschnitzel und Putenhüftsteaks bis zu Putengulasch, Puten-Medaillons und Puten-Ministeaks.

Biogeflügel im Discount

Unter der Marke "Bio Landhendl" führte Aldi Süd gekühlte Hähnchen der Handelsklasse A (ohne Hals und Innereien). Hinzu kamen Biohähnchenschenkel mit der Produktspezifikation "aufgezogen und geschlachtet in Österreich". Hersteller war bei beiden Produkten die Hubers Landhendl GmbH mit Sitz in Österreich.

Als Gründungsmitglied der Initiative Tierwohl listete Aldi Süd weiterhin Hähnchenbrustfilet der Marke "Meine Metzgerei" mit dem Label der Initiative Tierwohl. Hergestellt wurden die Produkte durch die Landgeflügel FG Vertriebsgesellschaft mbH. Unabhängig von der Haltungsform im Stall waren alle Geflügelprodukte bei Aldi Süd gekennzeichnet mit einem Label mit dem Schriftzug "Fleisch-Herkunft". Mithilfe des dazugehörigen Tracking-Codes können Kundinnen und Kunden problemlos herausfinden,  wo das Geflügel aufgezogen und geschlachtet worden ist.

Manche Discounter führen eigene Marken mit dem Label der Initiative Tierwohl. Beispielsweise gab es bei Aldi Nord Hähnchenfleisch (Brustfilet, Minutenschnitzel, Ministeaks, Schenkel, Geschnetzeltes und halbe Hähnchen) der Marke "Bauernglück" mit dem Label der Initiative Tierwohl. Hersteller war die GEKA frisch + frost Handels GmbH & Co. KG. In den Lidl-Filialen wurden Geflügelprodukte der Marke "Landjunker" vermarktet. Netto führte als Premiumprodukt das Wiesenhof Privathof Hähnchen mit dem Label "Für ein Mehr an Tierschutz". Bei Norma und Penny waren keine Geflügelprodukte mit Label mit der Initiative Tierwohl gelistet.

Biosupermärkte führen Bioverbandsware

Der Naturkostfachhandel listet ausschließlich Verbandsware – also Geflügel von Biomastbetrieben, die entweder Mitglied bei Bioland, Naturland oder Biokreis sind. Neben Hähnchenflügeln und Hähnchenschenkeln aus Bioland-Erzeugung führte Alnatura ein umfangreiches Biokreis-Geflügelsortiment, von Hähnchen über Hähnchenbrust bis zu diversen Putenteilen (Putenbruststreifen, Putengulasch, Putenhüftsteak, Puteninnenfilet und Putenschnitzel). Zu den Produzenten zählen die Freilandputen Fahrenzhausen GmbH, die Packlhof GmbH sowie die Schröders Bio-Fleisch- und Wurstwaren GmbH.

Bei Basic gab es Hähnchenbrust mit Bioland-Logo und Putenschnitzel mit Naturland-Logo, hergestellt von der Feneberg Lebensmittel GmbH. In den Bio Company-Filialen waren Biohähnchen, Biohähnchenbrust, Biohähnchenleber, Biohähnchenherzen sowie Bioputenbrustfilet erhältlich – allesamt Biokreis-zertifiziert und hergestellt durch Schröders Bio-Fleisch- und Wurstwaren.

Besonders vielfältig ist das Biohähnchensortiment von Denn´s. Es reicht von Hähnchen mit Hals (Biokreis-zertifiziert) über Hähnchenbrust (Biokreis- oder Naturland-zertifiziert), Hähnchenflügel (Biokreis- oder Naturland-zertifiziert), Hähnchenkeulen (Biokreis-zertifiziert) bis zu Hähnchenschenkeln (Biokreis- oder Naturland-zertifiziert) und Hähnchenleber (Biokreis-zertifiziert). Die Biokreis-zertifizierten Produkte Produkte stammen von der Freilandputen Fahrenzhausen GmbH, die Naturland-Produkte von Bio-Geflügel Stauss.

Geflügelsortiment des konventionellen LEH

Edeka führt sowohl Geflügelprodukte aus ökologischer als auch aus konventioneller Haltung. Auf ausgewählten konventionellen Geflügelprodukten war das Label "ProEthika" zu finden. Kaufland hat zwei Tierwohl-Label für Geflügelfleisch eingeführt: Zum einen das Label "Nature & Respect" des französischen Unternehmens LDC für konventionelles Premium-Geflügelfleisch aus Freilandhaltung. Zum anderen das Label "FairMast" des Unternehmens Plukon. Die Hähnchen mit dem Label "FairMast" sind mit dem "Tierschutz-kontrolliert"-Siegel von "Vier Pfoten" zertifiziert.

Bei Real waren Hähnchen und Hähnchenbrust aus ökologischer Erzeugung erhältlich, produziert in Frankreich durch das Unternehmen LDC. Als konventionelle Konkurrenzprodukte wurden Hähnchen, Hähnchenbrust, Hähnchenflügel und Hähnchenschenkel mit dem Label Wiesenhof Privathof Geflügel "Für ein Mehr an Tierschutz" sowie Hähnchen, Hähnchenbrust und Hähnchenflügel mit dem Nature&Respect-Label vermarktet.

Neben Biohähnchenprodukten vermarktet Rewe auch eine größere Auswahl an Putenprodukten unter der Marke "Rewe bio". Diese waren fast alle Naturland-zertifiziert. Als Hersteller waren Landgeflügel FG Vertriebsgesellschaft mbH, Biofino GmbH und Hubers Landhendl GmbH aufgeführt. Zu den konventionellen Premiumprodukten gehörten Produkte mit dem Nature&Respect-Label. Bei tegut stammte das Angebot an Biogeflügelprodukten von Biofino.

Geflügel stammt meist aus Deutschland

Die meisten aufgeführten Schlachtunternehmen haben ihren Firmensitz in Deutschland. Nur in manchen Fällen zeigte sich, dass zumindest ein Teil der Wertschöpfungskette in Österreich, Italien oder Frankreich angesiedelt ist: Beispielsweise verbirgt sich hinter der Marke "Meine Metzgerei" ein großer italienischer Geflügelhersteller mit Sitz in Verona, nämlich Agricola Italiana Alimentare. Bei dem Angebot aus Österreich überwiegt der Hersteller "Hubers Landhendl". Erwähnenswert ist auch das aus Frankreich stammende Qualitätsgeflügel von Albers Food. Unter der Marke ProEthika beliefert das deutsche Importunternehmen Hamburger Filialen von Edeka mit Freilandhähnchen. Die stammen aus bäuerlichen Kleinstbetrieben aus der Vendée an der französischen Atlantikküste.

Manche Ketten wie etwa real, Aldi Süd und Netto nutzen für ihre Geflügelprodukte die sogenannte 5D-Kennzeichnung (fünf mal Deutschland). Damit ist gemeint, dass alle Stufen der Produktion in Deutschland stattfinden: Die Tiere selbst und deren Elterntiere sind in Deutschland geboren und aufgewachsen, die Futtermittel in Deutschland angebaut und das Geflügel hierzulande geschlachtet und weiterverarbeitet.

Fazit

Die Storechecks ergaben, dass das Angebot an Biogeflügel im LEH in den letzten Jahren gewachsen ist. Doch weiterhin übersteigt die Nachfrage deutlich das Angebot. Daher sind der Handel und die Fleischverarbeitungsbranche gut beraten, noch mehr als bisher mit Landwrtinnen und Landwirten und Erzeugergemeinschaften in Deutschland zusammenzuarbeiten. Denn nur mit langfristigen strategischen Partnerschaften mit allen Akteurinnen und Akteuren der Wertschöpfungskette kann es gelingen, dem Wunsch der Konsumentinnen und Konsumenten nach tiergerecht erzeugten Geflügelprodukten aus deutschen Landen in vollem Umfang zu entsprechen.

Die offizielle Studie heißt "Analyse des Bio-Geflügelmarktes".


Letzte Aktualisierung: 19.11.2018