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Biostreuobstanbau legt deutlich zu

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Flächenentwicklung im Biostreuobstanbau in Deutschland. Quelle: AMI

Der konventionelle Streuobstanbau in Deutschland geht kontinuierlich zurück. Vor allem preisgünstige Importe, aber auch Obst von intensiv genutzten Plantagen verdrängen das Streuobst und damit die traditionellen Sorten zunehmend vom Markt. Dagegen hat der Anteil der Biostreuobstfläche in den zurückliegenden Jahren einen deutlichen Sprung nach oben gemacht. Infolge verschiedener Initiativen, unter anderem der Verarbeitungsbetriebe, Fördermaßnahmen der Länder und des Bundes sowie die Vereinfachung der Zertifizierung, beispielsweise durch Gruppenzertifizierung, wurden alleine von 2015 auf 2016 bundesweit 6.000 Hektar auf Bio umgestellt. Insgesamt waren 2016 rund 22.000 Hektar biozertifiziert. Aktuelle Zahlen für 2017 liegen noch nicht abschließend vor, es ist aber davon auszugehen, dass weitere Bioflächen dazugekommen sind.

Der Süden liegt vorne

Der Schwerpunkt des Streuobstanbaus liegt eindeutig im süddeutschen Raum. Alleine auf Baden-Württemberg entfallen 47 Prozent der gesamten deutschen Biostreuobstfläche. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Hektarzahl hier mehr als verdoppelt. In Bayern ist der Anteil in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Mittlerweile stehen hier ein Drittel der deutschen Biostreuobstlagen. Innerhalb von 16 Jahren hat sich die Fläche mehr als verzehnfacht. In einigen bayerischen Regionen sind über 40 Prozent der Streuobstanlagen biozertifiziert. Grund sind vor allem die für den Freistaat geltenden Fördermaßnahmen. Andere Regionen hinken da deutlich hinterher. Hessen mit einer Biostreuobstfläche von gut 1.000 Hektar liegt mit erheblichen Abstand auf Platz drei von allen Bundesländern. Schlusslicht im innerdeutschen Ranking ist Sachsen-Anhalt. Als einziges Bundesland ist hier die Fläche in den letzten Jahren zurückgegangen.

Dominierende Obstarten im Streuobstanbau sind Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Walnüsse. Vereinzelt findet man auch Quitten und Wildobst, zum Beispiel den Speierling, in den Streuobstbeständen.

Preise erreichen Rekordniveau

Unabhängig vom konventionellen und somit auch vom internationalen Saftmarkt liegen die Erzeugerpreise für Äpfel von Biostreuobstwiesen höher als für konventionelle Mostäpfel. In den zurückliegenden Jahren bewegte sich die Spanne meist zwischen 15 und 25 Euro je Doppelzentner. Durch die Minierntemengen im Herbst 2017 gab es einen deutlichen Preisruck. Der Durchschnitt liegt bei 30 bis 35 Euro – feste Lieferverträge teilweise darunter – aber am freien Markt wurden in der zweiten Saisonhälfte 60 Euro je 100 Kilogramm und mehr gezahlt. Und die Aussichten für die Saison 2018/19 sind nach Einschätzung von Marktkennern aus Erzeugersicht gut. In der verarbeitenden Industrie lagern keine Überschüsse aus der nun zu Ende gehenden Saison 2017/18. Im Gegenteil: Die meisten Tanks sind leer. Es spricht vieles dafür, dass sich der in diesem Jahr auf 30 bis 35 Euro je 100 Kilogramm gestiegene Erzeugerpreis in der kommenden Saison halten wird.

Mehr Wirtschaftlichkeit durch Aufpreisvermarktung

Heute gibt es bundesweit über 100 Projekte, initiiert von Naturschutzverbänden wie dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) sowie von Keltereien und Landwirtinnen und Landwirten, die den Erzeugern einen Aufpreis gegenüber dem konventionellen Obst zahlen. Erzeugt wird überwiegend Apfelsaft, aber auch Birnensaft und -sekt, Apfel-Mango-Maracuja-Saft, Apfelschorle und Apfelwein sowie Spezialitäten wie "Äppelwoi mit Schlehen". Die Projekte befinden sich hauptsächlich in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen, zunehmend auch im Osten der Bundesrepublik. Sieben bis acht Millionen Liter Saft jährlich und damit ein Gesamtumsatz von deutlich über zehn Millionen Euro werden inzwischen regelmäßig erreicht.

Konsumenten schrecken die höheren Preise nicht ab

Der aus dem Biostreuobst gewonnene Apfelsaft trifft auf einen aufnahmefähigen Markt. So ist die Nachfrage in den zurückliegenden Jahren permanent gestiegen. Und das trotz der gestiegenen Preise. Nach AMI-Analyse auf Basis des GfK-Haushaltspanels mussten Verbraucherinnen und Verbraucher alleine von 2012 bis 2017 im Durchschnitt 15 Prozent mehr für Bioapfelsaft ausgeben. Dabei lag der höchste Anstieg im zweiten Halbjahr 2017. Für die Saison 2017/18 dürfte das Wachstum deutlich größer ausfallen. Im Vergleich dazu erreichte das Plus im konventionellen Bereich nur sechs Prozent.

Große Bedeutung für die Kulturlandschaft

Streuobstwiesen sind ein vielseitiger Lieferant für Frischobst und Rohstoff für Saft, Most und Spirituosen. Auch sind sie ein regionaltypisches, landschaftsprägendes Element mit einem hohen ästhetischen Wert und wichtiger Erholungsfunktion. Es finden sich mittlerweile viele Streuobstprodukte im Handel. Große Teile der Streuobsternte landen in der Brennerei. Steigende Mengen gehen alljährlich in die Verarbeitung zu Getränken, vor allem Fruchtsaft. Wichtigstes Produkt stellt der Apfelsaft dar. Bei Biosaft muss das Obst definitiv aus kontrolliert ökologischem Anbau stammen.

Mehr und mehr Biofruchtsäfte im Handel

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Mehr Biofruchtsäfte gekauft. Quelle: AMI nach GfK-Haushaltspanel

Die privaten Haushalte in Deutschland kauften 2017 rund zwei Prozent mehr Biofruchtsäfte ein als im Vorjahr. Die Ausgaben für Biofruchtsäfte sind im gleichen Zeitraum sogar um acht Prozent gestiegen, so die AMI-Analyse auf Basis des GfK-Haushaltspanels. Während die Haushalte für Bioapfelsaft 2017 rund sieben Prozent mehr als im Vorjahr zahlten, gingen die Ausgaben für Bioorangensaft um neun Prozent zurück. Die bedeutendste Einkaufsstätte für Biofruchtsäfte waren 2017 die Vollsortimenter, gefolgt von den Discountern.

Der Naturkosthandel hat an diesem wachsenden Markt in den vergangenen Jahren ebenfalls teilgenommen. Die Produkte unterscheiden sich erheblich von denen des konventionellen Handels. Die Kundinnen und Kunden können im Bioladen ein vielfältiges Sortiment an Obstsäften finden. Trotz aller Vielfalt ist auch im Naturkostbereich Apfelsaft der Renner. Wer Apfelsaft von Streuobstwiesen trinkt, leistet gleichzeitig einen Beitrag zum Naturschutz. Für alle Säfte aus ökologischem Anbau gilt, dass sie schonend gepresst und bei etwa 85 Grad pasteurisiert werden. An weiteren Streuobstprodukten sind auch Apfelessig und Apfel-Balsamicoessig sowie Marmeladen im Naturkosthandel erhältlich.

Wo wird das Streuobst verarbeitet?

Das gängige Modell für die Verarbeitung des Streuobsts ist immer noch die Lohnmost. Das Obst wird von den Erzeugerinnen und Erzeugern direkt zur Mosterei gebracht und dort verarbeitet. Es gibt aber auch eine kleine Zahl an mobilen Mostereien, die dahin kommen, wo das Obst geerntet wird. Die Verarbeitung von Streuobst ist nicht in allen Regionen gleichermaßen gut aufgestellt wie im Süden des Landes. Eine Liste von rund 500 Mostereien findet sich in der bundesweiten Mostereiübersicht des NABU Bundesfachausschuss Streuobst (BFA). Bei den über 100 mobilen Mostereien handelt es sich um Betriebs-Neugründungen der letzten 20 Jahre, insbesondere in den neuen Ländern, wo sich 35 der 94 bundesweit vom NABU gelisteten mobilen Mostereien befinden.


Letzte Aktualisierung: 22.05.2018