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Bar oder mit Karte – alternative Zahlungsarten

Kontaktloses bezahlen mit dem Smartphone. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Das kontaktlose Bezahlen wird in immer mehr Geschäften eingesetzt. Foto: Kaspars Grinvalds – stock.adobe.com

Die Frage "Zahlen Sie bar oder mit Karte?" lässt sich für den Großteil der Kundinnen und Kunden insbesondere bei kleineren Beträgen klar mit "bar" beantworten. Dennoch gewinnt die Entwicklung von alternativen Zahlungsarten wie Karten und mobilen Zahlungsmöglichkeiten an Bedeutung. Deswegen sollten Händlerinnen und Händler nicht nur im Hinblick auf Sortimente und Vertriebsformen innovativ sein, sondern den Kundinnen und Kunden auch an der Kasse zeitgemäße Alternativen bieten. 

Der Großteil der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland setzt weiterhin auf Bargeld und Kartenzahlung. Laut einer Studie (2017) des Marktforschungsinstituts EHI werden rund 77 Prozent der Einkäufe in Deutschland bar bezahlt. Während die Bargeldzahlungen sinken, wird das Bezahlen per Karte aber immer beliebter. Die Zahlvorgänge mit der Girokarte haben sich nach Angaben von EHI von 2007 bis 2017 fast verdreifacht.

Bargeld- und kontaktlose Bezahlsysteme gewinnen an Bedeutung

Insbesondere die Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens mit der Girocard wird von den Verbraucherinnen und Verbrauchern vermehrt genutzt. In den Drogeriemärkten von dm beispielsweise ist das kontaktlose Bezahlen mit der Girocard seit 2017 bundesweit möglich, sofern die Karte kontaktlosfähig ist. Auch Alnatura und tegut…Märkte bieten ihren Kundinnen und Kunden die Möglichkeit des kontaktlosen Bezahlens. Gekennzeichnet sind solche Karten mit einem sogenannten NFC Chip und mit einem kontaktlos-Symbol. NFC steht für Near Field Communication-Technologie, bei der Daten nur über wenige Zentimeter übermittelt werden. Die kontaktlosfähige Bankkarte muss lediglich in einem geringen Abstand vor das Display des Kartenterminals gehalten werden, bis ein kurzer Signalton ertönt. Dieser neue Service soll den Bezahlvorgang so angenehm und zügig wie möglich gestalten, ohne dabei auf bewährte Sicherheitsstandards zu verzichten. Praktisch für die Kundinnen und Kunden ist zudem, dass diese Funktion nicht extra freigeschaltet und die Karte nicht mit Geld aufgeladen werden muss. Die Autorisierung durch den Kunden mittels PIN oder Unterschrift ist bei dieser Zahlungsart erst ab einem Einkaufsbetrag über 25 Euro erforderlich. Damit mehr Kundinnen und Kunden das kontaktlose Bezahlen nutzen, sollte die Kassenkraft sich mit dem System auskennen. Im Gegenteil zu Bargeld ist das kontaktlose Bezahlen auch hygienischer, insbesondere beim Umgang mit Lebensmitteln nicht unwichtig.

Auch im Fachhandel innovativ sein beim Bezahlvorgang

Aus Supermärkten und dem Einzelhandel sind Kundinnen und Kunden es mittlerweile gewohnt, mit Karte zu zahlen, und erwarten diese Möglichkeit oftmals auch im Fachhandel. Langfristig dürfte diese Zahlungsart sicherlich noch weiter an Bedeutung gewinnen. Deshalb ist es vorteilhaft, wenn bei der Planung einer neuen Filiale oder bei einem Umbau schon vorab an die Möglichkeit des Einbaus von EC-Terminals für die mobile oder stationäre Kartenzahlung gedacht wird. Ein nachträglicher Einbau ist oftmals mit höheren Kosten verbunden. Wichtig ist außerdem, dass die Kundinnen und Kunden das EC-Terminal direkt sehen und so die Möglichkeit des bargeldlosen Zahlens direkt erkennen können. Liegt das EC-Terminal beispielsweise unter der Ladentheke, ist es für die Kundinnen und Kunden nicht sichtbar. Dass die Fehlerquote durch falsch herausgegebenes Wechselgeld gleich null ist, ist ein weiterer Vorteil des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Allerdings ist es für die Kundinnen und Kunden oftmals hinderlich, wenn für die Kartenbezahlung im Bioladen Mindestbeträge vorgesehen sind. An dieser Hürde kann dann der Einkauf scheitern beziehungsweise werden Kundinnen und Kunden förmlich "gezwungen", ihren Einkauf über dieser Mindestgrenze zu tätigen. Kartenzahlung ab einer bestimmten Summe anzubieten ist zwar erlaubt, aber ein Hinweis sollte vor dem Einkauf darüber aufklären, ab welchem Betrag eine Kartenzahlung akzeptiert wird.

Kartenzahlung mit Bonuspunkten

Beliebt zur Kundenbindung ist zunehmend auch die Kartenzahlung mit Bonuspunkten. Hierbei gibt es unterschiedliche Modelle. Zum einen beteiligen sich die großen Biosupermärkte wie zum Beispiel Alnatura zur Kundenbindung am Bonusprogramm Payback. Bei jedem Kassiervorgang sollen die erworbenen Payback-Punkte auf der Anzeige der Kasse ausgewiesen werden und auch die Gutscheinabwicklung von Payback erfolgt über die Kasse. Zum anderen ist gerade in kleineren Geschäften das Bonussystem der Stempelkarte stark verbreitet. Für den Kauf eines bestimmten Artikels, bekommen die Kundinnen und Kunden einen Stempel. Wenn sie genügend gesammelt haben, bekommen sie den Artikel im Austausch für die volle Stempelkarte kostenfrei. Mittlerweile können einige Kassensysteme digitale Kundenkarten verwenden. Diese Kassensysteme sind in der Anschaffung zwar teurer, bieten aber über die digitale Stempelkarte hinaus die Möglichkeit, nach dem Pre-Paid-Prinzip bargeldlos zu bezahlen und von Sofortrabatten zu profitieren, wenn mit der Karte gezahlt wird.

Alternative mobiles Bezahlen

Das mobile Bezahlen steht in Deutschland noch am Anfang. Ergebnisse einer im Februar 2018 erschienenen Zahlungsverhaltensstudie der Bundesbank zeigen, dass das Bezahlen mit einem mobilen Endgerät im Ladengeschäft zwar 70 Prozent der Befragten bekannt war, aber nur zwei Prozent der Befragten diesen Vorgang auch tatsächlich schon einmal genutzt haben. Der fehlende Bedarf und das Empfinden der Verbraucherinnen und Verbraucher, dass dieses Bezahlverfahren eher unsicher ist, sind die häufigsten Gründe für die Nichtnutzung des mobilen Bezahlens.

Seit Anfang August 2018 werden von Sparkassen und Volksbanken Apps angeboten, mit denen Kundinnen und Kunden ihr Smartphone zum Zahlen nutzen können. Über diese App können Kundinnen und Kunden die Daten ihrer Girokarte in ihr Smartphone einspeisen, um anschließend mit ihrem Handy, statt mit der Karte kontaktlos zu bezahlen. Die Apps verwenden die gleiche Technik (NFC) wie die kontaktlosen Karten. Wer sich ein neues EC-Terminal anschafft, kommt also an der NFC-Technologie kaum noch vorbei.

Ergebnisse einer Bundesbankstudie (2018) zeigen, dass bei Beträgen bis fünf Euro immer noch 96 Prozent aller Kundinnen und Kunden zum Bargeld greifen. Bei Beträgen ab 20 Euro liegt der Anteil der Barzahlerinnen und Barzahler bei nur 60 Prozent und ist in den vergangenen drei Jahren um acht Prozent zurückgegangen. Diese Entwicklung dürfte sich in den kommenden Jahren langsam, aber stetig auch bei kleineren Beträgen durchsetzen. Italien hat beispielsweise, und damit nicht als erstes Land innerhalb Europas, zum Jahresbeginn 2018 die Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft. Zudem hat mittlerweile fast jeder ein Handy, und alles, was mobil funktioniert, ist einfach im Trend.


Letzte Aktualisierung: 18.09.2018