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Energieeffizient handeln - mit Hilfe von Förderprogrammen

Eine lange, beleuchtete Kühltheke mit Tofuprodukten. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Kühlung und Beleuchtung stellen den Großteil des Energieverbrauchs im Einzelhandel dar. Foto: Thomas Stephan, BLE

Die Ziele und Grundsätze ökologischer Produktion der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau besagen, dass "Energie und die natürlichen Ressourcen wie Wasser, Boden, organische Substanz und Luft verantwortungsvoll" genutzt werden sollen. Der Handel als Bindeglied zwischen der Produktion und den Endverbraucherinnen und -verbrauchern steht, wenn auch nicht ausdrücklich in der Verordnung genannt, ebenso in dieser Verantwortung. Energieeffizientes Handeln ist also gerade im Biohandel angesagt, um den Richtlinien zur Erzeugung ökologischer Lebensmittel auf dem gesamten Weg eines Bioproduktes bis hin zur Verbraucherin und dem Verbraucher gerecht zu werden.

Mit den Stichworten "intelligent beleuchten" und "kalkuliert kühlen" werden die Handlungsmöglichkeiten des Handels im Hinblick auf Energiefragen in der Studie des Euro Handelsinstituts (EHI) "Energiemanagement im Einzelhandel 2011" umrissen. Hohe Energiekosten bei einem Großteil (77 Prozent) der befragten Handelsunternehmen sowie eine erwartete weitere Steigerung dürften Grundlage für die Investitionsbereitschaft in diesem Bereich sein. Das Thema Energieeffizienz ist also auch aus ökonomischer Sicht ein Muss.

Ökologisches Bewusstsein und Kosteneinsparung

Die durchschnittlichen Kosten von 56 Euro pro Quadratmeter für Energie im Lebensmittelhandel (davon 45 Prozent für die Kühlung) bedeuten für jeden Händler eine erhebliche finanzielle Belastung. Die Nutzung des Einsparpotenzials ist folglich auch für alle Händlerinnen und Händler gleichermaßen attraktiv. Für Einzelhandelsunternehmen der Biobranche sollte darüber hinaus der Einsatz energieeffizienter Geräte aus dem ökologischen Bewusstsein heraus selbstverständlich sein.

"Leichter geschrieben als getan", denken nun sicherlich viele "und wie soll ich neue Kühlgeräte oder Beleuchtungssysteme bezahlen?". Denn gewiss ist, dass für die Erhöhung der Energieeffizienz Investitionen beispielsweise in Form von neuen Geräten oder Anlagen anfallen und Zeit für die Konzeption und Umsetzung benötigt wird. Finanzielle Unterstützung bei den Investitionen in energieeffiziente Technik können verschiedene Förderprogramme bieten und auch Beratung finden interessierte Unternehmen.

Energieeffizientes Handeln wird unterstützt

Es gibt zahlreiche kommunale Programme und Initiativen, die auch den ökologisch orientierten Einzelhandel bei der Investition in energieeffiziente Technik unterstützen. So schießt beispielsweise die Stadt Frankfurt Unternehmern zehn Cent für jede Kilowattstunde zu, die durch eine Investition in Energieeffizienz eingespart wird (weitere Informationen siehe Weblinks). 

Die Verbundgruppe "Die Regionalen GmbH", ein Zusammenschluss von Naturkost-Großhändlern, bietet seit 2010 ihren Einzelhandelskunden energiesparende Kühlgeräte zu besonders günstigen Konditionen an. "Von dem Angebot waren wir von Anfang an überzeugt", kommentiert die Geschäftsführung der "Regionalen". "Es freut uns, dass schon über 300 Großhandelskunden in neue, energiesparende Geräte investiert haben." Bis zum Herbst 2011 investierten Einzelhändler im Rahmen dieses Projektes über eine Millionen Euro in neue Kühlgeräte.

"Göttingen HANDEL(t) umweltfreundlich" ist ein Projekt der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen mbH (GWG). Um ein Bewusstsein für eine nachhaltige Entwicklung zu schaffen und konkrete Maßnahmen zu initiieren, sollen mit den teilnehmenden Händlerinnen und Händlern praxisnahe Maßnahmen erarbeitet und umgesetzt werden, die Geld sparen und die Umwelt entlasten. Konzipiert wurde das Projekt auf Grundlage des Umweltmanagement-Programms ÖKOPROFIT (Ökologisches Projekt Für Integrierte Umwelt-Technik) und für den Handel angepasst. "Wir hatten bereits 2011 eine erfolgreiche Ökoprofit-Runde mit Unternehmen aus den verschiedensten Bereichen wie dem produzierenden Gewerbe, dem IT- oder Dienstleistungsbereich", erklärt Andrea Strecker, Projektleiterin von "Göttingen HANDEL(t) umweltfreundlich". Für die spezifischen Anforderungen des Handels wurde für Göttingen ein gesondertes Konzept entwickelt. "Wir konnten die Laufzeit auf ein halbes Jahr reduzieren, die notwendigen Kompetenzen können für den Handel bereits in drei Workshops vermittelt werden. Im Moment haben wir auch noch Kapazität für weitere teilnehmende Handelsunternehmen", so Strecker. Projektstart für die Unternehmen war im Februar 2012.

Ein Blick in das Umfeld hilft

Um geeignete Unterstützung zu finden, lohnt es sich also, in seinem näheren Umfeld nach Möglichkeiten zu suchen. Oftmals bietet der hauseigene Großhändler Hilfestellung in Form einer Beratung oder eines langjährigen Kontaktes zu einem Kühlgerätehersteller. Entsprechende regionale Programme wie die vorgestellten können ebenso Unterstützung bieten; es empfiehlt sich, beim örtlichen Umweltamt, Energiereferat oder ähnlichen Institutionen zu recherchieren.

Finanzierungshilfen über die Bundesländer

Eine weitere Möglichkeit bieten die jeweiligen Bundesländer zur Förderung von Unternehmen. Je nach Standort wird dabei verschieden intensiv auf die Bedürfnisse nach Energieeffizienz im Unternehmen eingegangen. Einen Überblick über die Fördermaßnahmen in den verschiedenen Bundesländern geben die folgenden Informationsangebote:

Die Fördermaßnahmen der Bundesländer greifen in erster Linie, wenn es sich um einen größeren Investitionsrahmen handelt. So sind in den meisten Ländern einzelbetriebliche Investitionen erst ab einem Umfang von 250.000 Euro förderungswürdig.

Energieeffizient handeln lohnt sich

Allein das Gegenrechnen der Investitionskosten mit den durch neue Geräte eingesparten Energiekosten kann den Gang zur Bank Ihres Vertrauens erleichtern. Am Beispiel Göttingen wird auch ein weiterer Nutzen des energieeffizienten Handelns verdeutlicht: Die Auszeichnung im Rahmen des Projektes wird bewusst öffentlichkeitswirksam durchgeführt, die Bezeichnung als "Göttingen HANDEL(t) umweltfreundlich"- Betrieb kann von den teilnehmenden Betrieben zu Werbezwecken eingesetzt werden.

Ob im Rahmen der Förderung des Bundeslandes, eines kommunalen Programms oder mit dem hauseigenen Großhandel: Der Naturkosthandel kann mit der Ausrichtung auf Energieeffizienz im Unternehmen oder der Durchführung eines Umweltmanagementprogramms sein ökologisches Denken auf Ganzer Linie unterstreichen und die ökologische Wertschöpfungskette - vom Acker bis zum Teller - vollenden.


Letzte Aktualisierung: 11.11.2015