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Nachhaltigkeit – Chance für Handel und Hersteller

Trotz hoher Umsetzungskosten, Schwierigkeiten bei der Wirksamkeitsmessung der durchgeführten Maßnahmen und einem diffusen Kundeninteresse - das Thema Nachhaltigkeit ist weiterhin in aller Munde. So installierte beispielsweise die Rewe Group für die Verkaufsregion West im Jahr 2014 ein Schulungskonzept "Botschafter für Nachhaltigkeit" für Verkaufsmitarbeitende. Mittelfristig soll in jedem Markt eine Ansprechpartnerin oder ein Ansprechpartner für Nachhaltigkeit für die Kundschaft zur Verfügung stehen. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren e.V. (BNN) startete Anfang des Jahres 2015 mit seiner Informationskampagne "Nachhaltig Bio", um die Nachhaltigkeitsleistungen der Naturkost- und Biobranche sichtbar machen.

Nachhaltigkeitsbewertung

Grafik zu den vier Nachhaltigkeitsdimensionen. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Die vier Nachhaltigkeitsdimensionen nach den weltweit gültigen SAFA-Guidelines der FAO. Grafik: FAO

So wie es keine allgemein anerkannte Definition der Nachhaltigkeit und ihrer verschiedenen Bereiche gibt, so gibt es auch nicht das ganzheitliche Nachhaltigkeitsbewertungstool. In der Lebensmittelbranche haben sich bisher mehrere Bewertungstools etabliert, wie der ZNU-Standard Nachhaltiger Wirtschaften Food, der BNN-Nachhaltigkeitsmonitor, SMART vom FiBL oder die Nachhaltigkeitsblume von Soil & More. Diese Bewertungsansätze sind mit anerkannten Standards, wie EMAS, ISO 14001, ISO 2600 oder GRI, kompatibel, jedoch werden in den seltensten Fällen alle Säulen der Nachhaltigkeit betrachtet. Meist stehen die ökologischen Leistungen der Unternehmen stärker im Fokus, soziale oder ökonomische Aspekte werden eher am Rande bewertet. Oft wird auch nur das Vorhandensein eines Managementsystems beurteilt, jedoch nicht die Nachhaltigkeitsziele an sich. Einzig die SAFA-Guidelines der FAO mit ihrem weltweiten Ansatz definieren ganzheitliche Nachhaltigkeitsziele. 

ZNU-Standard Nachhaltiger Wirtschaften Food

Dieser Standard wurde an der Universität Witten/Herdecke entwickelt und richtet sich an die Hersteller der Lebensmittelbranche. Ziel ist es, ein integriertes Managementsystem zum nachhaltigen Wirtschaften im Betrieb zu etablieren und die Nachhaltigkeitsaktivitäten zu strukturieren, sie weiterzuentwickeln und glaubwürdig zu kommunizieren.  

BNN-Nachhaltigkeitsmonitor

Der BNN-Nachhaltigkeitsmonitor erfasst anhand von rund 120 Nachhaltigkeitsindikatoren die Details und die Gesamtheit der Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen aus der Naturkostbranche. Dabei definieren die BNN-Indikatoren das gemeinsame Verständnis für Nachhaltigkeit der Mitglieder des Branchenverbandes Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN). 

SMART

Das Bewertungstool SMART – Sustainability Monitoring and Assessment RouTine – wurde am Forschungsinstitut für biologischen Landbau entwickelt. Es basiert auf den von der FAO entwickelten SAFA-Guidelines. Die Bewertung erfolgt als ganzheitlicher Ansatz auf Basis der vier Nachhaltigkeitsdimensionen "Ökologische Integrität", "Ökonomische Resilienz", "Soziales Wohlergehen" und "Gute Unternehmensführung", welche sich wiederum in 21 Themen und insgesamt 58 Unterthemen untergliedern. Mit dem SMART-Tool können sowohl der Lebensmittelhersteller als auch die landwirtschaftlichen Vorlieferanten bewertet werden.

Nachhaltigkeitsblume Grafik: Dimensionen von Nachhaltigkeit. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Die optische Umsetzung von Nature & More in Form der Nachhaltigkeitsblume mit den sechs ökologischen und drei sozialen Dimensionen. Grafik: natur & more

Nachhaltigkeitsblume

Die Nachhaltigkeitsblume wurde im Jahr 2009 von einer internationalen Gruppe von Pionieren der Biobewegung um die Soil & More Foundation entwickelt. Ihr Ziel war es, ökologische und soziale Werte in einem aufmerksamkeitsstarken plakativen Modell zu vereinen. Ergebnis war die "Nachhaltigkeitsblume" mit ihren sechs ökologischen und drei sozialen Dimensionen, die anhand von Leistungsindikatoren des GRI-Standards definiert werden.


Letzte Aktualisierung: 11.05.2015