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Verkaufsargumente für Biofisch

Forellen im Eimer. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Fische haben in der Bioaquakultur deutlich mehr Platz. Foto: BLE, Thomas Stephan

Die Nachfrage nach Fisch hat sich in den vergangenen 30 Jahren mehr als verdoppelt. Fisch gilt als gesundes Nahrungsmittel und stellt für viele, die auf Fleisch verzichten, eine Alternative dar –  er liefert nicht nur eine große Menge an verschiedenen Vitaminen, sondern ist auch reich an Jod, leicht verdaulichem Eiweiß sowie wertvollen Omega-3-Fettsäuren. Ernährungsphysiologinnen und -physiologen empfehlen daher am besten ein- bis zweimal pro Woche Fisch zu essen. Gleichzeitig sind nahezu alle Bestände überfischt. Rund 90 Millionen Tonnen Fisch und andere Meerestiere werden jährlich aus den Ozeanen gefischt, weitere 50 Millionen Tonnen aus Zuchtanlagen. Davon geht rund ein Viertel in die Verarbeitung zu Fischöl und -mehl, welches anschließend an Hühner und Schweine verfüttert wird. Bis zu 30 Millionen Tonnen landen durch die industrielle Fischerei jährlich als Abfall wieder im Meer. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen und damit den Fortbestand eines artenreichen marinen Ökosystems zu unterstützen, sollte man besser Biofisch oder Fisch aus nachhaltigem Fang essen.

In Europa und Norwegen wurden 2015 rund 70.000 Tonnen Produkte aus Bioaquakulturen produziert. So werden in Irland mit rund 31.000 Tonnen die meisten Aquakultur Produkte hergestellt, gefolgt von Norwegen mit über 16.000 Tonnen. Viele Länder nennen allerdings nur eine Gesamtsumme ihrer Produkte – nicht unterteilt nach Arten. Demnach wurden rund 17.500 Tonnen Muscheln, vor allem in Irland und Italien, produziert. Außerdem fast 4.000 Tonnen Karpfen und Barben in Rumänien und Litauen. Für Deutschland wird eine Produktion von 955 Tonnen ausgewiesen.

Was bedeutet Bio bei Fisch?

Grafik zur Bioaquakultur. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Irland ist bei Bioaquakulturen an der Spitze. Grafik: AMI-Zusammenstellung basierend auf Eurostat.

Bio bei Fisch bedeutet, dass die Fische aus kontrollierten Aquakulturen nach ökologischen Richtlinien stammen. Dort werden Fische nach Rahmenbedingungen erzeugt, ohne die genutzte Art oder die Ökosysteme, in denen sie leben, zu schaden. An erster Stellte gilt das Gebot der artgemäßen Tierhaltung und -fütterung. Es gibt eine geregelte Besatzdichte für jede Fischart, so hat beispielsweise ein Biokarpfen mit 20 Quadratmetern etwa acht Mal so viel Platz wie ein konventioneller. Auf diese Weise können Biofische nicht nur ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachkommen, sondern empfinden auch weniger Stress. Dies hat wiederum einen positiven Effekt auf das Wachstum und damit auch auf den Geschmack. In der biologischen Teichwirtschaft ist zudem der Zusatz von Hormonen, Farbstoffen und Wachstumsregulatoren verboten. Im besten Fall reicht das natürliche Angebot an Futter, wie Insektenlarven, Schnecken, Würmern und Plankton, im Teich aus. Ist das natürliche Angebot nicht ausreichend, erhalten Biofische zusätzlich Futtermittel, deren Zutaten ausschließlich aus anerkannt ökologischer Erzeugung stammen.

Vier deutsche Erzeugerverbände haben bereits Richtlinien für eine ökologische Anzucht von Biofisch aufgestellt. Dabei beschränken sich Demeter, Bioland und Biokreis im Wesentlichen auf das Züchten von Friedfischen, also jene Fischarten, die keine anderen Fische jagen und sich ausschließlich von Insektenlarven, Schnecken, Würmern und Plankton ernähren. Dazu zählen beispielsweise Karpfen und die Barbe. Demgegenüber hat sich Naturland auch der Zucht von Raubfischen zugewandt. Diese fressen in freier Natur andere Fische, da sie für ihren Stoffwechsel tierisches Eiweiß benötigen. Gemeinsam mit Meeresbiologen der Clare Island Seafarm betreut Naturland ein Pilotprojekt zur Entwicklung anerkannt ökologischer Lachserzeugung. Die Lachse wachsen nahe der irischen Westküste in Hochseegehegen unter natürlichen Bedingungen auf. Biolachse dürfen nur mit Fischmehl aus Beifängen und Fischabfällen gefüttert werden, die ohnehin bei der Speisefischerei anfallen. Aus diesem Projekt gesammelte Erfahrungen sollen in den Richtlinienkatalog für die Biofisch-Erzeugung einbezogen werden.

Regionalität und Saisonalität spielen auch bei Fisch eine Rolle

Mittlerweile gibt es nicht nur Karpfen in Bioqualität, sondern auch viele andere heimische Fischarten wie Zander, Barsch, Hecht, Wels, Forelle, Schleie und Saiblinge. Somit ist nahezu das ganze Jahr Abwechslung auf dem Speiseplan geboten. Als besonders nachhaltig gilt der Verzehr von biologischen Friedfischen, da sie keinem anderen Fisch etwas zuleide tun und ihnen das natürliche Angebot des Teiches ausreicht. Biologische Raubfische, wie Lachse und Forellen, müssen hingegen mit tierischem Eiweiß zugefüttert werden. Der Genuss von Biofriedfischen lässt sich somit optimal mit Regionalität und Saisonalität kombinieren.


Letzte Aktualisierung: 09.01.2017