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Nahrungsergänzungsmittel

Ein bewegter Bereich im Hinblick auf Sortiment, Anbieter und Umsätze

Aus Früchten, Gemüse sowie verschiedenen Tabletten ist ein Fragezeichen auf rotem Grund geformt.
"Was ist denn am gesündesten?" "Was ist daran Bio?" Das Verkaufspersonal sollte zu Nahrungsergänzungsmitteln eine zuverlässige Antwort parat haben. Foto: FiBL Deutschland e.V.

Meinungen über Nahrungsergänzungsmittel gehen weit auseinander – entsprechend dem Angebotsspektrum selbiger. Unbestritten ist jedoch, dass eine Supplementierung (= die gezielte ergänzende Aufnahme) von Nährstoffen in bestimmten Lebenssituationen sinnvoll sein kann. Vor und während einer Schwangerschaft, im Alter oder bei speziellen Diäten beispielsweise wird eine gezielte Nährstoffergänzung von Expertinnen und Experten sogar ausdrücklich empfohlen.

Im ökologischen Einzelhandel ist das Sortiment von Nahrungsergänzungsmitteln sehr unterschiedlich ausgeprägt - von nahezu null bis hin zu langen Regalreihen. Doch was unterscheidet ein Nahrungsergänzungsmittel im Bioladen von dem in herkömmlichen Lebensmittelmärkten? Was rechtfertigt den höheren Preis? Die Vielzahl der Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln im Ökobereich verrät zumindest eines: Es scheint lukrativ zu sein, sich in diesem Gebiet zu platzieren – trotz verhältnismäßig kleiner Anteile am Gesamtumsatz mit diesen Erzeugnissen.

Zunächst einmal ist festzustellen, dass diese Produkte von Kundinnen und Kunden regelmäßig nachgefragt werden. Kenntnisse des Verkaufspersonals, beispielsweise warum welche Produkte geführt werden, worin die Unterschiede zu konventioneller Ware bestehen und welche Supplemente sich gegebenenfalls eignen, sind daher von Vorteil für eine glaubwürdige Unternehmenspolitik im ökologischen Einzelhandel. Laut bioVista-Angaben stehen unter anderem Bienenprodukte (Propolis, Blütenpollen), frauenspezifische Produkte (beispielsweise stark eisenhaltige Elixiere) oder natürliche Vitaminkonzentrate (Acerola- oder Sanddornprodukte) auf den vorderen Rängen der Umsatz-Hitlisten

Arzneimittel versus Nahrungsergänzungsmittel

Der Bereich der Nahrungsergänzungsmittel im ökologischen Lebensmittelhandel ist ein sehr heterogenes Gebiet, von naturbelassenen Pflanzenpresssäften hin zu stark verarbeiteten und hochkonzentrierten Kapseln ist alles vertreten. Zunächst einmal gilt es jedoch, die Produkte von frei verkäuflichen Arzneimitteln abzugrenzen, um beispielsweise Unterschiede in Preis- und Wirkungsspektrum zu erklären. Arzneimittel unterliegen einem weitreichenden Zulassungsverfahren, welches unter anderem durch Studien zur Gesundheitswirkung gekennzeichnet ist. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder das Verhalten bei Überdosierung müssen beispielsweise angegeben werden. Angeboten werden Arzneimittel jedoch meist an gleicher Stelle wie Nahrungsergänzungsmittel. Für die Erweiterung des Sortiments um frei verkäufliche Arzneimittel wird ein entsprechender Sachkundenachweis - der sogenannte Kräuterschein - von mindestens einer Person im Verkaufsbereich verlangt. Nahrungsergänzungsmittel hingegen sind gesetzlich dem Bereich Lebensmittel zugeordnet. Eine gesonderte Schulung des Personals ist nicht erforderlich, jedoch förderlich für Glaubwürdigkeit und Verkauf.

Äußerlich zu unterscheiden sind die Produkte durch die Angaben auf der Verpackung:

Unterschiede Arzneimittel - Nahrungsergänzungsmittel
Arzneimittel (frei verkäuflich)Nahrungsergänzungsmittel
Erlaubte Aussagenüber Heilung von Krankheiten: "bei Erkältungskrankheiten…" nur gesundheitsbezogene Angaben: "zur Stärkung von..."
Deklaration"Zusammensetzung" bzw. "verwendbar bis""Zutaten" bzw. "mindestens haltbar bis"

Frei verkäufliche Arzneimittel haben in der Regel eine höhere Wirkstoffkonzentration und einen dementsprechend höheren Preis. Diesen Unterschied gilt es den Kundinnen und Kunden zu kommunizieren.

 

Welches Ladensortiment ist passend?

Für ein ladenspezifisches und kundenorientiertes Angebot lohnt es, sich ein genaues Bild über die Kundschaft zu machen. Machen eher junge, ernährungsbewusste Menschen, Familien oder beispielsweise ältere Menschen einen Großteil der Kunden aus? Diese Käufergruppen haben verschiedene Ansprüche: Ernährungsbewusste junge Menschen greifen eher zu Vitamin- und Mineralstoffpräparaten, oft als Kombination – um beispielsweise stressbedingte ungünstige Ernährung zu kompensieren. Familien greifen (ebenso wie Senioren) gerne zu klassischen Hausmitteln, wohingegen ältere Menschen auch gerne Präparate zur gezielten Stärkung einnehmen. Zur optimalen Abstimmung des Sortiments ist die Beratung durch einen (oder einige wenige) Hersteller sinnvoll, die dies für gewöhnlich anbieten.

Die besondere Qualität im ökologischen Handel

Die ökospezifische Qualität ist bei Nahrungsergänzungsmitteln, wie auch bei anderen ökologischen Lebensmitteln, durch eine ganzheitliche und schonende Herstellung gekennzeichnet. Dabei wird nicht auf isolierte, synthetische Wirkstoffe gesetzt, welche oft im Verdacht stehen, vom Körper nicht angenommen werden zu können oder gar Schaden anzurichten. Vielmehr wird darauf geachtet, die natürlichen Wirkstoffe mitsamt ihren Begleitstoffen in den Produkten zu erhalten. Viele Hersteller haben dazu besondere Verfahren entwickelt, in denen pflanzliche Rohstoffe im Ganzen verarbeitet werden. Einige der im Handel erhältlichen Produkte sind von einer Ökokontrollstelle zertifiziert, andere wiederum nicht. Die Ursache dafür liegt oft darin begründet, dass nicht jeder Nährstoff in hochkonzentrierter Form durch natürliche Rohstoffe lieferbar ist (zum Beispiel Eisen oder Magnesium).

Eine gute Übersicht über die Qualitätskriterien der im Biohandel erhältlichen Nahrungsergänzungsmittel bieten die Mindestkriterien der Branchenverbände der Bioläden: Bei 100 Prozent Rohstoffen landwirtschaftlichen Ursprungs: Erfüllung (mindestens) der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau. Bei nicht 100 Prozent Rohstoffen landwirtschaftlichen Ursprungs sind ausgeschlossen:

  • chemisch-synthetische Süßstoffe, Konservierungs- und Aromastoffe,
  • synthetische Farbstoffe und Antioxidantien,
  • ionisierende Strahlung,
  • gehärtete Fette, Paraffine oder Polyethylenglycol (Ausnahme: Arzneimittel),
  • gentechnisch veränderte Zutaten.

Letzte Aktualisierung: 04.11.2015