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Ökologische Waschmittel

Ökowaschmittel - eine Herausforderung für Händler und Hersteller

Von einfachen Seifenflocken zu hoch wirksamen, technologisch optimierten Produkten – so liest sich die lebendige Geschichte der Waschmittel im Ökosektor. Als Trend sind diese beiden Pole auch in aktuellen Sortimenten zu verzeichnen: Natürlichkeit versus Convenience-Produkt; Waschnüsse versus Weichspüler. Besonders die Convenience-Produkte unter den Waschmitteln sind gefragt – die umsatzstärksten Produkte sind Flüssigwaschmittel – die jedoch mit einem höheren Anteil an waschaktiven Substanzen ausgestattet werden müssen und daher ökologisch nicht an erster Stelle stehen. Erst danach folgen beispielsweise die effizienten Colorwaschmittel sowie Spezialprodukte wie Wollwaschmittel. 

Das Angebot an Waschmitteln im Bioladen hat sich in den letzten Jahren erheblich entwickelt und kann heute mit einer Vielfalt aufwarten, die an das Produktspektrum des konventionellen Handels anknüpft. Ein Großteil der Hersteller ökologischer Waschmittel arbeitet kontinuierlich an Produkt- und/oder Prozessinnovationen. Dennoch scheint es keine leichte Aufgabe zu sein, an den Erfolg des ökologischen Lebensmittelsektors anzuknüpfen, wenn auch Waschmittel im Non-Food-Bereich die umsatzstärkste Gruppe darstellen (ohne Kosmetik). Demnach sorgt dieser gesamte Bereich für ca. zwei Prozent des Umsatzes im Einzelhandel, ein Fünftel davon etwa ist den Waschmitteln zuzuschreiben (bioVista).

Werden seitens des Handels Putz- und Waschmittel auch als eine unverzichtbare und originäre Produktgruppe angesehen, gilt diese doch "noch immer als ein schwieriger Bereich", wie beim Naturkosthandel Phönix im Taunus kommentiert wird. 

Vollständige biologische Abbaubarkeit als Leitbild

Nicht alle Inhaltsstoffe unserer Abwässer nehmen den Weg über die Filterung in einer Kläranlage – bei Starkregen beispielsweise gelangen Abwässer aus der Kanalisation als "Regenwasserüberlauf" direkt in die Gewässer. In Form von Klärschlamm werden (jenseits der ökologischen Bewirtschaftung) Rückstände aus der Abwasserreinigung zur Düngung auf landwirtschaftliche Flächen aufgetragen. Die Gewässerbelastung durch Wasch- und Putzmittel, die in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts immens angestiegen war, wurde nicht zuletzt durch die Ökologiebewegung dieser Zeit bis heute jedoch bereits deutlich verringert. Phosphate in Waschmitteln werden heutzutage beispielsweise wenig eingesetzt, ebenso wie Füll- und Hilfsstoffe, auf die in den marktüblichen Kompakt-Waschmitteln weitestgehend verzichtet wird. Bei ökologischen Waschmitteln geht es jedoch über diesen reinen Verzicht hinaus: Die Waschmittel sollen so weit wie möglich unschädlich für Flora und Fauna sein und durch Mikroorganismen vollständig in Kohlendioxid und Mineralstoffe abgebaut werden können.

Auf die Inhaltsstoffe kommt es an

Doch auch innerhalb des Biosortiments gibt es teilweise beachtliche Differenzen. Dahinter steht neben den einerseits unterschiedlichen Firmenphilosophien und Zielen andererseits auch das Fehlen einer entsprechenden verbindlichen Verordnung im Bereich ökologischer Wasch- und Putzmittel. Dort wird seitens des Handels auch eine Ursache für das "Stiefkind-Dasein" ökologischer Waschmittel gesehen "Die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau greifen in diesem Bereich nicht, dadurch sind die Verbraucher verunsichert und oft über Qualitätsmerkmale von ökologischen Waschmitteln nicht informiert", erklärt ein Mitarbeiter des Großhändlers Phönix weiter. So läuft unter dem Schlagwort "ökologisches Waschmittel" ein Spektrum an Produkten, die bezüglich der Produkt- und Prozessqualität sehr unterschiedlich aufgestellt sind. Von dem bloßen Verzicht auf synthetische Farb-, Duft-, und Konservierungsstoffe hin zu einem Herstellungsprozess nach allen Kriterien der Nachhaltigkeit - die ökologische Qualität der Waschmittel ist oft erst bei genauerem Hinsehen auszumachen.

Verwendung von natürlichen Rohstoffen

Maßgeblich bei den Rohstoffen ist zunächst die Verwendung von fast ausschließlich natürlichen Rohstoffen. Dies bedeutet einen diametralen Gegensatz zu nichtökologischen Waschmitteln, die größtenteils auf erdölbasierten Produkten beruhen. Einen Überblick der üblichen Inhaltsstoffe ökologischer Waschmittel gibt die folgende Auflistung. Für eine erfolgreiche Kundenkommunikation sind die Kenntnisse dieser Qualitätsparameter existenziell:

Inhaltsstoffe von Waschmitteln
InhaltsstoffRohstoff
Farb- Duft- und Konservierungsstoffewenn vorhanden, kommen diese aus natürlichen Quellen
Seifen (waschaktive Substanz)aus natürlichen Rohstoffen, optimal biologisch abbaubar, empfindlich gegen hartes Wasser
Tenside (waschaktive Substanz)aus natürlichen Rohstoffen (beispielsweise Kokos- oder Zuckertenside), gut abbaubar, hochergiebig
Citrate (Enthärter)Salze der Zitronensäure
Zeolith, Silikate (Enthärter)in großen Mengen vorkommende, unbedenkliche Mineralstoffe
Polyasparaginsäure (Enthärter)Eiweißbaustein aus Muscheln zum Aufbau der Kalkschalen, sehr gut abbaubar und wirksam - wird jedoch aus Erdölrohstoffen gewonnen
Natriumcarbonate (Bleichmittel)nur in Vollwaschmitteln, aus natürlichen Vorkommen
Enzymedifferenzierte Umgangsweise: teils ausgeschlossen, teils aus natürlichen Quellen, teils aber auch aus gentechnisch modifizierten Organismen (s.u.)

Enzyme verbessern in herkömmlichen Waschmitteln die Reinigungsleistung erheblich und tragen somit zunächst zur Ressourcenschonung bei. Jedoch werden die in Waschmitteln üblicherweise eingesetzten Enzyme aus Effizienzgründen durch gentechnisch veränderte Organismen hergestellt, die eine höhere Ausbeute vorweisen können. Dies führte (mit einer Ausnahme) dazu, dass ökologische Waschmittelhersteller diese Art von Enzymen grundsätzlich nicht verwenden. Ebenso führte dies zu den Bemühungen einiger Hersteller, gentechnikfreie Enzyme herzustellen, die in der Zutatenliste der Waschmittel auch als solche deklariert sind.

Qualitätsmerkmale ökologischer Waschmittel kommunizieren

Logos: Eco-Garantie und Ecocert
Diese Siegel im Waschmittelbereich stehen für ökologische Standards mit jeweils eigenen Schwerpunkten. Quellen: Eco Garantie, Ecocert

Eine kompetente und sachgerechte Aufklärung des Verkaufspersonals ist ratsam, um den Kundinnen und Kunden die besondere Qualität ökologischer Waschmittel näher bringen zu können. Einige Hersteller laden daher zu Schulungen und anderen Maßnahmen der Wissensvermittlung bezüglich ihrer Produkte ein – eine Internetrecherche zu diesen Angeboten entlang der vorhandenen Produktpalette lohnt sich meist.

Ökolabel erleichtern die Bewertung und Kaufentscheidung

Aufgrund der in der EU verpflichtenden Volldeklaration ist somit für Händlerinnen und Händler sowie interessierte Verbraucherinnen und Verbraucher eine Bewertung der Inhaltstoffe von Waschmitteln prinzipiell möglich. Erleichtert wird dies durch Ökosiegel, nach deren Standards sich einige der am Markt agierenden Hersteller von ökologischen Waschmitteln zertifizieren lassen.

Während Ecocert hauptsächlich auf ressourcenschonende Herstellung und eine verständliche und transparente Verbraucherkommunikation setzt, legt die Zertifizierung nach Eco Garantie ebenso Wert auf andere Ziele der Nachhaltigkeit – zum Beispiel die soziale Verantwortung der Unternehmen. Ebenso müssen hier die Produkte nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau hergestellt werden, welche die Verwendung von landwirtschaftlichen Rohstoffen aus ökologischem Anbau erfordern.


Letzte Aktualisierung: 04.11.2015