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Ökotextilien

Die "zweite Haut" - nachhaltig und modisch

Ökomode hat sich gemausert: Vom "Leinensack-Image" hat sie es auf die Catwalks der großen Fashionshows geschafft. Attraktiv in Schnitt und Design kann sie sich in Business und Freizeit sehen lassen. Aus ökologisch erzeugten Rohstoffen und unter fairen, nachhaltigen Bedingungen produziert, trumpft Ökomode aber auch mit inneren Werten auf. Und gerade diese Aspekte interessieren immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher, wenn es um den Kauf von Kleidung geht.

Diesen Trend hat Otto Group-Trendstudie 2013 zum ethischen Konsum festgestellt. Immer mehr Konsumenten kaufen ethisch hergestellte Produkte und geben dafür auch mehr Geld aus. Zugleich ist aber auch die Unsicherheit der Verbraucherinnen und Verbraucher bei ihrer Kaufentscheidung gestiegen. Vertrauen wird zum Schlüsselfaktor für den Verkauf von Waren. Unternehmen, die transparent und offen kommunizieren, werden zu den Gewinnern gehören. 

Ökotextilien sind in vielen Naturkostfachgeschäften noch ein Nischenprodukt, doch steckt darin ein ganz besonderes Potenzial. Mit einem ausgewählten Sortiment an konsequent ökologisch gefertigten Kleidungsstücken und mit Ihrer Beratungskompetenz können Sie sich einen Namen machen und zur Einkaufsquelle für modebewusste, anspruchsvolle Kundinnen und Kunden werden.

Nehmen Sie Ihrer Kundschaft die Unsicherheit und möglicherweise "Berührungsängste" beim Einkauf von Ökotextilien und erweisen Sie sich als verlässliche Beraterin oder verlässlicher Berater. Einen ersten Überblick zu glaubwürdigen Labels für Ökotextilien finden Sie hier, weiterführende Informationen, auch zur Weitergabe an interessierte Kundinnen und Kunden, stellen Ihnen die vorgestellten Organisationen gerne zur Verfügung.

Was macht Ökomode aus?

Der ökologische Anbau der Rohstoffe, beispielsweise von Baumwolle, ist zwar ein wichtiger erster Schritt, doch die Anbauweise alleine macht aus den Textilien noch keine Ökotextilien. Ein wichtiges Kriterium für vertrauenswürdige Naturtextilien ist, dass die gesamte Produktionskette betrachtet wird.

Wesentliche Anhaltspunkte sind neben der umweltschonenden Produktion der Rohstoffe deren Verarbeitung und Veredelung, aber auch soziale Verantwortung der Hersteller in Form von fairen Arbeitsbedingungen und Handelsbeziehungen. Auch der Transport beziehungsweise die Transportmittel sowie die Verpackung werden bei Ökomode ins Visier genommen. Transportstrecken sollen möglichst gering sein, umweltschädigende Transportmittel wie das Flugzeug vermieden werden. Ebenso soll die Verpackung möglichst nachhaltig beschaffen sein.

Bei Textilien sind, anders als bei Biolebensmitteln, Aussagen wie "Bio" oder "Öko" nicht gesetzlich geschützt. Auch die Verwendung von Begriffen wie "Green Fashion" oder "Ökomode" ist nicht geregelt. Um Image und Umsatz aufzubessern, betreiben Textilhersteller und Modemarken nicht selten "Greenwashing" - in unterschiedlichen Variationen: Mal handelt es sich um Kleidungsstücke, deren Rohstoff zwar Biobaumwolle ist, die ansonsten aber mit den üblichen Textilchemikalien gefertigt wurden. Oder es findet lediglich eine reine Schadstoffprüfung am Endprodukt statt, die aber nichts über den Herstellungsprozess und die eingesetzten Materialien aussagt.

Vertrauenswürdige Qualitätszeichen

Eine verlässliche Orientierung im Gewirr der vielen Pseudo-Ökotextilien geben die Qualitätszeichen, die der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) e.V. entwickelt hat. Sie definieren, was man unter "Natur" im Zusammenhang mit Textilien und Leder versteht. Der "Global Organic Textile Standard" (GOTS) und die beiden Qualitätszeichen des IVN, "Naturtextil IVN zertifiziert BEST" und "Naturleder IVN zertifiziert" vermitteln auf einen Blick, dass das Kleidungsstück die IVN-Vorgaben für ein ökologisch und sozialverträglich hergestelltes Produkt erfüllt.

Global Organic Textile Standard (GOTS)

GOTS ist ein international etablierter Standard, der weltweit einen Maßstab für Umwelt- und Sozialverträglichkeit in Sachen Textilien setzt. Er ist der Mindeststandard, den nach IVN-Auffassung Naturtextilien erfüllen müssen. Ein GOTS-gelabeltes Kleidungsstück muss aus mindestens 70 Prozent biozertifizierten Naturfasern bestehen, höchstens 30 Prozent dürfen synthetische Fasern oder Viskose sein. Weltweit sind über 3.663Unternehmen zertifiziert (Stand: November 2015).
Weitere Informationen zu GOTS

Naturtextil IVN zertifiziert Best

Die Anforderungen des "Best Standards" gehen in vielen Punkten über den GOTS Standard hinaus. Zum Beispiel muss das eigentliche Gewebe zu 100 Prozent aus Naturfasern bestehen, die aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) oder kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) stammen. Alle Schritte der Textilverarbeitung und die nach IVN Standard erlaubten Verfahren sind auf der Internetseite des IVN detailliert beschrieben.
Informationen zu Naturtextil IVN zertifiziert Best

Naturleder IVN zertifiziert

In Europa gibt es für Naturleder nur diesen Standard. Geregelt sind unter anderem die Herkunft der Rohmaterialien sowie die Verwendung von Reinigungsmitteln und Gerbverfahren. Gewünscht ist die Verwendung von Pflanzenfarbstoffen. Auch für Naturleder müssen ebenso wie für IVN zertifizierte Textilien die Grenzwerte für Schadstoffe im Endprodukt eingehalten werden.
Weitere Informationen zu Naturleder IVN zertifiziert

Informationsmaterial für Sie und Ihre Kundschaft

Für Händler stellt der IVN in Zukunft sukzessive Werbemittel zu bestimmten Themenbereichen zur Verfügung. Bereits jetzt verfügbar ist der Flyer zu den Qualitätszeichen. Er kann auf der Internetseite entweder heruntergeladen werden oder in der Druckversion angefordert werden. Händlerinnen und Händler können gerne auch mehrere Exemplare zur Weitergabe an Kundinnen und Kunden bestellen.
Weitere Informationen zu den IVN-Werbemitteln

Ökotextilien nach Naturland Standards

Bereits 2005 hat Naturland in Anlehnung an international bereits existierende Regelungen eigene Verarbeitungsrichtlinien für Ökotextilien entwickelt. Sie gehen in einigen Punkten über den Mindeststandard des GOTS hinaus: Zum Beispiel sind die Behandlung mit starken Laugen (Mercerisation) und das optische Aufhellen nicht erlaubt. Im Rahmen der Ökozertifizierung lässt Naturland auch die konsequente Umsetzung der Naturland Sozialrichtlinien überprüfen. Das Naturland Zeichen auf diesen Textilien steht für die lückenlose Zertifizierung von der Ausaat der Baumwolle, über die Verarbeitung zu Stoffen, deren Veredelung (Färben, Drucken, Ausrüsten) bis zum Zuschneiden, Nähen und Verpacken der Ware. Jedes einzelne Glied in dieser Kette unterliegt der Inspektion durch eine unabhängige Kontrollstelle.

Seit Herbst 2006 sind Ökotextilien aus dem ersten Naturland Textilprojekt auf dem Markt. Die Biobaumwolle wird in Gujarat, dem westlichsten Bundesstaat Indiens, angebaut. Die Naturland zertifizierte Biobaumwolle, die beispielsweise für die Kooperation mit dem Textilhersteller Living Crafts verwendet wird, stammt von einer Genossenschaft aus Mali (Westafrika), der über 6.000 Kleinbauern angehören.

Fairtrade-Baumwolle

Logo Faitrade. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Textilien aus dem Fairem Handel erkennt man an diesem Logo.# Quelle: TransFair

Sich modisch kleiden und anderen mit seinem Kauf helfen, das geht mit Textilien aus Fairem Handel. Mithilfe des Fairen Handels und den daraus bedingten Mehreinnahmen können Baumwollproduzenten ihre Lebensqualität deutlich verbessern. Fairtrade-Baumwolle stammt aus Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika. Der Faire Handel zahlt den Bäuerinnen und Bauern einen Mindestpreis und einen Aufschlag für biologisch angebaute Baumwolle. Zusätzlich wird eine Fairtrade-Prämie ausgezahlt, die von den Kooperativen gemeinschaftlich zum Beispiel für den Bau von Schulen oder zur Investition in die Gesundheitsfürsorge verwendet wird. In einigen Fairtrade-zertifizierten Kooperativen wurde bereits auf biologisch angebaute Baumwolle umgestellt. Der Bioanbau bringt den Baumwollpflücker und -pflückerinnen höhere Einnahmen. Und für die Frauen in den Anbauländern spielt Bio zusätzlich eine wichtige Rolle: Sie arbeiten in einem unbelasteten Umfeld, was während der Schwangerschaft für Mutter und Kind lebenswichtig ist. Fairtrade-Baumwolle wird auch von unterschiedlichen Herstellern aus der Bekleidungsindustrie als Rohstoff für modische Kleidung und Heimtextilien verwendet.

Eine Übersicht gibt die Produktdatenbank auf der Internetseite von TransFair.

Wie nachhaltig ist Ihre Arbeitskleidung?

Auch ökologisch und sozialverträglich hergestellte Arbeitskleidung spielt eine immer wichtigere Rolle. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und entscheiden Sie sich bei der Ausstattung Ihres Verkaufspersonals mit Oberteilen, Hosen oder Schürzen für zertifizierte Ökotextilien. Hier eine Auswahl an Anbietern von Berufsbekleidung, die auch zertifizierte Ökotextilien führen:

Auch andere Textilhersteller und Anbieter von Textildrucken bieten zunehmend Shirts mit Ökotextil-Zertifikat oder Fairtrade-Label an. Nachfragen lohnt sich!

Gut zu wissen!

Die Begriffe "Bio" und "Öko" sind nur im Zusammenhang mit Lebensmitteln geschützte Begriffe. Solche Bezeichnungen auf dem Etikett eines Kleidungsstückes sagen nichts über die Herkunft oder Verarbeitung der Rohstoffe aus. Ein gesetzliches Bio-Siegel für Textilien gibt es nicht, denn im Gegensatz zu Biolebensmitteln ist der Bereich der Naturtextilien nur privatrechtlich definiert.


Kirsten Brodde: Saubere Sachen
Wie man grüne Mode findet und sich vor Öko-Etikettenschwindel schützt 
ISBN: 978-3-453-28003-8

Letzte Aktualisierung: 04.11.2015