Handel


Kundengewinnung durch Social Media

Potenzielle Kundinnen und Kunden schauen sich vor einem Einkauf nicht nur auf den Internetseiten, sondern auch in den Social-Media-Kanälen eines Geschäftes um. Das gilt insbesondere für die jüngeren Generationen. Wann öffnet der Laden? Welche Sonderaktionen gibt es in dieser Woche? Wie haben andere den Laden bewertet? Fragen, auf die Kundinnen und Kunden schon vor ihrem Einkauf in einem Bioladen online Antworten finden möchten. Social-Media-Kanäle sind daher eine gute Möglichkeit, dieser Erwartungshaltung nachzukommen.

In Social-Media-Kanälen geht es per Definition um die soziale Interaktion zwischen Nutzerinnen und Nutzern. Wenn ein Bioladen es schafft, sich bei Facebook und Co. authentisch und ansprechend zu präsentieren, verbindet die Kundschaft häufig ein "Gesicht" mit diesem Geschäft.

Für den Bioladen geeignete Social-Media-Kanäle – Beispiele

Die Angebote an sozialen Netzwerken sind vielfältig und neue kommen ständig hinzu. Für die Nutzung ist es daher wichtig, die Funktionen der verschiedenen Social-Media-Kanäle zu verstehen:

Facebook

  • Eher für mittelalte bis ältere Zielgruppe
  • Fokus liegt auf Vernetzung und Austausch von Neuigkeiten
  • Einstellen von Veranstaltungen
  • Längere Texte können als Blog gepostet werden
  • Einstellen von Angeboten oder Rabatten
  • Ansonsten kurze Texte mit Bildern und Videos

Instagram

  • Eher für jüngere Zielgruppe
  • Fokus liegt auf kurzen Videos und Bildern
  • Nur wenig Text
  • Stärkere Nutzung von Hashtags (#)

Weitere soziale Netzwerke sind zum Beispiel Pinterest, Snapchat, Flickr, YouTube oder Twitter.

Anteil der Nutzer von Social-Media-Plattformen nach Alter. Klick öffnet Grafik
Anteil der Nutzer von Social-Media-Plattformen nach Altersgruppen in Deutschland im Jahr 2018
Quelle: ARD, ZDF. (2018). Anteil der Nutzer von Social-Media-Plattformen nach Altersgruppen in Deutschland im Jahr 2018. Statista. Statista GmbH. Zugriff: 04. September 2019. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/543605/umfrage/verteilung-der-nutzer-von-social-media-plattformen-nach-altersgruppen-in-deutschland/

Mehr als Basis-Informationen liefern

Die Vorteile in der Nutzung der sozialen Netzwerke liegen nicht nur in den verhältnismäßig geringen Kosten einer Social-Media-Präsenz. Bioladnerinnen und Bioladner können zudem von folgenden Vorteilen profitieren, wenn sie so die Möglichkeit nutzen, ...

  • Kundinnen und Kunden auch zu Hause mit interessanten und relevanten Informationen zu erreichen.
  • über Veranstaltungen im eigenen Laden, wie zum Beispiel Verkostungen, Weinproben, Jubiläum, Neueröffnung zu informieren.
  • über eventuelle Auszeichnungen zu informieren
  • die Geschichten hinter den Produkten zu erzählen, für die im Ladenalltag nicht immer genug Zeit ist.
  • Kundenbewertungen transparent zu machen.

Wenn, dann aber richtig

Unabhängig davon, welcher Social-Media-Kanal genutzt wird, gilt es ein paar grundlegende Punkte zu beachten, um einen gelungenen Austausch mit der bestehenden Kundschaft und potenziellen neuen Zielgruppen über die sozialen Netzwerke zu erreichen:

  • Beantwortung von Anfragen möglichst innerhalb eines Tages oder sogar weniger Stunden,
  • Wertschätzung von Kommentaren der Nutzerinnen und Nutzer,
  • regelmäßige Erstellung von Inhalten mit echtem Mehrwert,
  • Pflege vorhandener Inhalte,
  • Einsatz visueller Medien – ein Bild wird von Nutzerinnen und Nutzern deutlich schneller wahrgenommen und verarbeitet als ein Text,
  • Bildqualität spielt eine wichtige Rolle – nimmt die Qualität ab, sind Follower so schnell wieder weg, wie sie gekommen sind,
  • Inhalte und Anzeigen sollten bei allen Kanälen auch auf die mobile Nutzung ausgerichtet sein,
  • Datenschutzregelungen beachten – die sozialen Netzwerke werden immer wieder wegen undurchsichtiger Datenschutzregelungen kritisiert.

Beispiele für Inhalte auf Social-Media-Kanälen

Screenshot Facebookseite Dein Bioladen
Fotos von Kochexperimenten mit einer Info, dass alle Zutaten im Laden erhältlich sind, eignen sich zum Beispiel für einen Social-Media-Account. Foto: Henriette Quaing, AMI
  • Produktberatungen,
  • Rezepte und Serviervorschläge (zum Beispiel Bild von einer Weinflasche mit der Botschaft: "Die fröhliche Rosemary. Feiner Perlwein mit Organgen- und Rosmarinextrakt. Mit einem kleinen Rosmarinzweig und Eiswürfeln servieren."),
  • Aktuelle Angebote (zum Beispiel Bild von frischem Obst und Gemüse mit der Botschaft: "Diese Woche haben wir für euch wieder frisches Obst und Gemüse im Angebot."),
  • Berichte über einen Besuch der Lieferantinnen und Lieferanten (zum Beispiel Bild von einem Kürbisfeld mit der Botschaft: "Hier wachsen unsere Kürbisse, bevor sie in den Bioladen kommen."),
  • Berichte über Mitarbeiterteilnahmen an Messen und Veranstaltunge,
  • Gewinnspiele (zum Beispiel "Aufgepasst: Heute verlosen wir drei Genussboxen der Firma Wonig."),
  • Einblicke in den Ladenalltag,
  • Bevorstehende Veranstaltungen (zum Beispiel "Diesen Freitag könnt ihr wieder leckere Produkte bei uns im Markt probieren. Es erwarten euch: Trinkjoghurt von Andechser Natur in den Sorten Mango Vanille oder Himbeere-Lemon."),
  • Mittagsangebot im Bistro.

Ressourcen planen

Man muss nicht überall vertreten sein. Denn das kostet Zeit, da jeder Account pflegeaufwändig ist. Deshalb ist es wichtig, besonders für kleinere Bioläden, vorab zu klären, wer sich darum kümmert. Dafür braucht es Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter mit einem guten Auge, Kreativität und einem Sinn fürs Schöne. Natürlich ist auch eine Affinität zum Umgang mit sozialen Netzwerken erforderlich. Die Bioladnerin oder der Bioladner sollte sich also eine kommunikationssichere Kraft aussuchen, die mehrere Stunden pro Woche aktives Social-Media in der Arbeitszeit betreiben kann. Manchmal ist es auch möglich, die Inhalte von einem auf das andere soziale Netzwerk zu übertragen. Das kann Zeit sparen.

Ein spürbarer Kundenzuwachs wird vermutlich erst mit der Zeit zu verzeichnen sein. Deshalb ist es wichtig, am Ball zu bleiben und die Plattform regelmäßig zu pflegen, mit aktuellen Informationen zu befüllen und die Kommunikation mit den Nutzerinnen und Nutzern zu betreuen. Der Erfolg kann über Daten, wie Likes, Teilen oder dem Feedback in den Kommentaren gemessen werden.

Angebot an Beratungen und Schulungen nutzen

Externe Unterstützung kann zum Einstieg sehr hilfreich sein. Auch der Besuch von passenden Seminaren kann zeigen, wie man mit den Online-Kanälen effektiv arbeitet und mit welcher Strategie Sie speziell in Ihrem Bioladen einen Vorteil aus den sozialen Netzwerken ziehen können. Die Klaus Braun Kommunikationsberatung bietet zum Beispiel regelmäßig Schulungen zum professionellen Umgang mit Social-Media in Bioläden an. Auch das Institut für den Fachhandel gibt Seminare zu diesem Thema. Ein Seminar hat stets den Vorteil, mit anderen Interessierten Meinungen und Erfahrungen austauschen zu können. Es gibt auch die Möglichkeit, ein Zertifikat als Social-Media-Managerin oder -Manager zu erlangen. Dies kann für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Motivation sein, sich über die alltäglichen Dinge, die in einem Bioladen anfallen, hinaus zu qualifizieren.

Bioläden können zukünftig noch viel mehr von den vielfältigen Möglichkeiten der sozialen Netzwerke profitieren. Eigentlich haben sie viele tolle Geschichten auf Lager, die es verdienen, erzählt zu werden, vor allem bei den Pionieren. Social-Media-Kanäle sind daher eine gute Möglichkeit, um diese Geschichten sowie die eigenen Stärken auch zeitgemäß zu kommunizieren.


Letzte Aktualisierung: 04.09.2019