Handel


Biobier – eine Nische mit Potenzial

Bottich mit 8000 Liter Pils. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Kontrolle des Gärprozesses im Keller einer Biobrauerei. Foto: BLE, T. Stephan

Das Brauen und der Genuss von Bier haben in Deutschland eine lange Tradition. Dies spiegelt sich in der großen Anzahl an Brauereien, der enormen Vielfalt an Bieren und der Verbrauchsmenge wider. Bier aus ökologischer Erzeugung spielt dabei nur eine kleine Rolle. Es bietet dem Fachhandel aber durchaus Chancen.

Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes (DBB) stießen 1.388 Brauereien im Jahr 2015 knapp 96 Millionen Hektoliter Bier aus. Ein Sechstel dieser Menge wurde exportiert. Im Gegenzug wurden 6,5 Millionen Hektoliter importiert, so dass rein rechnerisch pro Kopf der Bevölkerung 105,9 Liter Bier verbraucht wurden. Insgesamt ist der Konsum von Bier rückläufig. Gegen den Trend entwickelte sich jedoch die Nachfrage nach alkoholfreien Bieren, die in Deutschland immer beliebter werden und in 2015 auf einen Mengenanteil von rund 5,5 Prozent kamen.

Bio wächst in einem stagnierenden Marktumfeld

Ökologisch erzeugtes Bier bedient dagegen nur eine Nische. Dessen Marktanteil dürfte etwa bei weniger als einem Prozent liegen. Doch auch dieses Segment kann in einem stagnierenden Umfeld wachsen. So konnte die Neumarkter Lammsbräu, Marktführer im Biobierbereich, den Absatz im Jahr 2015 um rund 6 Prozent steigern.

Dabei profitieren die Biobrauereien sowohl vom anhaltenden allgemeinen Bioboom als auch von der zunehmenden Nachfrage nach Spezialitäten im Biermarkt. Konsumentinnen und Konsumenten zeigen sich offen für neue Geschmackserlebnisse und zunehmend bereit, dafür auch mehr zu zahlen. Denn Öko ist auch beim Bier teurer, wenngleich nicht viel. Die Branche beziffert die Mehrkosten für Rohstoffe aus ökologischem Anbau auf etwa 1 Euro je Mehrwegkiste.

Ein weiteres Argument für eine zunehmende Biobiernachfrage lieferte im Februar 2016 eine Untersuchung des Umweltinstituts München, die Glyphosat-Rückstände in den 14 meistgetrunkenen Bieren Deutschlands fand. Das deutsche Reinheitsgebot, das am 23. April 2016 sein 500-jähriges Jubiläum feierte, legt eben nur die Verwendung von Malz, Wasser, Hopfen und Hefe fest. Über die Qualität der Zutaten und der Bierherstellung bestimmt das Reinheitsgebot nichts.

Biobiere als Nische für den Fachhandel

Eine Auswahl deutscher Biobiere. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Nische Bio wächst über etablierte und neue Biere. Foto: BLE, D. Menzler

Gut 70 Prozent der in Deutschland konsumierten Biermenge werden über den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und Getränkeabholmärkte abgesetzt. Doch gerade in den Sortimenten des LEH sind Biobiere eine Ausnahme. Demgegenüber verfügen Getränkeabholmärkte in der Regel über ein breiteres Angebot. Doch hier stehen Biere aus ökologischer Erzeugung zwischen einer Vielzahl an konventionellen Spezialitäten und buhlen um die Gunst der Verbraucherinnen und Verbraucher, die den Bedarf nicht ausschließlich über nationale Marken und das Preiseinstiegssegment decken.

Hierin besteht die Chance des Naturkostfachhandels oder auch von größeren Biohofläden. Sie stehen damit als Bezugsquelle für Biobiere de facto nicht im Wettbewerb mit den Discountern und Vollsortimenter des LEH, die in vielen anderen Bereichen ihres Sortimentes Bio längst etabliert haben und dadurch in der jüngeren Vergangenheit das Wachstum des Biomarktes maßgeblich bestimmt haben.

Mit Verkostungsaktionen den Absatz steigern

Die Herausforderung für Ladnerin und Ladner besteht jedoch nicht nur darin, als Einkaufsstätte für Bier aus ökologischer Erzeugung wahrgenommen zu werden. Das Quasi-Alleinstellungsmerkmal erfolgreich zu nutzen, erfordert zudem, Kundinnen und Kunden die gelisteten Biomarken näher beziehungsweise auf den Geschmack zu bringen. Hier bieten sich Verkostungen im Laden an. Hervorragend passen derartige Aktionen natürlich in das rustikale Ambiente von Biohofläden. Ideal ist die Verbindung mit einem gastronomischen Angebot, in der die Biobiere angeboten werden. So kann die Gastronomie generell ein Verkaufsmotor für Biobier sein.


Letzte Aktualisierung: 17.08.2017