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Biohonig – ein spannendes Segment im Bioladen

Die Zahl der Biobienenstöcke weltweit ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 45 Prozent gestiegen. Damit hat sich die Anzahl der Stöcke innerhalb von zehn Jahren nahezu versechsfacht. Dies ist jedoch vor allem auf die deutlich verbesserte statistische Erfassung der Bienenvölker zurückzuführen. 3,5 Prozent der Bienenstöcke weltweit werden laut des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL) nach den EU-Rechtsvorschriften für den Ökologischen Landbau gehalten. Brasilien trägt mit 898.640 Stöcken gut 28 Prozent und damit den größten Anteil zu den globalen Biobienenbeständen bei. Mit großem Abstand folgen Sambia und Mexiko mit gut 388.000 beziehungsweise 368.000 Stöcken. In Deutschland wurden 2017 rund 35.000 Biobienenstöcke erfasst.

Anzahl Biobienenstöcke weltweit
Die Anzahl der Biobienenstöcke weltweit hat sich innerhalb von zehn Jahren fast versechsfacht. Bild: AMI

Bioanteil bei Honig ist gestiegen

Im Jahr 2018 haben die privaten Haushalte in Deutschland rund 4.217 Tonnen Biohonig eingekauft. Das waren rund drei Prozent weniger als im Vorjahr, aber fast acht Prozent mehr als im Jahr 2016. Die Einkaufsmengen an konventionell erzeugtem Honig sind 2018 gegenüber dem Vorjahr um mehr als acht Prozent zurückgegangen. Das Honiggeschäft ist sehr abhängig von der Saison, im Winter erreichen die Verkäufe in der Regel ihren Höhepunkt. 2018 lag der Umsatz mit Biohonig laut einer Analyse der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft auf Basis des GfK-Haushaltspanels bei rund 34,9 Millionen Euro. Damit ist der Bioanteil am gesamten Honigumsatz in Deutschland 2018 auf knapp zwölf Prozent gestiegen.

Durch einen Mix aus Einstiegsangebot und Spezialitäten punkten

Während Discounter und Vollsortimenter ihre Marktanteile 2018 im Vergleich zum Vorjahr ausbauen konnten, verloren der Naturkosthandel und die sogenannten sonstigen Einkaufsstätten wie Hofläden und Versandhändler Marktanteile. Wie also können Ladnerinnen und Ladner ihre Kundschaft auf das Honigsortiment aufmerksam machen und so ihren Umsatz steigern?

Profilierungsmöglichkeiten für den Naturkosthandel werden vor allem in Vielfalt, Qualität und Spezialitäten gesehen. Neben importierten und überregional verfügbaren Sorten können Honige von lokalen Imkerinnen und Imkern die Kundenbindung stärken. Auch Einladungen zu einer Honigverkostung, bei der eine Imkerin oder ein Imker persönlich vor Ort ist, können den Umsatz beleben. Kundinnen und Kunden haben bei einer solchen Verkostung nicht nur die Möglichkeit, sich durch die vielseitige Welt der Honige zu probieren, sondern können ihre Fragen rund um das Thema Biohonig direkt an eine Imkerin oder einen Imker richten. Das kann auch eventuelle Wissenslücken schließen, die beim Personal in Bezug auf Honigerzeugung und Imkereimethoden noch bestehen.

Rezepte zum Kochen, Backen und für Getränke mit Honig, die im Laden ausgelegt werden, sind ebenfalls eine Möglichkeit, Kundinnen und Kunden zum Kauf anzuregen. Schafskäsebaguette mit Thymianhonig, Maya-Wildblütenhonigparfait oder ein Honig-Mandel-Shake sind nur einige von vielen Rezeptbeispielen. Genussboxen, die aus verschiedenen Honigsorten in Sondergrößen bestehen, eignen sich als Geschenk zum Beispiel zu Weihnachten. Einige Lieferanten bieten auf Anfrage auch kostenlose Probiergläser und Infomaterial zum Auslegen im Laden an.

Interview mit Jakob Lang von "Walter Lang schwärmt für Honig"

Regal voller Honiggläser
Die unterschiedlichen Honigsorten bieten eine breite Vielfalt an Geschmacksnoten.
Bild: Alessandro Cristiano/iStock/Getty Images Plus via Getty Images

Oekolandbau.de sprach mit Jakob Lang, Mitarbeiter von Walter Lang schwärmt für Honig. Der Biohonighersteller hat 2013 erstmals eine Eigenmarke für den deutschen Biofachhandel auf den Markt gebracht.

Oekolandbau.de: Wie hoch schätzen Sie den Bioanteil bei Honig in Deutschland? Besteht noch mehr Marktpotential?

Lang: Der Anteil von Biohonig liegt bei circa zehn Prozent. Im Vergleich dazu liegt der Bioanteil in anderen Lebensmittelbereichen bei circa sechs bis sieben Prozent. Da gerade heute ein stetig wachsendes Bewusstsein für gesunde und nachhaltige Lebensmittel herrscht, sehen wir definitiv mehr Marktpotential im Biobereich.

Oekolandbau.de: Welche Honigsorten sind besonders nachgefragt? Liegen eher sortenreine oder gemischte Honige im Trend?

Lang: Jede Honigsorte ist besonders auf ihre eigene Art. Fein-aromatische bis blumig schmeckende Honige eignen sich zum Beispiel gut für verschiedene Dessertvarianten oder Getränke. Der cremige Virgin-Honig wiederum wird gerne auf dem Frühstückstisch als Aufstrich verwendet. Ein Lavendel-Honig besticht durch ein sehr feines Honigaroma und lässt sich am besten pur genießen. So gibt es für jeden Anlass und jeden Geschmack den passenden Honig.

Oekolandbau.de: Ist die Zugehörigkeit zu einem Bioanbauverband ein Vermarktungsvorteil?

Lang: Ja, da Anbauverbände wie zum Beispiel Bioland, Naturland et cetera eine nochmals höhere Qualitätsstufe als zum Beispiel nur Bioqualität bedeuten. Diese Abhebung vom Standard sehen wir als Vermarktungsvorteil.

Oekolandbau.de: Warum gibt es so viel Honig aus Lateinamerika oder auch Südosteuropa? Wie kann die Regionalität bei Biohonig mehr in den Vordergrund gerückt werden?

Lang: Die Nachfrage nach Honig in Deutschland ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hoch. Da wir nur 20 Prozent von dem Honigbedarf in Deutschland erzeugen können, müssen circa 80 Prozent davon importiert werden.

In Lateinamerika, wie zum Beispiel Mexiko aber auch in Regionen von Osteuropa ist die Imkerei noch tiefer in der Tradition der Menschen verwurzelt. Dort gibt es prozentual mehr Menschen, die Bienen halten. Die Imkerei gibt den Menschen eine Lebensgrundlage und verhindert, dass Sie aufgrund von Armut ihre Heimat verlassen müssen. Darüber hinaus ermöglichen die klimatischen Bedingungen und die Existenz von großen und unberührten Naturflächen eine fast ganzjährige Honigernte.

Die Regionalität des Biohonigs ist ein wichtiges Thema. Es darf nicht vergessen werden, dass die Mengen des Biohonigs, die in Deutschland erzeugt werden können, begrenzt sind. Das liegt zum Teil an den klimatischen und zum anderen an regionalen Bedingungen. Wichtig ist, dass jeder Honig den gleichen hohen Qualitätsstandards unterliegt.

Oekolandbau.de: Thema Verpackung – Geht der Trend hin zu PET-Quetschflaschen? Oder ist das nur ein kleiner Teilmarkt?

Lang: PET-Flaschen sind mittlerweile im Markt etabliert. Im Zuge der Nachhaltigkeit und zur Vermeidung von Umweltverschmutzung durch Plastikmüll geht der Trend dahin, diese PET-Flaschen aus recyceltem Material herzustellen, den sogenannten R-PET Flaschen.

Oekolandbau.de: Was sind die besten Argumente für den Kauf von Biohonig?

Lang: Bioimkereien verzichten auf chemisch-synthetische Mittel zur Behandlung der Bienen. Viele Bioimkereien setzen sich in den jeweiligen Ländern aktiv für Umweltschutz ein. Sie gehen gezielt gegen die Abholzung ihrer Urwälder und gegen die Verbreitung von Gentechnisch Veränderten Organismen (GVO) vor.

Generell ist der Kauf von Honig immer lohnenswert, weil man dadurch Imkereien unterstützt, welche durch die Haltung von Bienen den Fortbestand der Pflanzenwelt bewahren. Zusätzlich trägt man zu der Erhaltung einer Lebensgrundlage vieler Menschen bei.

Zusammenfassend bedeutet der Kauf von Honig immer einen Beitrag zum aktiven Umweltschutz.