Handel


Absatzpotenzial von Biolimonade

In Deutschland steigt der Limonadenkonsum

Der Markt für Erfrischungsgetränke in Deutschland hat sich über viele Jahre positiv entwickelt, zeigte zuletzt jedoch eine leicht rückläufige Tendenz. So steht es in der Studie "Branchenanalyse Getränkeindustrie (PDF-Datei)" der Hans Böckler Stiftung von Oktober 2017. Nach Prognosen der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke e.V. (wafg) anhand der Daten bis einschließlich des dritten Quartals 2018 ist der Verbrauch von Erfrischungsgetränken zuletzt wieder gestiegen – um 7,3 Liter beziehungsweise 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Datenlage in Bezug auf Biolimonaden ist jedoch dürftig. Marktkenner vermuten aber einen weiterhin boomenden Markt. Verwunderlich wäre das nicht, weil in den vergangenen Jahren eine Vielzahl an Herstellern und Produkten den Biolimonadenmarkt erobert haben.

Grafik zum Limonadenkonsum 2018. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Pro-Kopf-Verbrauch von Limonade steigt weiter an. Quelle: AMI nach Daten von Destatis und wafg

Bionade hat Pionierarbeit geleistet

Der Biolimonade zum Start verholfen hat in den Nullerjahren die fränkische Brauerfamilie Kowalsky mit der ersten Bionade. Das Erfrischungsgetränk avancierte in den folgenden Jahren zu einem Kultgetränk. Trendforscher bewerteten die Kombination von mehreren gesellschaftlichen Strömungen zur richtigen Zeit als Geschäftserfolg: Die Bionade setzte auf Bio, alkoholfrei, zuckerreduziert und neue Geschmacksrichtungen. Erhebliche Preiserhöhungen (30 Prozent mehr für den Kasten mit 24 Drittel-Liter-Flaschen) und die Übernahme durch die Radeberger-Gruppe führten jedoch 2009 zu rückläufigen Absatzzahlen. Branchenkenner vermuten, dass gerade der Einstieg der größten Brauereigruppe Deutschlands der Bionade das Image des "Sympathischen Underdogs" gekostet hat. Zum Jahreswechsel 2018 stieg dann Radeberger auch wieder aus und Bionade wurde unter anderem von der Mineralwassermarke Rosbacher und der Kelterei Rapp’s übernommen.

Coca-Cola ist jetzt auch im Biolimonadengeschäft aktiv

Nicht nur der Fachhandel bietet seiner Kundschaft eine große Vielfalt, sondern auch viele konventionelle Handelsketten haben zunehmend Limonade aus ökologischer Erzeugung im Sortiment. Seit einigen Jahren dominiert zunehmend das Haus Coca-Cola mit ViO BiO LiMO in vielen Geschmacksrichtungen die Getränkeregale des konventionellen Lebensmitteleinzelhandels. Der große Getränkehersteller kann Gastronomie und Handel mit der ganzen Palette an Erfrischungsgetränken beliefern. Kleinere Getränkehersteller haben es damit schwerer. Im Jahr 2015 startete Coca-Cola mit den ersten Abfüllungen von ViO BiO Limonade für den deutschen Markt. Abgefüllt wird ViO BiO LiMO in der PlantBottle – einer Flasche, die zu 14 Prozent aus pflanzlichen Rohstoffen und zu 35 Prozent aus wiederverwertetem Kunststoff besteht. Um die Biolimonade am Standort in Lüneburg abzufüllen, musste dieser zunächst biozertifiziert werden. Auch im Jahr 2019 erweiterte Coca-Cola das Getränkeportfolio der ViO BiO LiMO und bringt ein Mate-Getränk auf den Markt, das bio- und veganzertifiziert ist sowie kalorienarm sein soll. Coca-Cola erwarb im Jahr 2019 auch die Marke Honest und erweitert damit die Range an ökologisch und vegan-zertifizierten Limonaden im Handel.

Wie kann der Fachhandel die Biolimonade für sich wiedergewinnen?

Eine der ältesten Biobrauereien Deutschlands, die Neumarkter Lammsbräu mit Sitz in der bayrischen Oberpfalz, hat vor zehn Jahren die now Biolimonaden auf den Markt gebracht. Das Unternehmen stellt auch Biobier und Biomineralwasser her. Die Rohstoffe für die now Limonaden stammen überwiegend aus Süddeutschland. Nach eigenen Angaben kooperiert das Unternehmen mit rund 100 Landwirtinnen und Landwirten, die 2012 gemeinsam eine 4.650 Hektar große Fläche bewirtschafteten. 2018 konnte Lammsbräu bereits weit über die Hälfte des bei der Limonadenproduktion nötigen Zuckers von Biobäuerinnen und Biobauern aus Süddeutschland beziehen. Alle Zutaten können nicht aus der Region kommen, weil beispielsweise Orangen nun einmal nicht in Deutschland wachsen. Daher hat Lammsbräu hier das Regionalprinzip aufgegeben. Der Naturlandverband zertifiziert die Zutaten und soll als Partner die Transparenz in der Lieferkette sichern.

Um den Marktanteil von Biolimonaden im Naturkosthandel zu erhöhen, hat die Neumarkter Lammsbräu 2015 eine Studie in Auftrag gegeben. Demnach hat die Getränkevermarktung im Fachhandel ein großes Potenzial. Die Kundinnen und Kunden, die Biolebensmittel im Bioladen kaufen, haben bei dem Erwerb von Getränken einen doppelt so hohen Bon-Umsatz im Vergleich zu Konsumentinnen und Konsumenten, die nur Biolebensmittel kaufen. Die Zahlen für die Untersuchung stammen von bioVista und 27 Naturkostläden haben sich an der Studie beteiligt. Die Studie zeigt außerdem, dass 80 Prozent der Biokundinnen und Biokunden die Biogetränke in anderen Einkaufsstätten kaufen. Eine wichtige Handlungsempfehlung für die Bioläden war eine breite Kistenplatzierung. Durch das Aufstellen von Kisten in direkter Nähe zu Einzelflaschenregalen könnten höhere Umsätze generiert werden. Daraus entwickelte Lammsbräu eine Checkliste für Bioladnerinnen und Bioladner:

  • Optimierte Stammplatzierung: Übersichtliche Blockplatzierung und sortenspezifische Anordnung
  • Alle Sorten sind im Regal
  • Kennzeichnungen sind klar zuzuordnen
  • Es gibt keine Lücken im Regal
  • Zweitplatzierung am Eingang oder der Kasse
  • Die Kisten stehen in direkter Nähe zum Einzelflaschenregal
  • In den Kisten fehlen keine Flaschen
  • Auf den Kisten liegen keine Flaschen

Limonade auch fair gehandelt

Regal mit Erfrischungsgetränken. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Der Fachhandel hat ein großes Sortiment an Biolimonaden. Foto: Lukas Scheungraber, AMI

Neben den verschiedenen Zutaten und der teilweisen oder überwiegenden Herkunft der Rohstoffe aus der Region, widmen sich einige Getränkehersteller auch dem fairen Handel. Die Gründer der Lemonaid Beverages GmbH aus St. Pauli haben sich nach eigenen Angaben der Herstellung von "Limonade, wie sie sein sollte" verschrieben. Aus frischem Saft und fairem Handel und biologisch angebauten Zutaten, die von zertifizierten Kleinbauernkooperativen stammen. Neben dem fairen Handel wird mit jeder verkauften Flasche der Lemonaid und ChariTea e.V. unterstützt.

Seit dem Jahr 2014 gibt es auch fritz-limo in Bioqualität. Das Unternehmen fritz-kola GmbH mit Sitz in Hamburg hat seinen Anfang mit dem Getränk gleichen Namens gemacht, dessen Zutaten zur Gründungszeit auch noch nicht biozertifiziert waren. Seit 2015 setzt das Unternehmen vermehrt auf die Entwicklung, Produktion und den Verkauf von Biolimonaden und FairTrade-Rohstoffen.

Biolimonade auch bei Aldi, Lidl und Co.

Tatsächlich gibt es Biolimonade nicht nur im gut sortierten Fachhandel, sondern auch bei einigen deutschen Discountern. Das Angebot ist zwar eingeschränkt, aber bei Aldi Nord findet sich die Handelsmarke GutBio Limonade in drei Sorten: Orange, Himbeer-Pfirsich und Birnen-Zitronengeschmack. Die Pet-Flaschen werden mit zusätzlichem Pfand angeboten. Bei Aldi Süd wird die ViO BiO LiMO in verschiedenen Sorten angeboten. Die Limo aus dem Hause Coca Cola kommt somit in der Eigenmarke ins Sortiment der Discounter.

Auch beim dänischen Discounter Netto Nord, der bisher sein Biosortiment eher stiefmütterlich behandelte, gibt es seit Anfang des Jahres 2019 rund 30 neue Bioartikel, darunter auch Biolimonade. Die Produkte werden unter der hauseigenen Biomarke "Go Öko" offeriert.

Viele Getränkemärkte haben die Limonaden in Bioqualität in ihrem Standardsortiment. Kundinnen und Kunden können mit ihren gewohnten Getränkeeinkäufen nun unkompliziert auch Bioprodukte kennenlernen. Die heißen Sommer dürften den Trend hin zu Erfrischungsgetränken weiter verstärken.

Enthalten Biolimonaden weniger Zucker?

Keineswegs, muss auf diese Frage leider geantwortet werden, auch wenn die Ernährungsempfehlungen hin zu weniger Zucker gehen. Die Stiftung Ökotest hat diesbezüglich schon einigen Biolimonaden eine negative Beurteilung ausgesprochen. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Ende des Jahres 2018 aufflammende Streit des Getränkeherstellers Lemonaid mit dem Bezirksamt Hamburg wegen eines zu niedrigen Zuckergehalts in der Limonade. Demnach müssen Limonaden mindestens einen Gesamtzuckergehalt von sieben Prozent des Gewichts aufweisen. Auf jeden Fall wächst der Markt für zuckerreduzierte Getränke.


Letzte Aktualisierung: 17.09.2019