Bioputen im Handel

Angebot von Bio-Putenfleisch im Handel ist ausbaufähig

In Deutschland wurden laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2018 rund 35 Millionen Puten geschlachtet, davon waren nur zwei Prozent – rund 720.000 Puten – aus ökologischer Haltung. Zu unterscheiden sind die Bestandszahlen und die Haltungsplätze: Auf einem Stallplatz werden in der ökologischen Putenhaltung zwei Tiere pro Jahr gehalten, in der konventionellen allerdings drei Tiere. Das liegt daran, dass die Bio-Puten langsamer wachsen und entsprechend länger gemästet werden.

Die größten Anbieter für Bio-Putenfleisch am deutschen Markt sind der Naturland-Partner Biofino und das Biokreis-Unternehmen Freilandputen Fahrenzhausen. Während Biofino mit Sitz in Cloppenburg Bio-Putenfleisch vor allem in den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) liefert, produziert die Firma Freiland Puten Fahrenzhausen vor allem Geflügelfleisch für den Naturkostfachhandel.

Wie auch im konventionellen Landbau zählt die Geflügelhaltung und hier besonders die Putenhaltung im Ökolandbau zu den intensiven Formen der Tierhaltung. Die Tiere stammen bis heute zum Teil aus konventioneller Zucht und sind meist einseitig auf Leistung, wie zum Beispiel den Fleischansatz, gezüchtet. Alternative Rassen sind zwar in größerer, aber noch nicht ausreichender Zahl verfügbar. Sie sind an die Bio-Bedingungen und das Bio-Futter angepasst und wachsen langsamer, aber ihre Leistung bleibt häufig hinter den Hochleistungsrassen zurück.

Weil es nur Jungtiere aus konventioneller Hybridzucht gab, haben manche Betriebe 2015 und 2016 die Bio-Putenhaltung eingeschränkt. Erst mit dem Zuchtfortschritt bei den robusten Rassen standen ab 2017 mehr Tiere für die Bio-Haltung zur Verfügung, so dass mehr Betriebe die Bio-Putenhaltung (wieder-)aufgenommen haben. Denn die Nachfrage nach dem mageren, Bio-Putenfleisch ist da. Es landet häufig in Kindernahrung, Salaten und sogenannten Fitnessprodukten.

Auch bei Bio-Puten gibt es gesundheitliche Probleme

Bei Bio-Puten gibt es immer wieder gesundheitliche Probleme: Besonders verbreitet sind Schäden an den Fußballen und krankhafte Veränderungen der Leber. Hinzu kommen Skeletterkrankungen, Herz-Kreislauf-Störungen und Verhaltensstörungen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscherinnen und Forscher der Universität Leipzig und der Freien Universität Berlin in einer dreijährigen Studie, die vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) gefördert wurde. Trotzdem, so das Forschungsteam, sind die bioputenhaltenden Betriebe mit entsprechend angepasster Einstreu auf einem guten Weg.

Bio bedeutet langsam wachsende Rassen

Werden in der Bio-Haltung zwei Tiere pro Stallplatz und Jahr gehalten, sind es in der konventionellen Haltung rund drei Tiere pro Jahr. Erst in den vergangenen Jahren ist es den Zuchtunternehmen gelungen, angepasste Rassen bereitzustellen. Um von den konventionellen, gesundheitlich anfälligen Rassen wieder auf ursprüngliche, robuste und vor allem langsam wachsende Tiere zu kommen, war viel Zuchtarbeit nötig. In der ökologischen Putenmast werden überwiegend die Bronzeputen der Rassen Kelly oder Goubin gemästet, seltener weißbefiederte Herkünfte. Auch schwarze Putenrassen, wie Auburn kommen zum Einsatz.

Wichtig ist bei den langsam wachsenden Rassen dennoch der große Brustanteil, denn auch die Bio-Kundschaft bevorzugt Brustfleisch. Diese langsam wachsenden Rassen weisen weniger gesundheitliche Schäden, wie beispielsweise Gelenkschäden, Knochenbrüche und Gewichtsüberlastung durch zu schnelles Muskelwachstum auf. Durch das langsame Wachstum der angepassten Rassen und ausreichend Auslauf hat sich das Tierwohl in den Bio-Putenbeständen deutlich verbessert.

Aufwendige Zucht und Haltung der Elterntieren

Auch die Aufzucht und Haltung von Bio-Elterntieren gestalten sich bei Puten aufwendig. Neben Platz und guter Fütterung ist vor allem viel Expertise gefragt. Erst nach einem Jahr sind die Tiere geschlechtsreif, entsprechend teuer ist die Aufzucht der Tiere bis erste Nachkommen schlüpfen. Die hauptsächlich im Bio-Bereich eingesetzten Rassen wie Bronze-Puten oder Auburn sind gute Bruttiere. Jedoch ist es teilweise notwendig, die Tiere einmal am Tag zum Fressen zu bewegen, da sie sonst auf dem Nest verhungern würden. Eine Besonderheit der Puten ist es, dass auch der Hahn bei sich bietenden Gelegenheiten das Brüten zeitweise übernimmt. Durch den hohen Aufwand hat es bei Puten deutlich länger gedauert als bei Hähnchen, Jungtiere für die Bio-Mast zur Verfügung zu stellen.

Bio-Putenfleisch ist teuer, aber gefragt

Die Mehrkosten für Zucht, Haltung und auch Fütterung spiegeln sich in einem deutlich höheren Ladenpreis wider: Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen zweieinhalb bis dreimal so viel verglichen mit der konventionellen Variante. Hinzu kommt die Herausforderung – bei Puten noch schwieriger als bei Hähnchen – das gesamte Tier zu vermarkten, und nicht nur das Brustfleisch. Die "Resteverwertung" spielt also für die Wirtschaftlichkeit eine große Rolle. Das Angebot im Handel beschränkt sich größtenteils auf Putenschenkel, Putenkeule, Putenschnitzel – eine ganze Pute ist bei den meisten Verbraucherinnen und Verbrauchern nur zu Weihnachten gefragt. Abgepackte Bio-Putenfleischwaren, wie Putenbrust oder Putensalami gibt es in fast allen Naturkostläden. Dagegen sind ganze Puten meist nur auf Vorbestellung bei Bio-Direktvermarktern und im Fachhandel erhältlich. Die Vollsortimenter des LEH beschränken sich in der Regel auf wenige Artikel. In den Discountern findet sich meist kein Bio-Putenfleisch.

Verkauf durch geringe Verfügbarkeit gehemmt

Im Gegensatz zu Enten und Gänsen fokussiert sich der Absatz bei Puten, konventionell wie bio, nicht auf das Weihnachtsgeschäft, sondern läuft das gesamte Jahr gleichmäßig ab. Die kleineren Verkaufszahlen entstehen weniger aus der kleineren Nachfrage, sondern vor allem durch die geringere Verfügbarkeit in den Läden. Hier sind also die Verkäuferinnen und Verkäufer in den Läden gefragt, die Vorteile der Bio-Putenhaltung der Kundschaft nahe zu bringen.

Der Preis bleibt beim Kauf von Biogeflügelfleischprodukten zwar eine wichtige Determinante, aber das Käuferpotenzial ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Der LEH hat der Vermarktung von Bio-Puten bisher noch nicht genug Raum gegeben. Wenn Geflügelfleisch in den Regalen steht, dann vor allem Hähnchenfleisch. Durch die Einführung und bessere Verfügbarkeit von Putenteilstücken in Bio-Qualität könnte der Absatz steigen. Wichtig ist, die Verbraucherinnen und Verbraucher über die Vorteile der ökologischen Putenhaltung zu informieren. Die Vorteile können Bioladnerinnen und Bioladner und deren fachkundiges Personal am besten im direkten Kontakt  mit den Kundinnen und Kunden vermitteln.

Argumente für den Kauf von Bio-Putenfleisch

  • Puten haben mehr Platz im Stall und zusätzlich noch Auslauf. Manche Bio-Puten werden sogar im Wald gehalten.
  • Die Tiere erhalten nach dem Schlüpfen keine Schnabelbehandlung.
  • Bio-Puten werden zu 95 Prozent mit Biofutter und gentechnikfrei gefüttert.
  • Bio-Puten leben länger: In der Regel werden sie nach 20 Wochen zum Schlachten abgeholt – konventionelle Puten schon ab der 12. Woche.
  • Männliche und weibliche Tiere können problemlos zusammen gehalten werden.
  • Guter Geschmack: Insbesondere das langsame Wachstum führt zu einer verbesserten Fleischqualität. Die Mehrbewegung in Freilandhaltung führt zu einer feinen Marmorierung des Fleisches, besonders bei Feinschmeckerinnen und Feinschmeckern beliebt und geschätzt.
  • Leistungssteigerungen, die zu Überlastungen und Einschränkungen der natürlichen Körperproportionen und -funktionen führen können (unter anderem Brust, Gelenke, Lauf- und Flugfähigkeit) sind nicht zulässig.


Letzte Aktualisierung 12.10.2020

BÖLW – Branchenreport 2020

Grafik: Weltkugel

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