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Produkte aus dem Biostreuobstanbau sind beliebt

Streuobstwiese in Süddeutschland. Klick führt zu Großansicht.
Streuobst hat vielfältige Verwendungsmöglichkeiten.Foto: BLE, Dominic Menzler

Der Biostreuobstanbau ist in den zurückliegenden Jahren sprunghaft gestiegen. In einigen Regionen sind bereits bis zu 50 Prozent der Fläche biozertifiziert. Ein wachsender Trend, denn Konsumentinnen und Konsumenten legen verstärkt Wert auf eine ökologische und regionale Herkunft. Ein guter Ansporn also, die Produktpalette weiter auszubauen.

Streuobstanbau hat in Deutschland eine lange Tradition. Wildformen von Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume und Walnuss gab es bereits in der Urzeit, aber erst mit den Römern kamen erste Kulturformen nach Deutschland. In den folgenden Jahrhunderten wurden insbesondere in den Klöstern der Anbau und die Kultivierung weiterentwickelt. Seit dem 16. Jahrhundert gibt es nennenswerte Anpflanzungen von Streuobstwiesen. Sie stellten eine wichtige Nahrungsgrundlage für die Bevölkerung dar und wurden daher beispielsweise während des dreißigjährigen Krieges teils gezielt von feindlichen Truppen zerstört. Nach Angaben des Naturschutzbund Deutschland (NABU) gab es um 1930 noch rund 1,5 Millionen Hektar. Durch die mangelnde Rentabilität des Streuobstanbaus und alternativer Nutzungsmöglichkeiten der Fläche hat der Anbau in Deutschland aber deutlich abgenommen. Heute sind es nur noch circa 300.000 Hektar.

Insbesondere durch die Beliebtheit von Biostreuobsterzeugnissen hat der Anbau neuen Schwung bekommen. Verarbeitungsbetriebe sowie Verbände suchen seit Jahren unaufhörlich neue Anbieter und Lieferanten. Im Zuge dessen hat sich die Bio-Fläche von 2000 bis 2018 fast verfünffacht. Nach vorläufiger Schätzung sind 2018 rund 29.000 Hektar ökologisch zertifiziert. Die größten Bestände befinden sich in Bayern und Baden-Württemberg. Auch in Hessen nimmt Bio immer mehr zu und liegt inzwischen bei 1.400 Hektar. Nordrhein-Westfalen ist mit über 1.000 Hektar viertgrößtes Anbaugebiet in Deutschland.

Biostreuobstfläche findet sich vor allem in Süddeutschland
Die Biostreuobstflächen sind 2018 nochmals deutlich gewachsen. Quelle: AMI

Alten Sorten sei Dank

Während im Marktobstbereich der Anteil neuer süßer Sorten immer größer wird, und Sorten wie die Cox-Gruppe zunehmend gerodet werden, wächst auf den Streuobstwiesen ein Mix verschiedener Sorten. Der Naturschutzbund Deutschlands (NABU) schätzt die Anzahl der Apfelsorten auf 1.400. Zusammen mit Birnen, Kirschen, Zwetschen oder Walnüssen sind es fast 3.000 Sorten. Viele kommen nur regional vor wie der Altländer Pfannkuchen oder der Rote Trierer Weinapfel. Auch die weitere Verwendung ist oft sortengebunden. So gilt der Rheinische Bohnapfel als einer der besten Mostäpfel und die Champagner-Bratbirne eignet sich für hochwertige Schaumweine. Unter den Kirschen im Streuobstanbau wird die Dolleseppler bevorzugt für Obstbrand beziehungsweise Kirschwasser verwendet. Der Mix aus vielen Sorten mit verschiedenem Säuregehalt spielt vor allem bei der Most- und Musverarbeitung eine große Rolle. Selten eignet sich eine Sorte als alleiniger Lieferant, besonders ein hoher Anteil süßer Äpfel findet auf dem deutschen Markt wenig Akzeptanz.

Auch Allergikerinnen und Allergiker werden bei den alten Sorten fündig. Alkmene oder Berlepsch gelten als schwach allergen wirkend. Der Ontario wiederum wird auch als Diabetikerapfel bezeichnet.

Vereinfachte Zertifizierungsverfahren bereiten den Weg für weitere Umstellungen

Viele Besitzerinnen und Besitzer von Streuobstplantagen schrecken aber vor den Formalitäten einer Biozertifizierung zurück. Da die Pflege und Erhaltung der Streuobstwiesen von kulturellem Interesse sind, bietet beispielsweise Baden-Württemberg die Möglichkeit einer Sammelzertifizierung an. Hilfestellung gibt es teilweise auch von den Verarbeitungsbetrieben, die unter anderem Kosten übernehmen. Durch eine retrospektive Zertifizierung kann die Umstellungszeit von drei Jahren deutlich reduziert werden. All das führt zu einem schnellen Flächenanstieg insbesondere in Baden-Württemberg, wo mittlerweile auf fast 12.000 Hektar Bio-Streuobst geerntet wird.

Neue Geschmacksinnovationen und Bag-In-Box

Äpfel aus Streuobstanbau. Klick führt zu Großansicht.
Äpfel aus Streuobstanbau vor dem Pressen.
Quelle: BLE, Thomas Stephan

Die Ernte aus dem Streuobstanbau findet viel Verwendung. Neben den klassischen Varianten als Tafelware oder die Herstellung von Saft, Most und Brand gibt es eine Vielzahl anderer Möglichkeiten der Veredlung. Marmeladen und Gelees, Backobst, Apfel- und Apfelweinessig und Mus sowie Smoothies sind nur einige davon. Immer mehr Bedeutung bekommt auch die Kombination von Obst mit anderen, teils eher unkonventionellen Zutaten, wie zum Beispiel in

  • Multisaft aus Äpfeln und Birnen mit Karotten, Sanddorn oder Hagebutten
  • Apfelwein mit Quitte oder Kirsche, schwarzer Johannisbeere, Zitrone, Erdbeeren, Ingwer oder Marillen   
  • Mus und Marmelade mit Minze, Zimt oder Maronen oder der   
  • Limonade mit Rosenblätterzusatz 

Der weitaus größte Anteil unter den Verarbeitungsprodukten entfällt allerdings auf den klassischen Apfelsaft. Während tendenziell der Konsum von konventionellen Apfelsaft zurückgeht, steigen die Verkäufe im Bio-Bereich, vor allem von Direktsaft. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die Bag-in-Box-Verpackung.

Die sogenannte Bag-In-Box (BiB) besteht aus einem Innenbeutel und einer Umverpackung plus Zapfhahn. Inhalt sind meist drei, fünf oder zehn Liter. Sie wird als Pendant zur Flasche angeboten. Sowohl die großen als auch die sehr kleinen mobilen Mostereien bieten die Abfüllung in BiB an.

Weinbasierte Getränke werden zum Renner

Gewinner sind auch die apfel- und fruchtweinbasierten Getränke. Ob Apfelwein, Cider oder Cidre, als Gespritzter, Schorle, als Fruchtweincocktail oder -bowle – Erzeugnisse mit weinhaltigem Charakter sind im Trend. Zwar entfällt 50 Prozent des Inlandsabsatzes in diesem Segment auf puren Apfelwein, aber andere Charaktere wachsen. Vor allem Schaumwein und Apfel-Secco nehmen zu.

Auch sortenreiner Apfelwein oft in Kombination mit regionalen Apfelsorten spielt eine Rolle. Ganz neu ist das vegane Apfelweinangebot. Damit öffnet man sich für einen wachsenden Trend, der auch viele Spontankäuferinnen und -käufer findet. 

Regionales Superfood  – die Walnuss 

Der Walnussbaum zählt zum Streuobst. Ähnlich wie Avocado enthält die Nuss viele vergleichbare Inhaltsstoffe wie ungesättigte Fettsäuren, Vitamin A, B und C sowie Magnesium, Eisen, Kalium, Mangan und Kupfer. Damit ist die Walnuss trotz hoher Kalorien ein regionales Superfood, dass zudem sehr lange haltbar ist.  

Roh zum Naschen oder als Beilage, grün halbreif als Einmachobst oder Nusslikör sowie gepresst als Öl gibt es für die Walnuss vielfach Verwendung. Die Schalen werden als Färbemittel für Wolle oder Haare und in der Kosmetik verwendet. Ganz neu im Zuge der Zero-Waste-Aktionen wird der fast in Vergessenheit geratene Nutzen als Shampoo und Waschmittel immer beliebter.

Das Konzept trifft den heutigen Trend

Unter den Schlagwörtern biologische Vielfalt, Akteure aus der Region, lokale Produktion, kurze Wege sind Verbraucherinnen und Verbraucher durchaus bereit, mehr Geld zu bezahlen. Nach einer AMI-Analyse auf Basis des GfK-Haushaltspanels greifen Konsumentinnen und Konsumenten immer mehr zu Bio-Säften. Während der Einkauf von konventionellen Fruchtsäften rückläufig ist, steigt im Bio-Bereich die Nachfrage. Insgesamt wurden 2017 mehr als 16 Million Liter Bio-Apfelsaft im Wert von über 24 Millionen Euro gekauft. Damit wurden im Durchschnitt 1,49 Euro pro Liter bezahlt, rund 70 Prozent mehr als für das konventionelle Angebot. In Folge der extrem kleinen Ernte 2017 ging der Apfelsaftkonsum zurück, die Preise stiegen auf durchschnittlich 1,66 Euro pro Liter. Im konventionellen Bereich lagen die Preise bei 0,87 bzw. 1 Euro pro Liter. In diesen Preisen ist Apfelsaft aus Marktobstbau mit enthalten.


Letzte Aktualisierung: 07.08.2019