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Pflanzliche Proteine sind im Trend – sind Sonnenblumen das neue Soja?

Grafik zu EU-Lieferländer für Biosonnenblumen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die wichtigsten EU-Lieferländer für Biosonnenblumen. Quelle: AMI

Neue Ernährungstrends lassen die Nachfrage nach Alternativen zu tierischen Eiweißquellen weiter wachsen. Gerade Veganerinnen und Veganer, die grundsätzlich auf alle tierischen Lebensmittel verzichten, können laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung an einem Eiweißmangel leiden, sofern die Ernährung nicht entsprechend angepasst wird. Um dem vorzubeugen sollten vegane Mahlzeiten mit pflanzlichen Eiweißquellen entsprechend aufgewertet werden. Vor allem in Form von Tofu ist Soja bisher das bekannteste und am weitesten verbreitete Ersatzprodukt für tierisches Eiweiß. Da größer werdende Mengen an gentechnikfreiem Soja teilweise schwer zu bekommen sind - die Preise dafür steigen - und auch der Anbau von Soja nicht gerade unkritisch gesehen wird, suchen Hersteller verstärkt Alternativen zu Produkten mit Soja. Eine Möglichkeit dafür sind zum Beispiel Proteinmehle aus Mandeln, Quinoa oder auch Sonnenblumen. Manche dieser Proteinmehle haben allerdings stark eindickende Eigenschaften und sind somit schwierig in der Verarbeitung und nur mit viel Übung sicher anzuwenden. Fertige Produkte, in die solche hochwertigen Proteinmehle eingearbeitet wurden, sind dagegen wesentlich verbraucherfreundlicher (Riegel, Nudeln, Kekse etc.) und darüber hinaus schneller verzehrfertig.

Vielseitige Sonnenblumenproteine

Heliaflor ist ein Biosonnenblumenprotein, das eine sehr gute Emulgierfähigkeit besitzt. Es wirkt dadurch als Bindemittel, Konsistenzgeber und Stabilisator. Das Biosonnenblumenprotein enthält alle essentiellen Aminosäuren sowie B-Vitamine und ist reich an Ballaststoffen. Die Sonnenblume liegt mit ihren weltweiten Anbauflächen auf Platz vier hinter Öl- und Kokospalme sowie Soja. Die Verfügbarkeit des Rohstoffs ist daher jederzeit gegeben. Außerdem ist Heliaflor gentechnikfrei. Es gibt verschiedene Varianten des Biosonnenblumenproteins mit unterschiedlichen Protein-Anteilen. Sie unterscheiden sich außerdem im Fettanteil, in Farbe und Geschmack. Die Varianten lassen sich sowohl miteinander als auch mit anderen Bindemitteln kombinieren. Der gesamte Produktionsprozess von Heliaflor findet in Deutschland statt. Die Rohware stammt aus EU-Landwirtschaft. Heliaflor ist sehr vielseitig für verschiedenste Produkte nutzbar. Es wird unter anderem für Backwaren, Salatdressings, Protein-Shakes, vegetarische Brotaufstriche oder Speiseeis eingesetzt. Es ist damit wesentlich vielseitiger als beispielsweise Sojaprotein.

Sonnenblumen-Hack als Alternative zu Fleischersatz aus Soja

Sunflower Family ist eine Firma aus dem Allgäu, die anstelle von Tofu das Sonnenblumenprotein Heliaflor für ihre Produkte nutzt. Die Sonnenblumenkerne werden über eine bestimmte Mühle verarbeitet. Der entstandene Presskuchen hat Lebensmittelqualität. Fein gemahlen entsteht daraus ein Proteinpulver, das reich an Vitaminen und Aminosäuren ist. Das Pulver wird unter anderem für Smoothies, Proteinshakes und -riegel verwendet. Ziel der Firma ist es nach eigener Aussage, Proteine ohne Laktose, Gluten, Soja oder tierische Inhaltsstoffe herzustellen. Außerdem bietet Sunflower Family Produkte mit dem Produkt "Sonnenblumen-Hack" eine Alternative zu den Sojaprodukten dieser Warengruppe. Das "Sonnenblumen-Hack" besteht zu 100 Prozent aus Biosonnenblumen und muss nicht eingeweicht, sondern nur kurz mit Wasser benetzt werden. Es lässt sich mit einigen zusätzlichen frischen Zutaten in Bioqualität, in kurzer Zeit zu einem leckeren, veganen Bioessen zubereiten. Proteinpulver gibt es ebenfalls von Sunflower Family. Dabei gibt es nicht nur ein Pulver aus Sonnenblumenprotein, sondern auch Mandel-, Weizenkeim- oder Kürbisprotein.

Auch weitere Firmen nutzen Sonnenblumenprotein für ihre Bioprodukte, so zum Beispiel VEGJi für seine Bio Sonnenblumen Protein Crispies, die sich als Snack oder als Zusatz in Müslis oder Suppen eignen. Sonnenblumen Proteinpulver, das dann hauptsächlich in Form von Shakes zu sich genommen wird, gibt es mittlerweile schon von einigen verschiedenen Herstellern wie zum Beispiel PUR YA! oder Schalk Mühle aus Österreich.

In der Backindustrie ist schon seit längerem bekannt, dass sich auch Sojalecithin in vielen Fällen sehr gut durch Sonnenblumenlecithin ersetzen lässt, da sich die beiden in ihrer Fettsäurezusammensetzung sehr stark ähneln. In Broten, Brötchen und sonstigen Backwaren wird es bereits erfolgreich eingesetzt.

Was spricht für das Angebot von Produkten mit Sonnenblumenprotein?

Durch das Angebot von so hergestellten Backwaren oder auch von oben vorgestellten Sonnenblumenprotein-Produkten werden viele über die "normale" Biokundschaft hinausgehende Kundengruppen angesprochen. Hochwertig hergestellte Proteinpulver aus Sonnenblumen sind im Vergleich zu Pulvern aus Erbsen, Lupinen oder Hefen deutlich geschmacksneutraler. Außerdem gibt es hier keine Allergieproblematik wie bei Proteinpulvern, in denen Gluten oder Lactose in Form von Kasein oder Molkenproteinkonzentrat enthalten ist. Auch die Gentechnikproblematik, die es bei Soja gibt, fällt bei den Sonnenblumenprodukten zumindest derzeit noch weg. Die Produkte sind außerdem, wie viele Sojaprodukte auch, zu 100 Prozent vegan. Ein weiteres Argument für Produkte aus Biosonnenblumen ist, dass deren Anbau und Wertschöpfung im Idealfall komplett in Europa stattfinden kann. In der EU-28 wurden im Jahr 2016 rund 78.100 Hektar Biosonnenblumen angebaut, Biosojabohnen wuchsen dagegen nur auf 72.700 Hektar. Die größte Bioanbaufläche hatte Rumänien mit 22.400 Hektar. Deutschland baute 2016 auf 2.300 Hektar Biosonnenblumen an, das entspricht 13,8 Prozent der Gesamtanbaufläche von Sonnenblumen in Deutschland. Die Sonnenblumen-Proteinpulver sind vielseitig einsetzbar und bieten sich in jedem Fall zur Erweiterung des Sortiments an. Nachteilig ist nur die teilweise schwierige Verarbeitung.


Letzte Aktualisierung: 20.08.2018