Bio-Gewürze

Bio-Gewürze sind für den Handel interessant

Gewürze sind schon längst im Bio-Regal angekommen. Die Palette reicht von den Klassikern wie Pfeffer und Majoran bis hin zu exotischen Tonkabohnen. Die Sortimentsvielfalt wächst in allen Verkaufsstätten, vom Discounter bis hin zum Bio-Fachhandel. Sowohl online als auch auf einigen Wochenmärkten findet sich ein größer werdendes Bio-Gewürzangebot.

Für Bio-Gewürze spricht neben der Nachhaltigkeit der Erzeugung auch die Sensorik. In verschiedenen Geschmackstests bestätigten Testpersonen das intensivere Aroma von Bio-Gewürzen.

Unterschied zwischen Kräutern und Gewürzen

Kräuter und Gewürze nennt man Pflanzen, die mit ihrem Gehalt an ätherischen Ölen den Speisen Geschmack und Bekömmlichkeit verleihen. Wenn man vom ursprünglichen Wortsinn ausgeht, sind Kräuter solche Pflanzen, von denen wir die grünen oder getrockneten Blätter verwenden. Der Begriff Gewürz stammt dagegen vom mittelhochdeutschen "Wurz" – also der Wurzel. Im Sprachgebrauch meinen wir damit in einem umfassenderen Sinne solche Gewächse, von denen wir verschiedene Organe wie Samen, Früchte, Blüten, Wurzeln, Speicherknolle oder die Rinde nutzen.

Kundinnen und Kunden kommt es häufig nicht nur auf die Bioqualität von Kräutern und Gewürzen an. Auch faire Bedingungen bei der Erzeugung werden zunehmend relevanter. Das vor allem von Bananen bekannte Fairtrade-Siegel kommt bei Gewürzen zunehmend zum Einsatz. Fairtrade zufolge gibt es bei Gewürzen besondere Herausforderungen. Demnach spielen nur wenige große Unternehmen auf dem Weltmarkt für Kräuter und Gewürze eine Rolle. Entsprechend mächtig seien diese Unternehmen dem Produktbericht der Siegelorganisation zufolge. Die Förderung der Bio-Landwirtschaft hilft den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern vor Ort, um die Einkommenssituation zu verbessern. 

Das österreichische Unternehmen SONNENTOR setzt auf den direkten Kontakt mit den Kräuter- und Gewürzherstellern. Besuche vor Ort gehören zur Firmenphilosophie. So entsteht eine enge Bindung zu den Rohstoffherstellern und  die Produktionsbedingungen vor Ort werden inspiziert. Durch die direkte Weiterverarbeitung und Verpackung der Erzeugnisse vor Ort wird die Wertschöpfungskette in der jeweiligen Region gefestigt. So profitieren möglichst viele Menschen von einer Handelspartnerschaft.

Auch das Berliner Unternehmen Spicebar verfolgt diesen Ansatz. Sei es mit einer kambodschanischen Kooperative, einer Sammelkollektive in Nepal oder einer regionalen Chilifarm – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen sich stets vor Ort ein Bild. Hierbei geht es nicht nur um die Qualität der Rohstoffe, sondern auch um den sozialen Aspekt. Faire Entlohnungen und Arbeitsbedingungen sind dabei genauso wichtig wie die Weitergabe von Wissen und Ausrüstung. Zugleich werden die traditionellen Werte der Farmerinnen und Farmer geachtet und geschätzt – das Mit- und Füreinander zählt. Spicebar unterstützt die landwirtschaftlichen Partnerbetriebe bei der Bio-Zertifizierung nach europäischen Richtlinien.

Die Mischung macht‘s

Ökologisch erzeugte Monogewürze finden sich in vielen Küchen. Monogewürze werden aus einer einzelnen Gewürzpflanze hergestellt, wie zum Beispiel der PfefferIn Gewürzmischungen sind mindestens zwei verschiedene Gewürzarten vermengt. Die meisten Anbieter von Bio-Gewürzen haben ihr Produktangebot um diese Mischungen erweitert. Dabei reicht die Ideenvielfalt von einfachen Mischungen wie buntem Pfeffer bis hin zu hauseigenen Kreationen mit mannigfaltigen Zutaten. Auf Grund der anzugebenen Inhaltsstoffe können Käuferinnen und Käufer stets nachvollziehen, was sie gerade in den Händen halten. Die Mengenabmischungen hingegen sind wohlgehütete betriebliche Geheimnisse. Die Rezepte werden zum Teil bereits seit Generationen weitergegeben und verfeinert.

Große Angebotsvielfalt bei Bio-Gewürzen

Das Verbraucherportal Utopia hat eine Liste von Unternehmen aufgeführt, die Bio-Gewürze via Internet verkaufen. Darin sind diverse Gewürzanbieter aufgelistet, die zum Teil ein unterschiedlich großes Angebot an Bio-Gewürzen und verschiedene Schwerpunkte haben. Der Anbieter Gewürzkampagne verfolgt zum Beispiel ein spannendes Konzept, um Verbraucherinnen und Verbraucher, aber auch Köchinnen und Köche mit erntefrischen Bio-Gewürzen versorgen zu können. Die Gewürzkampagne macht transparent, wann und wo die Gewürze geerntet werden.

Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen Gewürzen häufig in einen Bioladen. Im Naturkosthandel gibt es eine breite Produktpalette von Bio-Gewürzen. Ohnehin stellen Gewürze und Kräuter nach Angaben von Biopress auf Basis von Statista-Daten mit über 8.500 Produkten die zweitgrößte Bio-Warengruppe überhaupt dar. Übertroffen werden sie demnach nur noch von Heißgetränken wie Tee oder Kaffee.

Immer mehr Unternehmen, die Gewürze herstellen, legen Wert auf faire und ökologische Produktionsbedingungen. Genannt sei hier stellvertretend für viele Gewürzhersteller das Unternehmen Ecoland Herbs & Spices. Ecoland wurde 1997 von Rudolf Bühler mit vier weiteren Bauern gegründet und umfasst heute weltweit 1300 Bauernfamilien mit Projekten in Deutschland, Rumänien, Serbien und Indien. Die Firmenphilosophie des Vorstandsvorsitzenden Rudolph Bühler: "Ecoland sieht sich auch als Anwalt der Rechte von indigenen Völkern und respektiert indigenes Wissen." Der Anbau und die Vermarktung von Bio-Naturgewürzen läuft unter dem Schirm der Kampagne "Seeds of Hope". Gerade die Vielfalt der Kulturen und die "intelligente" Form der Landwirtschaft, wie die indigenen Völker den Gewürzanbau betreiben, ist zu erhalten. Auch der Erhalt der lokalen Sorten steht hier im Vordergrund. Durch den Export der Gewürze nach Deutschland ist das Einkommen der Bauernfamilien gewährleistet.

Auch die großen Unternehmen im Naturkosthandel haben sich seit Langem des Themas Gewürze angenommen. Alnatura schreibt auf seiner Website: "Die "Salz- und Pfeffermonokultur" in Deutschland gehört eindeutig der Vergangenheit an." Das Unternehmen informiert die Kundinnen und Kunden in einer Warenkunde über das Sortiment der Gewürze. Hier finden sich die Bio-Gewürze Sonnentor, Lebensbaum und Herbaria. Unter der Eigenmarke Alnatura werden auch Gewürzmischungen angeboten, wie Bio-Brotgewürz. Diese enthält Anis, Fenchel, Koriander und Kümmel und erleichtert das Selbstbacken von Brot. Auch die Denn’s Biomärkte offerieren ihren Kundinnen und Kunden eine Vielzahl an Bio-Gewürzen. Die Gewürzmischungen des Herstellers Lebensbaum sind mit Aufstellern in den Märkten besonders platziert.

Wie es zu der Zusammenarbeit mit dem Großhändler dennree kam, erzählt Ulrich Walter von Lebensbaum auf der Website von Denn’s Biomarkt. "Als Lieferant erwies sich die Zusammenarbeit mit dennree als sehr leistungsstark und kooperativ. Ich reiste durch die Welt, besuchte Lieferanten, um vor Ort die Qualität zu prüfen und zugleich auf Arbeitsbedingungen und Umweltschutz zu achten. In Diepholz wurden die eingekauften Gewürze abgefüllt und gemeinsam mit dennree haben wir den Markt erschlossen." Demnach bot der Großhändler dennree erstmals eine nationale Verteilung von Lebensbaum-Produkten an den Facheinzelhandel an. Das war ein wichtiger Meilenstein für den Unternehmenserfolg von Lebensbaum.

Basic, eine weitere große Bio-Supermarktkette in Deutschland, bietet ein breites Sortiment an Bio-Gewürzen der Grünberg Gewürzmanufaktur an. Auffällig ist hier die Präsentation der Gewürze und die originellen Mischungen. Aktuell präsentiert der Hersteller Bio-Gewürzmischungen in Mühlen. Die Idee der Mühlen laut Hersteller: "Wir nutzen die natürliche Mantelfähigkeiten des Bio Inulins, einem natürlichen Ballaststoff aus der Agave, um natürliche Aromen zu ummanteln und diese über einen langen Zeitraum hinweg am und im Gewürz zu halten. Beim Mahlvorgang werden diese Kapseln dann aufgebrochen und freigesetzt."

Bio-Gewürze gibt es auch bei Aldi und Co

Im konventionellen Einzelhandel liegt bei Bio-Gewürzen oft noch Absatzpotenzial. Für den deutschen Lebensmittel-Einzelhandel (LEH) sind nach wie vor die Kernmarken Fuchs und Ostmann sowie das Privat-Label-Geschäft relevant, so ein Marktbericht der Lebensmittelzeitung aus dem Jahr 2018. Doch die Positionierung habe sich verändert und die Marktbearbeitung intensiviert. Auch im LEH wird die zunehmend nachhaltige Beschaffung der Rohware ein Thema.

Einige Handelsketten haben in den vergangenen Jahren das Potenzial der Produkte von Bio-Gewürzherstellern zur Sortimentserweiterung erkannt. So hat Edeka mit dem Bio-Sortiment von Wagner Gewürze nun "Naturnahe Gewürze für noch mehr Genuss". Im Vordergrund stehen neben Monogewürzen auch Gewürzmischungen und Gewürzzubereitungen für bestimmte Gericht, wie "Bio Bratkartoffel Gewürzzubereitung". Für die Kundinnen und Kunden bedeutet der Kauf eines solchen Produkts auch das Versprechen, ein Gericht möglichst authentisch zu kochen.

Auch manche Discounter führen ein Angebot von Bio-Gewürzen beziehungsweise Bio-Gewürzspezialitäten. So haben beispielsweise Aldi Süd und Aldi Nord eine breite Palette von Bio-Gewürzspezialitäten unter der Bio-Eigenmarke gelistet. Die Produkte werden in Dosen angeboten und erreichen bei Spezialmischungen wie Tandoori oder Garam Masala auch schon einmal 100g-Preise von bis zu 3,70 Euro. Eine AMI-Sonderauswertung der GfK hat für 2019 die wachsende Marktbedeutung von Bio-Gewürzen im Handel ergeben. So tragen mittlerweile 5,4 Prozent der gekauften Gewürze das Bio-Siegel. Mit Abstand die größten Einkaufsmengen der privaten Haushalte kommen auf Einzelgewürze wie Bio-Pfeffer und Bio-Zimt. Seit 2015 ist die Einkaufsmenge an Bio-Gewürzen im Einzelhandel um fast 40 Prozent gestiegen. Die Haushalte haben 2019 fast Zweidrittel der Bio-Gewürze im konventionellen LEH gekauft.

Bio-Gewürze sind eine große Warengruppe, die auch durch das weite Feld der Gewürzmischungen niemals langweilig wird. Handelsunternehmen können sich durch die erweiterte Sortimentsgestaltung mit Bio-Gewürzen noch besser positionieren. Wo die Gewürze angebaut werden und wie es den Landwirtinnen und Landwirten vor Ort ergeht, dürfte zunehmend in das Blickfeld der Bio-Kundschaft rücken. Eine Vielzahl von Herstellern hat sich den fairen Anbaubedingungen verschrieben.


Letzte Aktualisierung 24.06.2020

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