Handel


Bioäpfel sind knapp

Elstar ist bedeutendster Bioapfel. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Anbaufläche von Bioäpfeln nach Sorten in Deutschland. Quelle: AMI, Statistisches Bundesamt

Verbraucherinnen und Verbraucher wünschen sich Bioäpfel aus der Region, und der Handel versucht diesem Wunsch nachzukommen. Allerdings kann das Angebot aus deutscher Ernte sehr unterschiedlich groß ausfallen, wie die Saison 2017/18 zeigt. Eine große Umstellungsbereitschaft kann aber in den nächsten Jahren zu einem größeren heimischen Angebot führen.

In den vergangenen Jahren haben in Deutschland immer mehr Betriebe auf ökologische Apfelproduktion umgestellt. Mittlerweile werden rund zehn Prozent der Apfelanbaufläche nach den Vorgaben des Bioanbaus bewirtschaftet. Auch in den Jahren zuvor wuchs die Fläche, aber nicht in dem Ausmaß wie im Jahr 2017. Der Anbau von Bioäpfeln belief sich 2017 auf 6.100 Hektar, so das Statistische Bundesamt. Der Flächenanstieg von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr kommt durch die vielen Umstellungsbetriebe zustande. Für die nächsten Jahre wird mit einer weiteren Flächenausdehnung in Deutschland gerechnet.

Bei den Erntemengen für die Saison 2017/18 macht sich die Flächenausdehnung aber kaum bemerkbar. Nach den ungünstigen Witterungsbedingungen und infolge von Alternanz, der zweijährigen Ertragsschwankung bei Kernobst, wird die Erntemenge für die Saison 2017/18 von Branchenkennerinnen und -kennern auf weniger als die Hälfte der Vorjahresernte veranschlagt. Vor allem bei Boskoop und Braeburn, der Jonagold-Gruppe sowie Santana, Topaz und Pinova sind die Schäden mit bis zu 70 Prozent immens. Bei Elstar steht ein höherer Anteil an Umstellungsware zur Verfügung. Elstar ist der flächenmäßig bedeutendste Apfel im Bioanbau.

Ein Ausgleich der kleinen deutschen Ernte durch Importe aus anderen europäischen Anbaugebieten ist nur teilweise möglich, da 2017 kaum eine Region vom Frost verschont wurde. Die Folge sind nun deutlich höhere Preise sowohl auf Erzeuger- als auch auf Verbraucherebene. Durch die engere Marktversorgung wird im Biobereich in der laufenden Kampagne weitgehend auf Werbeaktionen im Handel verzichtet. Ziel der Vermarktungsunternehmen ist es, die Saison 2017/18 möglichst weit zu strecken, statt jetzt Kaufimpulse zu setzen.

Hohe Umstellungsbereitschaft

Käufe von Bioäpfeln schwanken jährlich. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Haushaltskäufe von Bioäpfeln nach Einkaufsstätten in Deutschland. Quelle: AMI-Analyse auf Basis des GfK-Haushaltspanels

Nach drei Jahren in Folge, in denen der Deckungsbeitrag bei vielen Apfelanbaubetrieben im konventionellen Bereich negativ ausfiel, wird intensiv nach Alternativen gesucht. Viele Erzeugerinnen und Erzeuger sehen ihre betriebliche Zukunft daher im Bioanbau. Die höheren Preise, die Absatzgarantie und damit das geringere Risiko, unter Druck verkaufen zu müssen sowie die stärkere Position vor allem bei Verhandlungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) sorgen neben ideologischen Gründen für die Attraktivität der ökologischen Erzeugung. So ist die Umstellungsbereitschaft in den vergangenen Jahren gewachsen. Während der Anteil der Umstellungsware in den Erntejahren 2014 bis 2016 bei fünf bis sechs Prozent lag, werden für 2017 in Deutschland über 17 Prozent veranschlagt. In einigen Bundesländern wie Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt sorgt der Zuwachs aus der Umstellung der vergangenen drei Jahre, trotz heftiger Frostschäden, für eine überdurchschnittliche Erntemenge.

Im Süden Deutschlands hat sich der Wandel nach den starken Jahren deutlich verlangsamt. Im Raum Nordrhein-Westfalen und dem Rheinland dagegen wächst der Bioapfelanbau ungebremst weiter. Das gilt auch für Norddeutschland mit dem Schwerpunkt Niederelbegebiet. Neben den konventionellen Sorten wie Elstar, Gala und der Jonagold-Gruppe steht bei Neuanpflanzungen vor allem der resistente Block mit Santana und Topaz im Vordergrund. Dazu kommen neue Sorten wie Natyra oder Autento.

Zwar wird es immer wieder Ernterückschläge wie in dieser Saison geben, tendenziell ist aber in den nächsten Jahren mit größeren Ernten in Deutschland zu rechnen. Potenzial hat der Bioapfelmarkt auf jeden Fall und gerade für den Handel zeigt sich der regional erzeugte heimische Apfel als ein wichtiges Saisonprodukt. Unter den Obstarten kaufen die Kundinnen und Kunden, vom reinen Importprodukt Biobananen mal abgesehen, am meisten Bioäpfel.

Vollsortimenter sind Wachstumstreiber

Bei einer stark witterungsabhängigen Kultur wie Äpfeln sind die Angebotsmengen kaum zu garantieren. Entsprechend schwankt die Warenverfügbarkeit im Handel. So gibt es kein klares Absatzwachstum von Jahr zu Jahr, sondern nur einen mehrjährigen Trend. Dies ist auch im Handel zu beobachten. Dazu wird in einer relativ hochpreisigen Saison wie 2017/18 bevorzugt der klassische LEH und der Naturkosthandel beliefert. So ist der Marktanteil der Discounter nach Jahren des Wachstums in der Saison 2017/18 erstmals wieder zurückgegangen.

Zunehmend haben sich Vollsortimenter wie Rewe, Edeka und Co. der Vermarktung des ökologisch erzeugten Apfels angenommen. Vor allem Edeka hat in jüngster Zeit deutliche Impulse gesetzt. Gut entwickelt hat sich 2017 auch der Naturkosthandel und ganz besonders die erzeugernahen Einkaufsstätten. Gerade bei zum Teil nicht immer einwandfreien äußeren Erscheinungsbild der Bioäpfel punkten die erzeugernahen Einkaufsstätten, und das ganz besonders nach einer knapp versorgten Saison wie 2017/18.


Letzte Aktualisierung: 15.01.2018