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Erträge im biologischen und konventionellen Landbau

Bei Getreide ernten Biolandwirtinnen und -landwirte die Hälfte

Die Biolandwirtinnen und Biolandwirte in Deutschland ernteten im Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2018 rund 48 Prozent der Erntemenge der konventionellen Kolleginnen und Kollegen. Im Ackerbau und dort vor allem auf schweren Böden sind die Ertragsunterschiede zwischen ökologisch und konventionell wirtschaftenden Landwirtschaftsbetrieben am größten.

Die durchschnittliche Biogetreideernte (ohne Körnermais) lag bei 33,7 Dezitonnen je Hektar. Bei Weizen, dem Biogetreide mit der größten Anbaufläche in Deutschland, war der Ertragsunterschied am größten. Bei Hafer ernteten die Biolandwirtinnen und -landwirte nur rund ein Viertel weniger. Getreidearten, die eher auf leichten Böden angebaut werden, erzielen auch im konventionellen Landbau niedrigere Erträge. Der Unterschied zum Biolandbau ist dann bei ähnlichen Bodenbedingungen geringer.

Stallmist hat positiven Effekt auf Ertragsleistung

In einem besonders trockenen Jahr wie 2018 zeigte sich bei vielen Kulturen, dass die Erträge im Ökolandbau weniger abnahmen als im konventionellen Landbau. Die Böden auf Biobetrieben können häufig aufgrund des höheren Humusgehaltes Wasser besser halten und extreme Witterungsverhältnisse im gewissen Maß ausgleichen. Viele Studien haben gezeigt, dass die regelmäßige Anwendung von Stallmist maßgeblich zur Sicherung der Bodenfruchtbarkeit ist - nicht nur im Ökolandbau. Dies ist bei der auch in der Biolandwirtschaft zunehmenden Trennung von Viehhaltung und Ackerbau bedeutsam.

Über die Jahre betrachtet zeigt sich, dass die Erträge im Biolandbau weniger schwanken als im konventionellen Landbau. Neben der häufig höheren Bodenfruchtbarkeit spielt hier auch die im Ökolandbau andere Verteilung der Kulturen einer Rolle. So sind die Kulturen, die konventionell die höchsten Erträge bringen, im Biolandbau unterrepräsentiert. Das betrifft neben Weizen vor allem Gerste. Dagegen sind Roggen und Hafer, beides Kulturen mit niedrigeren Erträgen, im Bioanbau überdurchschnittlich vertreten. Auch das führt, über alle Getreidearten betrachtet, zu den großen Ertragsunterschieden.

Grafik zu Ertragsunterschieden zwischen Bio und konventionellem Getreide. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Erträge von Biogetreide sind ungefähr halb so groß wie von konventionellem Getreide. Quelle: AMI, destatis

Bei Biogemüse sind die Verhältnisse im Freiland- und Unterglasanbau recht unterschiedlich. Generell ist der Vergleich der Erträge mit etwas Vorsicht zu interpretieren, da hier nationale, statistische Mittelwert herangezogen wurden. Unterschiede im Ertrag könnten also auch andere Ursachen haben als die Bewirtschaftungsweise. Beispielsweise ist der Anteil von direkt vermarktetem Gemüse im Biolandbau größer. Und direktvermarktende Betriebe verteilen sich über das ganze Land, sind also auch an klimatisch weniger günstigen Standorten oder Standorten mit leichteren Böden zu finden.

Im Freilandgemüsebau ernten die Biolandwirtinnen und -landwirte 77 Prozent der Mengen des konventionellen Gemüsebaus. Neben einer weiten Fruchtfolge mit Leguminosen verwenden sie Mist und häufig Haarmehlpellets zur Düngung. Viele Betriebe wirtschaften zwar ohne Vieh, aber sind auch dann sehr erfolgreich.

Die kleinsten Ertragsunterschiede finden sich nach einer Auswertung der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) der Gemüseerhebung des Statistischen Bundesamtes der Jahre 2012 bis 2017 bei Feldsalat und Rucola, aber auch bei Spargel und Kürbis. Hier ernteten die Biobetriebe im Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2017 nur zehn Prozent weniger als konventionelle Betriebe. Bei Möhren, dem bedeutendsten Biogemüse in Deutschland, liegen die Erträge der Biobetriebe 19 Prozent unter dem konventionellen Durchschnitt, genauso bei Rote Bete. Alle diese Kulturen haben keinen besonders hohen Stickstoffbedarf.

Zwiebeln und Lauch sind im ökologischen Anbau schwieriger zu produzieren. Hier ernten die Biobetriebe nur zwei Drittel der Erträge der konventionellen Betriebe. Bei Zwiebeln ist vor allem der hohe Unkrautdruck ein Problem. Auch Kulturen, die im Bioanbau weniger verbreitet sind, haben oft deutlich niedrigere Erträge. Dies ist bei den Blattsalaten wie dem dominierenden Eissalat oder dem Romanasalat, hinter dem sich hauptsächlich die "Salatherzen" verbergen, der Fall.

Auch bei den Fruchtgemüsen ergeben sich größere Unterschiede zwischen 55 Prozent Anteil des Bioertrags bei Freilandgurken, 64 Prozent bei Zuckermais und 78 Prozent bei Zucchini. Die Angaben zu Gurken sind aufgrund der oft extrem kleinen Bioanbauflächen nicht verlässlich. Bei Dicken Bohnen werden fast durchweg höhere Flächenerträge im Bioanbau veröffentlicht. Der Grund dürfte hier jedoch darin liegen, dass im konventionellen Anbau hauptsächlich für die Verarbeitung mit maschineller Ernte produziert wird, im Bioanbau dagegen für die Handpflücke.

Grafik zu Ertragsunterschieden bei Bio und konventionellem Freilandgemüse
Die Erträge von Biofreilandgemüse liegen bei etwa 75 Prozent der Erträge im konventionellen Gemüseanbau. Quelle: AMI, Destatis

Im Unterglasanbau sind die Ertragsunterschiede deutlich größer. So wachsen Biotomaten und -gurken in Erde, während konventionelle Pflanzen meist in Substraten – oft in geschlossenen Systemen – gezogen werden und damit deutlich mehr Nährstoffe zur Verfügung haben. So erzielen konventionelle Tomaten und Gurken im Gewächshaus Erträge von knapp 240 Tonnen je Hektar. Da fallen Biotomaten und -gurken mit 50 bzw. 66 Prozent der Erträge deutlich ab. Bei Paprika wird sogar nur ein Drittel der konventionellen Erträge erreicht.

Wenig Unterschied gibt es dagegen auch im Gewächshaus bei Feldsalat, Kopfsalat und Radies, weil dort auch im konventionellen Anbau die Kultur im gewachsenen Boden üblich ist. Da Tomaten mit ihrem großen Ertragsunterschied das Schwergewicht im geschützten Anbau bilden, fällt der Ertragsunterschied in den Gewächshäusern insgesamt mit 46 Prozent entsprechend groß aus.

Grafik zu Ertragsunterschieden zwischen Bio und konventionellem Gemüse unter Glasanbau.
Die Erträge von Biogemüse unter Glas sind halb so groß wie die von konventionellem Unterglasgemüse. Quelle: AMI, destatis

Im trockenen Jahr 2018 profitieren Biokartoffeln von Bewässerung und höherem Humusgehalt der Böden

Bei Biokartoffeln liegen die Erträge im Durchschnitt über die Jahre 2012 bis 2018 knapp halb so hoch wie bei konventionell erzeugten Kartoffeln. Biokartoffeln erhalten mit der organischen Düngung deutlich niedrigere Nährstoffmengen als bei mineralischer Düngung. In feuchten Jahren sterben außerdem die Pflanzen durch die Krautfäule in der Regel eher ab als pflanzenschutzbehandelte, konventionelle Kartoffeln. Auch dadurch wird der Ertrag niedriger.

Im trockenen und heißen Jahr 2018 war der Ertragsunterschied zwischen den konventionell und ökologisch erzeugenden Betrieben deutlich kleiner. Trotz der extremen Trockenheit holten die Biolandwirtinnen und -landwirte sogar eine leicht überdurchschnittliche Bruttoernte vom Feld. Viele für den Lebensmitteleinzelhandel erzeugende Biobetriebe bewässern ihre Kartoffelflächen. Darüber hinaus ist der Infektionsdruck mit der Kraut- und Knollenfäule in trockenen Jahren sehr gering. Ein wesentlicher Grund für die vergleichsweise hohen Biokartoffelerträge im Jahr 2018 dürfte aber auch der höhere Humusgehalt der Bioböden sein.

Entscheidender als der Ertrag ist für die Wirtschaftlichkeit der Ökobetriebe aber die Erzeugung hoher, vermarktungsfähiger Qualitäten. So zeigt auch das Jahr 2018 eine deutlich geringere Nettoerntemenge nach Abzug der nicht für den Handel geeigneten Partien.

Grafik zu Ertragsunterschieden zwischen Bio und konventionellen Kartoffeln.
Die Ertragsunterschiede von Bio- und konventionellen Kartoffeln haben sich im Ausnahmejahr 2018 verkleinert. Quelle: AMI, destatis

Die Apfelerträge sind sehr witterungsabhängig, bio wie konventionell. Außerdem wird im konventionellen Apfelanbau den jährlichen Schwankungen durch die sogenannte mit chemischen Methoden entgegengewirkt. In der Bioproduktion bleibt nur die aufwendige, mechanische Möglichkeit zur Ausdünnung. Bioapfelerzeugerinnen und -erzeuger haben in den vergangenen Jahren im Schnitt 64 Prozent der Erträge ihrer konventionellen Kolleginnen und Kollegen geerntet. Hier spielt das Düngeniveau eine Rolle, genauso wie der rein biologische Pflanzenschutz, der nur bei punktgenauer Anwendung gute Erfolge erzielt. Außerdem werden im Ökolandbau andere Sorten angebaut, die zum Teil niedrigere Erträge bringen. In ertragreichen Jahren wie 2016 und 2018 waren die Unterschiede zwischen Bio und konventionellen Erträgen am kleinsten. In diesen Jahren war die Witterung für beide Anbaumethoden günstig.

Grafik zu Ertragsunterschieden zwischen Bio und konventionellen Äpfel
Die Ertragsunterschiede von Bio- und konventionellen Äpfeln haben sich im Ausnahmejahr 2018 verkleinert. Quelle: AMI, destatis

Ein Blick über den Tellerrand

Der Vergleich mit anderen Ländern zeigt, dass die Bioerträge dort, wo konventionelle Landwirtschaft extensiver betrieben wird als hierzulande, vergleichsweise hoch sind oder gleiche Werte wie die konventionellen Erträge erreichen. Dies ist zum Beispiel in vielen osteuropäischen Ländern, aber auch in den USA und Kanada der Fall. Dort ist eine Umstellung auf Biolandbau leichter.

In Ländern mit intensiver Düngung wie Deutschland, aber auch den Niederlanden oder Belgien sind die Ertragsunterschiede besonders groß. In diesen Ländern wird im Durchschnitt 258 bzw. 284 Kilogramm Dünger pro Hektar Landwirtschaftsfläche verwendet, in Deutschland sind es 202 Kilogramm Mineraldünger pro Hektar, so die Datenbank der Weltbank. In der Ukraine werden nur 44 Kilogramm Dünger pro Hektar verwendet, in Russland 17 Kilogramm.

Deutschland hat zusammen mit dem Vereinigten Königreich und Frankreich die höchsten Getreideerträge weltweit, im Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre waren es 79 Dezitonnen je Hektar. Russland kommt auf 25 Dezitonnen je Hektar. Aber auch in den USA und Kanada wirtschaften die Landwirtinnen und Landwirte wesentlich extensiver und ernteten im Durchschnitt 31 und 32 Dezitonnen je Hektar. Dagegen stehen die Erträge der deutschen Biolandwirtinnen und -landwirte gut dar.


Letzte Aktualisierung: 20.12.2018