Erträge im biologischen und konventionellen Landbau

Erträge im biologischen und konventionellen Landbau

Bei Getreide ernten Bio-Landwirtinnen und -landwirte die Hälfte

Die Bio-Landwirtinnen und Bio-Landwirte in Deutschland ernteten im Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2019 rund 48 Prozent der Erntemenge der konventionellen Kolleginnen und Kollegen. Im Ackerbau und dort vor allem auf schweren Böden sind die Ertragsunterschiede zwischen ökologisch und konventionell wirtschaftenden Landwirtschaftsbetrieben am größten.

Die durchschnittliche Bio-Getreideernte (ohne Körnermais) lag bei 33,6 Dezitonnen je Hektar. Bei Weizen, dem Bio-Getreide mit der größten Anbaufläche in Deutschland, war der Ertragsunterschied am größten. Bei Hafer ernteten die Bio-Landwirtinnen und -landwirte nur rund ein Viertel weniger. Getreidearten, die eher auf leichten Böden angebaut werden, erzielen auch im konventionellen Landbau niedrigere Erträge. Der Unterschied zum Bio-Landbau ist dann bei ähnlichen Bodenbedingungen geringer.

Stallmist hat positiven Effekt auf Ertragsleistung

In besonders trockenen Jahren wie 2018 und 2019 zeigte sich bei vielen Kulturen, dass die Erträge im Öko-Landbau weniger abnahmen als im konventionellen Landbau. Die Böden auf Bio-Betrieben können häufig aufgrund des höheren Humusgehaltes Wasser besser halten und extreme Witterungsverhältnisse im gewissen Maß ausgleichen. Viele Studien haben gezeigt, dass die regelmäßige Anwendung von Stallmist maßgeblich zur Sicherung der Bodenfruchtbarkeit ist - nicht nur im Ökolandbau. Dies ist bei der auch in der Bio-Landwirtschaft zunehmenden Trennung von Viehhaltung und Ackerbau bedeutsam.

Über die Jahre betrachtet zeigt sich, dass die Erträge im Bio-Landbau weniger schwanken als im konventionellen Landbau. Neben der häufig höheren Bodenfruchtbarkeit spielt hier auch die im Öko-Landbau andere Verteilung der Kulturen einer Rolle. So sind die Kulturen, die konventionell die höchsten Erträge bringen, im Bio-Landbau unterrepräsentiert. Das betrifft neben Weizen vor allem Gerste. Dagegen sind Roggen und Hafer, beides Kulturen mit niedrigeren Erträgen, im Bio-Anbau überdurchschnittlich vertreten. Auch das führt, über alle Getreidearten betrachtet, zu den großen Ertragsunterschieden.

Bei Bio-Gemüse sind die Verhältnisse im Freiland- und Unterglasanbau recht unterschiedlich. Generell ist der Vergleich der Erträge mit etwas Vorsicht zu interpretieren, da hier nationale, statistische Mittelwert herangezogen wurden. Unterschiede im Ertrag könnten also auch andere Ursachen haben als die Bewirtschaftungsweise. Beispielsweise ist der Anteil von direkt vermarktetem Gemüse im Bio-Landbau größer. Und direktvermarktende Betriebe verteilen sich über das ganze Land, sind also auch an klimatisch weniger günstigen Standorten oder Standorten mit leichteren Böden zu finden.

Im Freilandgemüsebau ernten die Bio-Landwirtinnen und -landwirte 77 Prozent der Mengen des konventionellen Gemüsebaus. Neben einer weiten Fruchtfolge mit Leguminosen verwenden sie Mist und häufig Haarmehlpellets zur Düngung. Viele Betriebe wirtschaften zwar ohne Vieh, aber sind auch dann sehr erfolgreich.

Die kleinsten Ertragsunterschiede finden sich nach einer Auswertung der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) der Gemüseerhebung des Statistischen Bundesamtes der Jahre 2012 bis 2019 bei Feldsalat und Rucola, aber auch bei Spargel, Grünkohl und Kürbis. Hier ernteten die Bio-Betriebe im Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2019 nur gut zehn Prozent weniger als konventionelle Betriebe. Bei Möhren, dem bedeutendsten Bio-Gemüse in Deutschland, liegen die Erträge der Biobetriebe 22 Prozent unter dem konventionellen Durchschnitt. Alle diese Kulturen haben keinen besonders hohen Stickstoffbedarf.

Zwiebeln und Lauch sind im ökologischen Anbau schwieriger zu produzieren. Hier ernten die Bio-Betriebe nur zwei Drittel der Erträge der konventionellen Betriebe. Bei Zwiebeln ist vor allem der hohe Unkrautdruck ein Problem. Auch Kulturen, die im Bio-Anbau weniger verbreitet sind, haben oft deutlich niedrigere Erträge. Dies ist bei den Blattsalaten wie dem dominierenden Eissalat oder dem Romanasalat, hinter dem sich hauptsächlich die "Salatherzen" verbergen, der Fall.

Auch bei den Fruchtgemüsen ergeben sich größere Unterschiede zwischen 53 Prozent Anteil des Bio-Ertrags bei Freilandgurken, 67 Prozent bei Zuckermais und 74 Prozent bei Zucchini. Die Angaben zu Gurken sind aufgrund der oft extrem kleinen Bio-Anbauflächen nicht verlässlich. Bei Dicken Bohnen werden fast durchweg höhere Flächenerträge im Bio-Anbau veröffentlicht. Der Grund dürfte hier jedoch darin liegen, dass im konventionellen Anbau hauptsächlich für die Verarbeitung mit maschineller Ernte produziert wird, im Bio-Anbau dagegen für die Handpflücke.

Im Unterglasanbau sind die Ertragsunterschiede deutlich größer. So wachsen Bio-Tomaten und -gurken in Erde, während konventionelle Pflanzen meist in Substraten – oft in geschlossenen Systemen – gezogen werden und damit deutlich mehr Nährstoffe zur Verfügung haben. So erzielen konventionelle Tomaten und Gurken im Gewächshaus Erträge von gut 260 Tonnen je Hektar. Da fallen Bio-Tomaten und -gurken mit 50 bzw. 58 Prozent der Erträge deutlich ab. Bei Paprika wird sogar nur ein Drittel der konventionellen Erträge erreicht.

Wenig Unterschied gibt es dagegen auch im Gewächshaus bei Feldsalat, Kopfsalat und Radies, weil dort auch im konventionellen Anbau die Kultur im gewachsenen Boden üblich ist. Da Tomaten mit ihrem großen Ertragsunterschied das Schwergewicht im geschützten Anbau bilden, fällt der Ertragsunterschied in den Gewächshäusern insgesamt mit 41 Prozent entsprechend groß aus.

Im trockenen Jahr 2018 profitieren Bio-Kartoffeln von Bewässerung und höherem Humusgehalt der Böden

Bei Bio-Kartoffeln liegen die Erträge im Durchschnitt über die Jahre 2012 bis 2018 knapp halb so hoch wie bei konventionell erzeugten Kartoffeln. Bio-Kartoffeln erhalten mit der organischen Düngung deutlich niedrigere Nährstoffmengen als bei mineralischer Düngung. In feuchten Jahren sterben außerdem die Pflanzen durch die Krautfäule in der Regel eher ab als pflanzenschutzbehandelte, konventionelle Kartoffeln. Auch dadurch wird der Ertrag niedriger.

Im trockenen und heißen Jahr 2018 war der Ertragsunterschied zwischen den konventionell und ökologisch erzeugenden Betrieben deutlich kleiner. Trotz der extremen Trockenheit holten die Bio-Landwirtinnen und -landwirte sogar eine leicht überdurchschnittliche Bruttoernte vom Feld. Viele für den Lebensmitteleinzelhandel erzeugende Bio-Betriebe bewässern ihre Kartoffelflächen. Darüber hinaus ist der Infektionsdruck mit der Kraut- und Knollenfäule in trockenen Jahren sehr gering. Ein wesentlicher Grund für die vergleichsweise hohen Bio-Kartoffelerträge im Jahr 2018 dürfte aber auch der höhere Humusgehalt der Bio-Böden sein.

Entscheidender als der Ertrag ist für die Wirtschaftlichkeit der Öko-Betriebe aber die Erzeugung hoher, vermarktungsfähiger Qualitäten. So zeigt auch das Jahr 2018 eine deutlich geringere Nettoerntemenge nach Abzug der nicht für den Handel geeigneten Partien.

Die Apfelerträge sind sehr witterungsabhängig, bio wie konventionell. Außerdem wird im konventionellen Apfelanbau den jährlichen Schwankungen durch die sogenannte mit chemischen Methoden entgegengewirkt. In der Bio-Produktion bleibt nur die aufwändige, mechanische Möglichkeit zur Ausdünnung. Bio-Apfelerzeugerinnen und -erzeuger haben in den Jahren 2012-2018 im Schnitt 64 Prozent der Erträge ihrer konventionellen Kolleginnen und Kollegen geerntet. Hier spielt das Düngeniveau eine Rolle, genauso wie der rein biologische Pflanzenschutz, der nur bei punktgenauer Anwendung gute Erfolge erzielt. Außerdem werden im Öko-Landbau andere Sorten angebaut, die zum Teil niedrigere Erträge bringen. In ertragreichen Jahren wie 2016 und 2018 waren die Unterschiede zwischen Bio und konventionellen Erträgen am kleinsten. In diesen Jahren war die Witterung für beide Anbaumethoden günstig.

Ein Blick über den Tellerrand

Der Vergleich mit anderen Ländern zeigt, dass die Bioerträge dort, wo konventionelle Landwirtschaft extensiver betrieben wird als hierzulande, vergleichsweise hoch sind oder gleiche Werte wie die konventionellen Erträge erreichen. Dies ist zum Beispiel in vielen osteuropäischen Ländern, aber auch in den USA und Kanada der Fall. Dort ist eine Umstellung auf Biolandbau leichter.

In Ländern mit intensiver Düngung wie Deutschland, aber auch den Niederlanden oder Belgien sind die Ertragsunterschiede besonders groß. In diesen Ländern wird im Durchschnitt 258 bzw. 284 Kilogramm Dünger pro Hektar Landwirtschaftsfläche verwendet, in Deutschland sind es 202 Kilogramm Mineraldünger pro Hektar, so die Datenbank der Weltbank. In der Ukraine werden nur 44 Kilogramm Dünger pro Hektar verwendet, in Russland 17 Kilogramm.

Deutschland hat zusammen mit dem Vereinigten Königreich und Frankreich die höchsten Getreideerträge weltweit, im Durchschnitt der vergangenen sechs Jahre waren es 79 Dezitonnen je Hektar. Russland kommt auf 25 Dezitonnen je Hektar. Aber auch in den USA und Kanada wirtschaften die Landwirtinnen und Landwirte wesentlich extensiver und ernteten im Durchschnitt 31 und 32 Dezitonnen je Hektar. Dagegen stehen die Erträge der deutschen Biolandwirtinnen und -landwirte gut dar.


Letzte Aktualisierung 13.11.2020

BÖLW – Branchenreport 2021

Zahlen und Fakten zur Bio-Branche in Deutschland.

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