Ladenpreise für Bio-Lebensmittel steigen auch 2023

Ladenpreise für Bio-Lebensmittel steigen auch 2023

Auch im Jahr 2023 sind viele Bio-Lebensmittel teurer als im Jahr zuvor. Damit zahlt die Kundschaft weiterhin mehr Geld für zahlreiche Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung als im inflationsgeprägten Vorjahr. Die Lebensmittelteuerung hat sich jedoch im Jahresverlauf 2023 abgeschwächt. Das ist das Ergebnis des aktuellen AMI-Verbraucherpreisspiegels.

Die Entwicklung des deutschen Bio-Markts nahm im Jahr 2023 wieder an Fahrt auf. Die Verbraucherinnen und Verbraucher gaben so viel Geld wie noch nie für Bio-Produkte aus. Ein Großteil der Bio-Umsatzsteigung wurde durch die Anhebung der Verbraucherpreise infolge der Inflation anstatt durch steigende Einkaufsmengen verursacht. Die Preissteigerungen fielen dabei sehr unterschiedlich aus: Bio-Käse sowie Bio-Margarine und Bio-Speiseöle verteuerten gegenüber dem Vorjahr um knapp 14 beziehungsweise 18 Prozent, Bio-Rindfleisch um knapp neun Prozent.

Dagegen wurden andere Produkte, die 2022 schon große Preissprünge hinter sich hatten, kaum noch teurer. Hierzu gehörten unter anderem Bio-Geflügel, Bio-Eier und Bio-Schweinefleisch. Die höheren Preise resultieren zum großen Teil aus den schon seit 2022 höheren Produktionskosten auf allen Handelsstufen und fallen bei Produkten mit hohem Arbeitsaufwand entsprechend höher aus.

AMI-Verbraucherpreisspiegel

Der Verbraucherpreis ist der Endpreis, den Konsumentinnen und Konsumenten für die Ware im Lebensmitteleinzelhandel bezahlen. Ein wichtiges Instrument der AMI-Verbraucherforschung ist der Verbraucherpreisspiegel. Dieser ermöglicht die kontinuierliche Beobachtung der Preisentwicklung im Einzelhandel von rund 160 Produkten aus konventioneller und weiteren 100 Produkten aus ökologischer Erzeugung. Darüber hinaus existieren produktabhängige Spezifikationen wie Angebotsformen bei Fleisch und Wurst, in- oder ausländische Herkunft bei Erdbeeren, Spargel und weiteren Obst- und Gemüsearten oder auch Gewichtsklassen bei Eiern. Der Verbraucherpreisspiegel wird auf Grundlage der GfK-Haushaltspanels erstellt. Die GfK-Haushalte fungieren dabei als Preismelder für die AMI. Erklärtes Ziel des AMI-Verbraucherpreisspiegels ist die zeitnahe Ermittlung realistischer absoluter Preise.

Stärkerer Preisanstieg bei Lebensmitteln aus konventioneller Erzeugung

Sowohl bei Bio-Lebensmitteln als auch bei konventionell erzeugten Produkten sind deutliche Preisaufschläge zu sehen. Allerdings verteuerten sich frische Bio-Lebensmittel nicht ganz so stark wie ihr konventionelles Pendant. Thomas Els, Bereichsleiter für den Fachbereich Verbraucherforschung bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI), fasst folgendermaßen zusammen: „Seinen Höhepunkt hatte der Preisauftrieb bei frischen Lebensmitteln aus konventionellerErzeugung bereits im Oktober 2022 erreicht. Der AMI-Frischeindex wies zu diesem Zeitpunkt eine Teuerung um 20,8 Prozent im Vorjahresvergleich aus und schwächte sich spätestens seit dem April des vergangenen Jahres deutlich ab. Doch im Jahresdurchschnitt lagen die Verbraucherpreise für frische Lebensmittel noch einmal 8,8 Prozent höher als 2022.“

Der Bio-Markt verzeichnete hingegen eine Preissteigerung von knapp fünf Prozent zum Vorjahr. Durch den stärkeren Preisanstieg bei konventionellen Produkten haben sich die Preisunterscheide zwischen konventionell und Bio im Jahr 2023 weiter angenähert.

Bio-Kartoffelnachfrage erneut rückläufig

Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland kauften 2023 das zweite Jahr in Folge weniger Bio-Kartoffeln ein. Bio-Kartoffeln kosteten mit durchschnittlich 1,63 Euro pro Kilogramm so viel wie noch nie. Auch für konventionell erzeugte Kartoffeln haben die Kundinnen und Kunden Höchstpreise zahlen müssen, wie die Daten des AMI-Verbraucherpreisspiegels zeigen. Dennoch stiegen die Verbraucherpreise für konventionelle Kartoffeln um 19 Prozent, die Preise für Bio-Kartoffeln lediglich um vier Prozent. Damit verkleinerte sich der Preisabstand zwischen beiden Varianten.

Zurückhaltung beim Kauf von Bio-Eiern

In Deutschland wurden 2023 weniger Bio-Eier eingekauft als im Jahr zuvor. Auch der Bio-Anteil an der Einkaufsmenge ist leicht gesunken. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher griffen vermehrt auf Eier aus Bodenhaltung oder Freilandhaltung zurück. Zwar sind die Ladenpreise für Bio-Eier nicht so stark gestiegen wie bei Eiern aus konventionellen Haltungsformen. Jedoch motivierte das allgemein hohe Preisniveau eher zum Kauf der preisgünstigen, konventionellen Variante. Laut dem AMI-Verbraucherpreisspiel lag der durchschnittliche Verbraucherpreis für Bio-Eier im 10er-Karton bei 3,67 Euro. Eier aus Freilandhaltung wurden für mehr als einen Euro weniger im Handel angeboten.

Bio-Brot ist teurer geworden

Seit einigen Jahren findet eine Verschiebung im Brot- und Backwarensektor statt. Die Zahl der klassischen Handwerksbäckereien sinkt, während industrielle Großbäckereien weiter wachsen. Auch die Essgewohnheiten der Verbraucherinnen und Verbraucher ändern sich. So wurden Produkte aus Weißmehl und Backwaren verstärkt nachgefragt, während die Einkaufsmenge von klassischem Brot seit einigen Jahren sinkt. Hinter dieser Entwicklung stecken neben sich wandelnden Essgewohnheiten auch Preissteigerungen.

So kostete Bio-Brot über alle Vermarktungskanäle 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Die höheren Arbeitskosten wirkten sich hier deutlich auf die Verbraucherpreise aus. So kostete ein Laib Mehrkornbrot (750 Gramm) im vergangenen Jahr an der Bedientheke der Bäckereien durchschnittlich 3,16 Euro. Im Jahr zuvor hatte die Kundschaft dafür im Schnitt 2,89 Euro ausgegeben.

Andere Zweige des Lebensmittelhandwerks wie Metzgereien sind gleichermaßen von den höheren Produktionskosten betroffen. Im Durchschnitt erhöhten sich die Preise handwerklich hergestellter Bio-Lebensmittel zuletzt um 15 Prozent.


Letzte Aktualisierung 07.06.2024

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