Markt für Bio-Futtermittel

Markt für Bio-Futtermittel

Die Einkaufspreise für Bio-Mischfuttermittel befinden sich seit Monaten auf einem Höhenflug. Begrenzten zunächst Rohstoffknappheit, fehlende Transportmöglichkeiten und erschwerte Importbedingungen das Angebot an Bio-Eiweißfuttermitteln, verschärft nun das Kriegsgeschehen in der Ukraine die Situation weiter.

Mit Inkrafttreten der neuen EU-Öko-Verordnung müssen Bio-Schweine ab 35 Kilogramm sowie ausgewachsenes Bio-Geflügel, abgesehen von einigen Ausnahmen, seit dem 1. Januar 2022 zu 100 Prozent mit Bio-Futter versorgt werden – eigentlich! Schon zu Jahresbeginn haben Rohstoffknappheit, fehlende Transportmöglichkeiten und erschwerte Importbedingungen das Angebot an Futtermitteln in Bio-Qualität verringert. Zusätzlich hat sich die Situation am Futtermittelmarkt seit dem Beginn der russischen Invasion in die Ukraine Ende Februar 2022 deutlich verschärft und zu einem Versorgungsengpass, insbesondere bei Eiweißfuttermitteln, geführt.

Aus diesem Grund haben sich die Bundesländer in der Länderarbeitsgemeinschaft Ökolandbau (LÖK) auf eine Wiederzulassung von fünf Prozent konventionellen Eiweißfuttermitteln für alle Bio-Monogastrier geeinigt. Diese Regelung gilt zunächst befristet bis zum 31. Dezember 2022. Damit die Regelung greift, müssen Bio-Betriebe bei ihrer zuständigen Kontrollbehörde zunächst jedoch eine Defiziterklärung einreichen, aus der hervorgeht, dass sich der Betrieb nicht ausreichend mit Bio-Eiweißfuttermitteln versorgen kann.

Markteinblicke

Markteinschätzung von Diana Schaack, Marktanalystin Öko-Landbau:

Mit der zeitlich begrenzten Wiederzulassung von fünf Prozent konventionellen Eiweißfuttermitteln wie Kartoffeleiweiß und Maiskleber hat sich der Bio-Futtermittelmarkt etwas entspannt. Kartoffeleiweiß – das allerdings doppelt so teuer ist wie im Herbst – kann den fehlenden Sonnenblumenkuchen teilweise ersetzen. Die größten Lücken bleiben aber bei heimischen Leguminosen, bei denen die Ernte im Baltikum und in anderen Lieferländern zu klein war. Außerdem haben die Mischfutterwerke mangels Soja- und Sonnenblumenkuchen in der ersten Saisonhälfte mehr als sonst davon verbraucht. Sojakuchen aus China, Indien und dem Togo ist momentan wieder ausreichend verfügbar, allerdings zu sehr hohen Preisen um 1.200 bis 1.400 Euro je Tonne. Die Logistik funktioniert Anfang Mai wieder zuverlässig. Die Unternehmen haben sich auf längere Lieferzeiten eingestellt und disponieren langfristiger. Zudem lagern sie selbst mehr ein, damit ihnen die Rohstoffe nicht ausgehen.

Auf politischer Ebene ist seitens der EU-Kommission eine Aussetzung aller Zölle auf Einfuhren aus der Ukraine für ein Jahr im Gespräch. Bei der Einfuhr von Bio-Produkten aus Nicht-EU-Ländern wie der Ukraine, Kasachstan, der Republik Moldau, Russland, China und Indien sind Kontrollstellen oder Kontrollbehörden für die Kontrolle und die Zertifizierung verantwortlich, die von der Kommission benannt werden. So wird sichergestellt, dass für die Bio-Erzeugerinnen und -Erzeuger in ihrem Zuständigkeitsbereich Standards und Kontrollmaßnahmen gelten, die denen der EU gleichwertig sind. Zudem können zusätzliche Kontrollen oder Auflagen für bestimmte Produkte bestehen, die den Import von Bio-Ware aus oben genannten Ländern verteuern.


Letzte Aktualisierung 12.05.2022

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