Digitale Plattformen vernetzen Küchen und Lieferanten

Digitale Plattformen vernetzen Küchen und Lieferanten

Wie finden Gastronomiebetriebe und Küchen der Gemeinschaftsverpflegung geeignete Bioprodukte aus der Region? Online-Plattformen könnten hier eine nützliche Lösung sein. Ende Juli startete in Bayern dazu die neue Webseite "RegioVerpflegung". Der Beitrag gibt einen Überblick über diese und andere Plattformen, die sich teilweise noch im Aufbau befinden.

Köchinnen und Köche haben heute in aller Regel keine Zeit mehr, Bauernhöfe abzuklappern, um dort nach geeigneten Lieferanten zu suchen. Auch der früher noch häufig verbreitete Besuch auf dem Wochenmarkt ist eher Luxus als Standard. Das gleiche gilt umgekehrt: Betriebe aus Landwirtschaft und Gartenbau kommen selten in die Küchen von Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung, um dort ihre Waren anzubieten. Selbst wenn das unter Umständen eine interessante Vermarktungsmöglichkeit sein könnte - es fehlt die Zeit und auch das Know-how für solche Kontakte. Gleichzeitig wächst bei den Tischgästen und in der Öffentlichkeit der Wunsch, dass Küchen regionale und möglichst bioregionale Produkte verwenden. Online-Plattformen können dabei helfen, Küchen besser mit regionalen Bio-Lieferanten zu vernetzen. Die Idee ist nicht neu, aber die Umsetzungen dazu brauchen personelle und finanzielle Ressourcen sowie einen langen Atem. Wenn die Plattformen eine neutrale Informationsquelle sein sollen, geht es meist nicht ohne eine öffentliche Finanzierung. Die Erfahrungen mit solchen Projekten in Deutschland sind deshalb bisher noch überschaubar. Aber erste Ansätze tragen schon Früchte und neue sind im Entstehen.

Plattform "Wirt-sucht-Bauer"

Die im Jahr 2015 durch den Cluster Ernährung am bayerischen Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) entwickelte Plattform "Wirt-sucht-Bauer" nutzen inzwischen weit über 1000 Betriebe aus Landwirtschaft, Verarbeitung und Gastgewerbe in Bayern. Das für die Betriebe kostenlose Angebot verfolgt dabei mehrere Ziele:

  • neue Absatz- und Bezugswege aufzeigen,
  • bestehende Netzwerke zwischen Produktion, Verarbeitung und Gastronomie stärken,
  • regionale Wertschöpfung erhöhen und
  • Existenzen im ländlichen Raum sichern und kleinbetriebliche Strukturen erhalten.

Im Vordergrund steht der Aspekt, regionale Betriebe zu vernetzen. Über eine Filterfunktion können interessierte Gastronominnen und Gastronomen auch geeignete Produktionsbetriebe mit Biozertifikat in ihrer Nähe finden. "Das Konzept kommt gut an und die Anzahl der Nutzer zeigt kontinuierlich", so der Projektverantwortliche Robin Erhardt.

 

Anzahl der registrierten Betriebe

davon mit Bio-Zertifizierung

Erzeugung892132
Verarbeitung26843
Gastronomie2636

Daten aus www.wirtsuchtbauer.de / Zugriff 29.07.2020 Hinweis: Betriebe können sich auch in mehreren Rubriken registrieren.

Neue Plattform RegioVerpflegung

Seit Ende Juli 2020 gibt es in Bayern eine weitere digitale Plattform, die gezielt Küchen der Gemeinschaftsverpflegung mit regionalen Produzenten aus Landwirtschaft und Verarbeitung sowie Handelsunternehmen in Kontakt bringen will. Die Plattform RegioVerpflegung basiert auf der gleichen Datenbankbasis wie Wirt-Sucht-Bauer und funktioniert auch ähnlich: Sowohl landwirtschaftliche Betriebe und Verarbeiter wie auch Küchen der Gemeinschaftsverpflegung können sich dort registrieren. Über Suchfunktionen können Küchen-Verantwortliche gezielt nach Anbietern für bestimmte Produkte oder Produktgruppen in einem gewählten Radius um ihren Standort suchen. Auch nach der Form der Logistik – Anlieferung oder Selbstabholung – sowie Qualitätszeichen für die Lebensmittel lassen sich Betriebe herausfiltern. "Dabei ist ausdrücklich erwünscht", so die Projektmanagerin Daniela Veigl am KErn, "dass sich auch biologisch wirtschaftende Betriebe eintragen." Bisher ist die Datenbank noch im Aufbau, aber es zeigt sich schon jetzt ein interessantes Detail: Offenbar interessieren sich für diese GV-Plattform mehr Bio-Betriebe als bei Wirt-Sucht-Bauer.

Green Canteen

Die in München ansässige Initiative Green Canteen möchte mir ihrer digitalen Plattform noch einen Schritt weiter gehen. Ihr Anspruch ist es, die Wünsche und Abläufe in Großküchen mit den Angeboten regionaler Bio-Betriebe im umfassenden Sinne zusammen zu bringen. Angebot und Nachfrage sollen transparent dargestellt und koordiniert werden. Dafür melden die Betriebe ihr Angebot an verfügbaren Lebensmitteln und die Küchen ihren Bedarf an Bio-Produkten. Die Vision von Green Canteen ist es, mit Hilfe von künstlicher Intelligenz ein Kochen auf Basis bio-regionaler Verfügbarkeiten zu ermöglichen sowie Lebensmittelabfälle und transportbedingte Emissionen zu reduzieren. Wenn die Küchenverantwortlichen den konkreten Bedarf definiert haben, übernimmt die Plattform die Bestellung und Logistik. Das Projekt steht aktuell noch in den Startlöchern: Eine Testphase mit Betrieben aus dem Münchner Raum soll im Herbst 2020 beginnen.  

Plattform 2020

In der Region Berlin-Brandenburg will die "Plattform 2020" mit einer neuen Online-Plattform die Produkte von kleinen, handwerklichen und regionalen Betrieben für die Gastronomie besser sichtbar machen. Auf der einen Seite sollen Küchen einen einfacheren Zugang zu außergewöhnlichen regionalen Produkten erhalten, auf der anderen Seite soll die Plattform die Absatzmöglichkeiten regionaler Produzenten verbessern. Sie richtet sich dabei vor allem an biologisch wirtschaftende Betriebe, aber auch ausgewählte, kleine regionale Produzenten ohne Biozertifizierung werden in die Liste aufgenommen. Allerdings befindet sich auch diese Plattform in der Aufbauphase und es ist noch unklar, wann die Seiten online gehen. 

Blick nach Österreich: Mehrwert für alle

Auf der österreichischen Plattform Mehrwert für alle können Küchen der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung aus dem Vorarlberg nach regionalen Lieferanten für bestimmte Lebensmittel und Produktgruppen suchen. Eine Filterfunktion erlaubt es, gezielt Bio-Betriebe auszuwählen bzw. nach Anbieter mit bestimmten Qualitätsmerkmalen zu suchen. Zur Auswahl stehen beispielsweise "Bio-Austria", "Demeter", "AMA-Biosiegel" sowie "Ländle-Gütesiegel" oder "AMA-Gütesiegel". Bisher präsentieren 61 Betriebe ihr vielseitiges Sortiment, 19 davon verfügen über ein Biozertifikat. Das landesweite Projekt wurde aus öffentlichen Mitteln gefördert. Träger des Projekts war der gemeinnützige Verein zur Förderung von Regionalität und Gesundheit in Gastronomie, Tourismus- und Gemeinschaftsverpflegungsbetrieben.


Letzte Aktualisierung 05.08.2020

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