Bio in der Bremer Gemeinschaftsverpflegung

Der Bremer Weg zu mehr Bio in der Gemeinschaftsverpflegung

Der Bremer Senat hat sich mit dem "Aktionsplan 2025" ehrgeizige Ziele für eine nachhaltige Verpflegung in Kitas, Schulen und Kliniken gesetzt. Was wurde bisher erreicht? Wie hoch sind die Bio-Anteile in den Einrichtungen? Oekolandbau.de fasst die wichtigsten Ergebnisse einer aktuellen Evaluierung zusammen.

Angestoßen durch starke Impulse aus der engagierten Bremer Bürgerschaft hat sich die Stadt Bremen beim Thema Bio in der Gemeinschaftsverpflegung viel vorgenommen: Bis zum Jahr 2022 sollen in der Mittagsverpflegung der rund 100 städtischen Kitas und 70 Schulen nur noch Bio-Lebensmittel eingesetzt werden. In den vier Kliniken wird bis 2025 ein Bio-Anteil in Höhe von 25 Prozent angestrebt. Von Anfang an war allen klar: Diese ambitionierten Ziele können nur in einem mehrjährigen Prozess durch eine Vielzahl von Maßnahmen erreicht werden. Für die Umsetzung in den verschiedenen Bereichen sind die jeweiligen Ressorts zuständig. Die übergreifende Koordinierung und Weiterentwicklung der Konzepte übernimmt seit April 2019 Mücella Demir als "Projektleiterin der Biostadt Bremen". Was konnte seither erreicht werden?

Kitas auf einem guten Weg

In den Kindertagesstätten liegt der Bio-Anteil inzwischen bei 40 Prozent. Während vor allem pflanzliche Lebensmittel auf Bio umgestellt wurden und zu 100 Prozent Bio-Milch eingesetzt wird, stammt das Fleisch bisher nur aus konventioneller Produktion. Aber bei ein bis zwei Fleischgerichten pro Woche macht das im Speiseplan nur einen geringen Anteil aus. Da mit "Kita Bremen" ein Eigenbetrieb der Stadt für die Verpflegung im Vorschulbereich zuständig ist, können hier leichter auch zentrale Einkaufsstrukturen für bestimmte Lebensmittelgruppen wie Teigwaren oder Kartoffeln geschaffen werden.

Hohe Spannbreite bei Schulen

Mehr als zwei Drittel der Schulküchen setzen bereits 100 Prozent Bio-Milch ein. Über alle Lebensmittel erreichen die Schulen im Mittel (Median) einen Bio-Anteil von 25 Prozent. Allerdings gibt es hier eine sehr große Spannbreite: An zwei Schulen liegt der Anteil noch bei wenigen Prozent, bei zehn Schulen inzwischen fast bei 100 Prozent. "Das liegt daran", so Mücella Demir, "dass wir hier eine ganz heterogene Struktur haben: Es gibt Schulen mit Frischeküche, Catering oder Pachtmodellen. Da müssen wir im Einzelfall immer wieder nach den bestmöglichen Lösungen suchen".

Kleinere Schritte bei Kliniken

Im Bereich der Krankenhaus-Verpflegung ist es aufgrund der Rahmenbedingungen meist schwieriger, Lebensmittel in großem Maßstab auf Bio umzustellen. Das zeigen immer wieder Erfahrungen aus der Praxis.

Die vier Krankenhäuser im städtischen Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) haben sich deshalb für sie realistische Schritte auf dem Weg in Richtung Bio vorgenommen. Mit einem erreichten Anteil von etwa zehn Prozent liegen sie im Plan auf dem Weg zum gesetzten Ziel von 25 Prozent. Die Milch stammt auch hier bereits zu 100 Prozent von Bio-Betrieben.

Aufgrund der guten Erfahrungen in den genannten Einrichtungen ist in naher Zukunft vorgesehen, den Aktionsplan auf das Studierendenwerk auszuweiten. In Abstimmung mit den Verantwortlichen vor Ort werden dazu aktuell die Ziele konkretisiert.

Finanzierung und Mittel für den Aktionsplan

Der Aktionsplan 2025 basiert auf dem Grundgedanken, den Einkauf der Bio-Produkte möglichst innerhalb der vorhandenen Budgets zu stemmen. Ein 2017 durchgeführtes Pilotprojekt an drei Kitas zeigte, dass die Mehrkosten bei der Umstellung auf 100 Prozent Bio in einem überschaubaren Rahmen von 10 bis 15 Prozent liegen können.

Um die Ziele des Aktionsplanes zügig umzusetzen, braucht es jedoch mehr als nur die Veränderung des Einkaufs. Letztlich müssen alle Beteiligten mitgenommen und in die Lage versetzt werden, sich konstruktiv einzubringen. Um diesen Prozess zu begleiten, hat der Bremer Senat die Mittel für die Umsetzung des Aktionsplans von 60.000 Euro auf insgesamt 216.000 Euro in den Jahren 2020 und 2021 angehoben. "Dieses Budget setzen wir beispielsweise ein zur Akquise von Drittmitteln und zur Erstellung von Konzepten zur strategischen Weiterentwicklung für das Schulungs- und Beratungsangebot", so Mücella Demir.

Zudem kann die Biostadt Bremen damit eine eigene Förderrichtlinie für flankierende Projekte einrichten. So können die engagierten Akteurinnen und Akteure und NGOs in Bremen, die ebenfalls am Thema arbeiten, ihr Know-how, ihre Kontakte und ihre Erfahrungen besser in die Prozesse einbringen. "Das könnten wir als Verwaltung gar nicht alles selbst umsetzen", weiß Demir. Bauernhof-Besuche, Fortbildungen für Küchenkräfte und pädagogisches Personal und Netzwerkveranstaltungen können so finanziert werden.

Erfolgsfaktoren für mehr Bio in der Gemeinschaftsverpflegung

Insgesamt zeigen die bisherigen Erfahrungen in Bremen: Die Umstellung auf Bio in der Gemeinschaftsverpflegung ist kein Selbstläufer, sondern es braucht dazu einen langen Atem und ein systematisches Vorgehen. Vom Beschluss der Ziele bis zur Umsetzung müssen viele Menschen überzeugt und im Prozess mitgenommen werden. Wenn es beispielsweise bei Catering-Unternehmen oder Pächterin oder Pächtern am Willen fehlt, diesen Weg mitzugehen, muss man sich im Einzelfall von solchen Partnern trennen.

Aber in der großen Mehrzahl ist es in der Hansestadt gelungen, in vielen Köpfen ein Umdenken anzustoßen und die Energie für die Umsetzung zu mobilisieren. Neben ambitionierten Zielen, die den notwendigen Handlungsdruck erzeugen, müssen dazu die Zuständigkeiten klar definiert sein und in der Verwaltung ein "Kümmerer" verankert werden. Damit die Umsetzung in der Praxis gelingt, sollten die mittelfristigen Ziele auf realistische Einzelmaßnahmen heruntergebrochen werden. Hilfreich ist dabei auch, engagierte Akteurinnen Akteure aus der Zivilgesellschaft einzubinden und dafür Fördermittel vorzusehen.


Letzte Aktualisierung 10.08.2020

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