Nutzenschwellen für Mehrweg-Behälter

Nutzenschwellen für Mehrweg-Behälter

Seit Juli 2021 gelten in der ganzen EU Einschränkungen für den Einsatz von Einwegplastikprodukten. Die Takeaway-Gastronomie sucht jetzt dringend nach Alternativen. Aber ab wann sind Mehrwegsysteme wirklich ökologisch sinnvoll? Diese und andere Fragen hat eine aktuelle Studie zum Thema "Mehrweg in der Takeaway-Gastronomie" unter die Lupe genommen.

Gastronomische Betriebe geben Takeaway-Gerichte bislang überwiegend in Einwegverpackungen aus. Das kostet Energie und Rohstoffe und belastet die Umwelt. In der ganzen EU wird deshalb der Einsatz solcher Einwegsysteme stark eingeschränkt. Mehrwegsysteme stellen eine Alternative dar. Aber sind sie auch ökologisch sinnvoll? Und wie oft müssen die Behältnisse im Umlauf bleiben, damit sich der Aufwand für ihre Herstellung amortisiert? Im Rahmen des bundesweiten Verbundprojekts "Klimaschutz is(s)t Mehrweg" hat das ECOLOG-Institut für sozial-ökologische Forschung und Bildung diese Frage untersucht. Das Fazit: In Bezug auf die Emissionen von Treibhausgasen reichen in der Regel 10 bis 15 Nutzungen einer Mehrwegverpackung aus, um gegenüber der Einwegverpackung eine positive Bilanz zu erreichen. Bei anderen Umweltauswirkungen können unter Umständen mehr Nutzungszyklen erforderlich sein, um die ökologische Nutzenschwelle zu erreichen. Zudem spielen im Einzelfall viele Faktoren eine Rolle. Wie viele Nutzungen Mehrwegbehälter im Vergleich mit Einwegverpackungen erreichen müssen, um bei verschiedenen Umwelteffekten besser abzuschneiden, zeigt folgende Tabelle:

Tabelle: Anzahl Nutzungen wiederverwendbarer Polypropylen-Behälter, die für das Unterschreiten der Umwelteffekte von Einweg-Behältern aus aufgeschäumtem Polystyrol mindestens notwendig sind:
UmweltauswirkungenPP-Behälter (Tupperware)PP-Mehrwegbehälter
Globale Erwärmung / Treibhauseffekt184
Primärenergiebedarf195
Versauerung von Gewässern und Böden297

Der Tupperware-Mehrwegbehälter ist dicker, mehr als viermal so schwer als der Vergleichsbehälter und hat eine Silikon-Dichtung. Dadurch ist  ist die ökologische Nutzenschwelle viel höher. Aber möglicherweise auch die Lebensdauer. Das heißt in der Summe: Auch wenn es im Einzelfall immer wieder gewisse Unterschiede gibt, so haben die Mehrweg-Systeme deutliche ökologische Vorteile, sofern die Behältnisse oft genug im Umlauf bleiben.

"In der Praxis sollten Mehrwegbehältnisse mindestens hundertmal eingesetzt werden, um ihre ökologische Überlegenheit voll auszuspielen", so Dr. Silke Kleinhückelkotten. Rein technisch ist das auf jeden Fall möglich. Aber tun sie das auch wirklich in der Praxis? Dazu gibt es noch zu wenig verlässliche Daten. Doch je mehr die Hemmnisse und Vorbehalte gegenüber Mehrwegsystemen abgebaut werden, umso höher wird deren Akzeptanz und es steigen die Umlaufzahlen. Noch befürchten viele aus der Gastronomie einen höheren Aufwand und höhere Kosten. "Aber die Anbieter von Mehrwegsystemen rechnen vor, dass die Kosten für diese nicht höher und zum Teil sogar niedriger sind als die für Einwegverpackungen", so die Sozial- und Kulturwissenschaftlerin vom ECOLOG-Institut. Natürlich ist die Umstellung eines Systems am Anfang immer mit einem gewissen auch finanziellen Aufwand verbunden. Hilfreich ist deshalb, wenn Kommunen die Kosten für die Einführung eines Systems übernehmen.

Hygiene und aktive Kommunikation

Ein weiterer häufig zu hörender Vorbehalt betrifft die Hygiene. Denn wer Takeaway-Gerichte anbietet, ist für die Sicherheit der in Verkehr gebrachten Lebensmittel verantwortlich. Das gilt auch, wenn Kundinnen und Kunden Speisen in mitgebrachte Gefäße füllen lassen. Aber durch eine Reihe von einfachen Maßnahmen lassen sich diese Hygienerisiken in der Praxis vermeiden.

Hygiene-Tipps beim Befüllen mitgebrachter Gefäße

  • Kundinnen und Kunden stellen das mitgebrachte, leere Gefäß geöffnet auf ein eigens dafür vorgesehenes Tablett und behalten den Deckel für sich.
  • Das Personal sollte offensichtlich verschmutzte Gefäße nicht annehmen, um das Arbeitsumfeld nicht zu verunreinigen.
  • Das Personal nimmt das Tablett, ohne das Gefäß zu berühren, und stellt es in dem dafür markierten Bereich auf der Arbeitstheke ab.
  • Beim Befüllen sollte das Gefäß nicht berührt werden – weder mit Händen, noch Kellen, Löffeln oder Zangen. Bei versehentlichem direktem Kontakt sollten Hände und Einfüllhilfen gewaschen beziehungsweise gespült werden.
  • Das Personal stellt das Tablett mit dem befüllten Gefäß wieder auf der Theke ab, ohne das Gefäß zu berühren.
  • Die Kundinnen oder der Kunde setzen den Deckel auf und nehmen das Gefäß von der Theke.
  • Tablett, Theke und Arbeitsfläche sollten regelmäßig gereinigt und bei Bedarf desinfiziert werden.
  • Alternativ dazu können gastronomische Betriebe auch den Behältertausch anbieten. Dabei stellt der Betrieb das Gefäß unentgeltlich oder gegen Pfand zur Verfügung. Mitgebrachte Gefäße werden separat im Kundenbereich gesammelt und vom Betrieb gereinigt.

Tipps in Anlehnung an ein Merkblatt aus der Initiative "Essen in Mehrweg".

Last but not least sind Mehrwegsysteme keine Selbstläufer. Damit sie gut funktionieren und die erwünschten Umlaufzahlen erreicht werden, müssen die gastronomischen Betriebe das Thema aktiv kommunizieren. Dazu sollte auch das Personal gut informiert und überzeugt davon sein. Denn je mehr die Menschen bei der Ausgabe von Mehrwegbehältern hinter dieser Idee stehen, umso besser funktioniert das System. Bei Bedarf können dazu auch Schulungen sinnvoll sein.


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Letzte Aktualisierung 13.08.2021

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