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Wie wird eine Kuh gemolken?

Euter einer Milchkuh. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Eine Kuh gibt im Durchschnitt 20 Liter Milch am Tag. Foto: Thomas Stephan, BLE

Während die Kühe früher von Hand gemolken wurden, geschieht das Melken heutzutage fast immer in einem Melkstand. Dort arbeiten die Melkerinnen und Melker in einer tiefer gelegten sogenannten Melkgrube, damit sie die Euter der Kühe "auf Augenhöhe" haben und gut erreichen können.

In einem Melkstand werden immer mehrere Kühe gleichzeitig gemolken. Je nachdem, wie die Kühe im Melkstand stehen, unterscheidet man beispielsweise zwischen einem "Fischgrätenmelkstand" (dort stehen die Kühe schräg zur Melkgrube) und einem "Tandemmelkstand" (in dem die Kühe parallel zur Melkgrube stehen). Es gibt aber auch Rundmelkstände, sogenannte Melkkarussels.

Als erstes werden die Kühe von Hand vorgemolken. Dabei landen die ersten Milchstrahlen in einem schwarzen "Vormelkbecher". Hier kann die Milch auf Veränderungen (Flocken und Verfärbungen) geprüft werden. So kann man kranke Kühe, die zum Beispiel eine Entzündung im Euter haben, erkennen. Denn hat eine Kuh ein erkranktes Euter, wird die Milch in eine Kanne gemolken und darf nicht zusammen mit der Milch gesunder Kühe in den Tank gelangen.

Kühe und Melker im Melkstand. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
In einem Melkstand kann der Melker mehrere Kühe gleichzeitig melken. Foto: Thomas Stephan, BLE

Ist die Milch in Ordnung (das heißt dann offizell "verkehrsfähig") wird das Euter gereinigt. Dafür verwenden die Melkerinnen und Melker feuchte Einmaltücher oder Lappen, die heiß gewaschen werden können. Da Milch ein empfindliches Lebensmittel ist, muss beim Melken pingelig auf Sauberkeit geachtet werden. Für jedes Euter wird daher ein neues, frisches Tuch verwendet.

Nach der Reinigung des Euters kann das Melkzeug angesetzt werden. Dazu werden die Melkbecher  nacheinander auf die Zitzen gesteckt. Nun wird die Kuh gemolken. Über ein Milchmengenmessgerät wird der Milchfluss gemessen. Nimmt der Milchfluss ab, das heißt fließt immer weniger Milch aus dem Euter, hört die Melkmaschine auf zu melken und nimmt automatisch das Melkzeug ab.

Bevor die Kühe nach dem Melken den Melkstand verlassen, werden die vom Melken beanspruchten Zitzen in ein Pflegemittel getaucht. Dadurch sollen die Zitzen geschmeidig gehalten und Erkrankungen des Euters verhindert werden. Für die ökologische Milchviehhaltung sind dafür spezielle Mittel vorgesehen.

So funktioniert das Melkzeug

So wie das Euter einer Kuh vier Zitzen hat, hat auch jedes Melkzeug einer Melkmaschine vier Melkbecher. Jeder Melkbecher besteht außen aus einer Becherhülse und innen aus einem Zitzengummi.

Beim Melken steckt die Zitze der Kuh im Zitzengummi, in dem durch eine Pumpe ein ständiger Unterdruck erzeugt wird. Durch diesen Unterdruck wird die Milch angesaugt. Zwischen Zitzengummi und Melkbecher, dem sogenannten Pulsraum, herrscht abwechselnd mal Unterdruck (Milch kann fließen) und mal befindet sich dort Luft (Milch fließt nicht). Der Zitzengummi biegt sich also regelmäßig hin und her und drückt dabei (im Pulstakt, bzw. abwechselnd) die Zitze zusammen (Luft im Pulsraum) und öffnet sie wieder (Unterdruck im Pulsraum). So wird das Saugen des Kalbes nachgeahmt und der Milchfluss angeregt.

Die Milch fließt aus den Zitzenbechern durch ein kleines Milchmengenmessgerät in den Milchschlauch und weiter in die Milchleitung. Über Filter wird die Milch gereinigt und landet schließlich im Kühltank, wo die euterwarme Milch auf vier Grad Celsius heruntergekühlt wird, bis sie vom Tankwagen abgeholt wird.

Melken mit Roboter - gibt es wirklich!

Auf einigen  Biohöfen werden die Kühe sogar über ein automatisches Melksystem, einen sogenannten Melkroboter gemolken. Dazu ist der Laufstall für die Milchkühe mit einer oder auch mehreren Melkboxen ausgestattet. Die Kühe können hier selbst entscheiden, wann sie gemolken werden.

In der Melkbox erhalten die Tiere etwas "Lockfutter". Das wissen die Kühe und würden öfter zum Fressen als zum Melken die Box betreten. Über einen Chip im Halsband erkennt der Melkroboter die Kuh und entscheidet, ob sie gemolken werden darf; dann öffnet er das Tor: Wenn es noch nicht so weit ist, bleibt das Tor (die Box) verschlossen. Zwischen den Melkzeiten müssen mehrere Stunden liegen.

Befindet sich eine Kuh in der Melkbox, wird über Sensoren das Euter abgetastet, vorgemolken, mit Bürsten gereinigt und schließlich das Melkzeug angesetzt. Wie beim Melken in einem Melkstand kann auch der Melkroboter die Milch prüfen und sie getrennt melken, falls das Euter der Kuh erkrankt ist.

Hat ein Landwirt oder eine Landwirtin einen Melkroboter im Stall, wird ihnen zwar das Melken abgenommen, aber ausschlafen können sie dennoch nicht. Da der Kontakt zu den Tieren im Melkstand wegfällt, muss umso mehr Zeit für die Beobachtung und Kontrolle der Herde aufgewendet werden. Außerdem ist es wichtig, sich richtig gut mit Computern und Melktechnik auszukennen.

Letzte Aktualisierung: 21.10.2015