Der Biomilchmarkt - Chancen und Risiken

Der Biomilchmarkt - Chancen und Risiken

Obwohl die Nachfrage nach Biomilch seit vielen Jahren wächst, ist der Biomilchmarkt verglichen mit dem konventionellen Bereich nach wie vor sehr klein. Nur knapp 2,3 Prozent der im Jahr 2015 in Deutschland angelieferten Milch stammte aus ökologischer Erzeugung. Insgesamt wurde 2015 mit 732 Millionen Litern drei Prozent mehr Biomilch angeliefert als im Vorjahr. Trotz stetig steigender inländischer Erzeugermengen liegt der Selbstversorgungsgrad in Deutschland nur bei etwa 70 Prozent.

Etwa seit Mitte 2013 hat sich der Auszahlungspreis für heimische Erzeugerinnen und Erzeuger auf hohem Niveau stabilisiert und liegt konstant über 45 Cent pro Liter. Davor zahlten die Molkereien bis 2006 einen festen Biozuschlag von maximal 6 Cent pro Liter, der die deutlich höheren Kosten in der Biomilcherzeugung kaum abgedeckt hat. Erst nach 2006 haben die Biomilchliefergruppen mit ihren Molkereien zunehmend eigene Biomilchpreise verhandelt und das System fester Zuschläge wurde aufgegeben. Dadurch erhielten die Biomilchbetriebe zwischen 7 bis 12 Cent mehr für ihre Ware.

Biobetriebe brauchen hohes Preisniveau

Inzwischen hat sich der Biomilchmarkt komplett abgekoppelt vom konventionellen Bereich, wo seit dem Wegfall des Quotensystems ein massives Überangebot und ein drastischer Preisverfall zu beobachten ist. Für Biomilch wurde dagegen Mitte 2016 mehr als doppelt so viel bezahlt wie für konventionelle Ware. Die vermeintlichen Höchstpreise sind aber nach Ansicht von Rüdiger Brügmann von der Koordinationsstelle Biomilch des Bioland-Verbandes absolut notwendig für Ökobetriebe: "Wir sind mit Preisen bis knapp 50 Cent pro Liter jetzt da, wo wir hingehören, damit die Betriebe langfristig wirtschaftlich arbeiten können."

Ein wichtiger Grund für die Abkopplung der beiden Märkte sind die unterschiedlichen Voraussetzungen. Während im Biobereich noch etwa 30 Prozent der benötigten Milchmengen importiert werden, liegt der Selbstversorgungsgrad im konventionellen Milchmarkt bei knapp 120 Prozent. Die überschüssigen Mengen müssen zu Weltmarktpreisen abgegeben werden, was zu entsprechend niedrigen Auszahlungspreisen führt.

Wachsende Bedeutung der Bio-MEGs

Hinzu kommt die wachsende Bedeutung der drei großen Biomilcherzeugergemeinschaften (Bio-MEG) Nord, Süd und Mittelgebirgsbauern. Sie bündeln die Milchmengen der Biolieferanten und schließen für ihre Mitgliedsbetriebe die Lieferverträge mit den Partnermolkereien ab. Verhandelt werden eigene Auszahlungspreise, die die wesentlich höheren Kosten der Biomilcherzeugung berücksichtigen. Dabei profitierten sie vom anhaltenden Bioboom mit jährlich steigender Nachfrage. Aber vor allem gelingt es den Biomolkereien, ihre Milch und Milchprodukte als hochwertige Marken zu etablieren, für die Verbraucherinnen und Verbraucher bereit sind, deutlich mehr zu zahlen als für konventionelle Ware.

Keine Garantie für dauerhaft hohe Preise

Trotz des seit mehreren Jahren anhaltenden Preishochs für Biomilch gibt es für die Erzeugerbetriebe keine Garantie für eine Fortsetzung der günstigen Marktlage - im Gegenteil. "Der Biomilchmarkt ist inzwischen ein eigener Markt mit vielen Chancen, aber auch mit Risiken", sagt Rüdiger Brügmann. Das größte Risiko besteht zurzeit darin, dass ein Überangebot wie im konventionellen Markt auf die Preise durchschlägt. Schließlich ist das derzeitige Preisniveau für immer mehr konventionelle Betriebe ein großer Anreiz umzustellen, nicht zuletzt, weil sie aus wirtschaftlichen Gründen dazu gezwungen sind.

Rüdiger Brügmann geht dennoch von stabilen Preisen aus, obwohl die Biobetriebe im ersten Halbjahr 2016 knapp 9 Prozent mehr Milch angeliefert haben als im gleichen Vorjahreszeitraum. Das ist zum Teil auf ein moderates Wachstum der Biobetriebe zurückzuführen. Viel entscheidender ist laut Brügmann jedoch die besondere Abhängigkeit der Ökobetriebe von der Futterqualität: "2015 haben viele Biomilchbauern überdurchschnittlich gutes Futter geerntet und damit höhere Milchleistungen erzielt. Deshalb wurde auch mehr angeliefert." Aber schon jetzt zeichne sich in diesem Jahr eine deutlich schlechtere Ernte ab und damit auch sinkende Anlieferungsmengen. Mengen- und zugleich preisbremsend wirkt zudem, dass Biobetriebe ihre Erzeugung wegen des hohen Flächenbedarfs nur in deutlich geringerem Umfang ausweiten können als ihre konventionellen Kolleginnen und Kollegen.

Kaum noch neue Lieferverträge

Auch die wachsende Zahl an Umstellerbetrieben führt nach Ansicht von Brügmann nicht automatisch zu einem Überangebot an Biomilch. Grund: Die Biomolkereien planen ihre Mengen sehr genau und achten streng darauf, nicht mehr Ware anzunehmen, als sie für ihren Jahresbedarf kalkuliert haben. Durch die Mehranlieferung in diesem Jahr sind die Kontingente bereits erfüllt. "Umstellungsinteressenten bekommen deshalb zurzeit kaum noch neue Lieferverträge. Die meisten Molkereien führen bereits längere Wartelisten", sagt Brügmann.

Allen umstellungswilligen Milchviehbetrieben rät er deshalb dringend, erst umzustellen, wenn ein Abnahmevertrag abgeschlossen wurde. Ohnehin warnt er davor, aufgrund des wirtschaftlichen Drucks überhastet umzustellen: "Eine Umstellung ist für jeden Betriebsleiter eine große Herausforderung. Außerdem ist der Biomilchmarkt nach wie vor klein und deshalb mit Sicherheit keine Lösung für die Probleme im konventionellen Bereich."

Bauernmolkereien als Alternative

Einen gewissen Anteil am Biomilchmarkt haben auch Bauernmolkereien. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss mehrerer Biobetriebe, die ihre Milch in einer eigenen Molkerei verarbeiten und unter einem eigenen Markenlabel vertreiben. Sie entstehen meist in Regionen, in denen es keine Biomolkerei gibt, die Biobetriebe aber unabhängig von konventionellen Großmolkereien mit Biosparte arbeiten wollen.

Je nach verarbeiteten Mengen können diese kleinen Molkereien jedoch meist nur zu höheren Kosten produzieren, weshalb ihre Produkte im Laden teurer sind als die der großen Molkereien. "Um die benötigten Premiumpreise zu erzielen, ist der Aufbau einer Marke mit guten Qualitäten für Bauernmolkereien besonders wichtig", sagt Rüdiger Brügmann. "Das erfordert viel Geschick bei der Öffentlichkeitsarbeit und Vermarktung und kann für die beteiligten Betriebe lukrativ sein." Gute Voraussetzungen haben laut Brügmann vor allem Bauernmolkereien, die auf regionale Vermarktung in der Nähe von Ballungszentren setzen.


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