Landwirtschaft


Gute Marktchancen für Biohofläden

Hofladen der Staatsdomäne Frankenhausen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Während viele Biohofläden sich auf wenige Produkte spezialisieren, bieten manche ein Vollsortiment an - hier der Hofladen der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen. Foto: Nina Weiler

In einer groß angelegten Marktstudie hat die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) bundesweit unter anderem die Anzahl der Hofläden mit Biosortiment und deren Umsatz erfasst. Zudem untersucht das Forschungs- und Beratungsunternehmen Ecozept mit Unterstützung des Projektbüros mareg (markt&region) die Chancen und Herausforderungen in der Direktvermarktung und hat dazu Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter schwerpunktmäßig in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Berlin sowie Marktexpertinnen und -experten befragt.

In Bayern die meisten Hofläden

Die Direktvermarktung spielt im Biobereich eine weitaus größere Rolle als in der konventionellen Landwirtschaft. So geht aus der Agrarstrukturerhebung 2016 hervor, dass dreimal so viele Biobetriebe direkt an die Endkundschaft vermarkten wie konventionelle. Ihr Anteil an allen Biobetrieben erreichte rund zehn Prozent, im konventionellen Bereich weniger als vier Prozent. Laut der AMI-Erhebung gibt es hierzulande 1.822 Biohofläden, die dem landwirtschaftlichen Betrieb zuzurechnen sind. Wer direkt vermarktet, hat häufig mehrere Vermarktungszweige aufgebaut. Neben einem Hofladen betreiben viele einen Onlineshop, verschicken Abokisten und/oder verkaufen auf dem Wochenmarkt. Daher hat die AMI in ihrer Erhebung einen Betrieb jeweils dem umsatzstärksten Vertriebskanal zugeordnet.

Regional sind die Biohofläden ungleichmäßig verteilt: Wer in Bayern lebt und Bioprodukte direkt beim Bauernhof kaufen will, wird am ehesten fündig. Denn 323 Biohofläden, nämlich gut ein Fünftel aller Biohofläden, sind dort zu finden, gefolgt von Baden-Württemberg und Niedersachen mit jeweils rund 280 Biohofläden. Doch nicht nur im ländlichen Raum können Verbraucherinnen und Verbraucher aus erster Hand Ökoprodukte einkaufen: Allein in Berlin gibt es 20 und in Hamburg neun Biohofläden.

Umsatzbringer

Nach den Berechnungen der AMI erzielte ein Hofladen 2017 im Schnitt einen bereinigten Bioumsatz von rund 183.000 Euro, ein Plus von 10.000 Euro gegenüber dem Vorjahr. Dabei fällt auf, dass die Bandbreite bei den Umsatzzahlen weit auseinanderklafft, angefangen von einem Jahresumsatz von 800 Euro bis zu 3,5 Millionen Euro. Gut die Hälfte der 187 befragten Betriebe verdienten jeweils bis zu 50.000 Euro pro Jahr.

Betrachtet man alle relevanten Produktgruppen der Hofläden und ihren Anteil am Biogesamtumsatz, so ergibt sich folgendes Bild: Gut ein Drittel entfällt auf die Produktgruppe Milch- und Molkereiprodukte, dazu zählt auch der Umsatzbringer Käse. An zweiter Stelle rangieren Obst, Gemüse und Kartoffeln mit 22 Prozent. Weitere Umsatzbringer – mit jeweils rund zehn Prozent am Biogesamtumsatz – sind Fleisch und Wurst, Trockenprodukte und Getränke. Schlusslicht mit jeweils drei Prozent Umsatzanteil sind Brot- und Backwaren und Eier. Marktexpertinnen und –experten gehen allerdings davon aus, dass die Produktgruppen Fleisch sowie Obst und Gemüse einen deutlich größeren Anteil am gesamten Bioumsatz der Hofläden ausmachen, als dies die Statistik vermuten lässt. Die Bedeutung der Molkereiprodukte wird von ihnen als eher geringer eingeschätzt.

Bei Biohofläden haben sich zwei Vertriebsstrategien herauskristallisiert: Während sich die einen auf eine Warengruppe spezialisieren, bieten die meisten ein Vollsortiment. Zwischenformen gibt es kaum. Jeweils sechs Prozent der Läden vermarkten ausschließlich Fleisch- und Wurstwaren oder aber überwiegend Obst, Gemüse und Kartoffeln.

Auf Wachstumskurs

Keine Frage: Bio und regional sind aktuell gefragt. Mit transparenten Wertschöpfungsketten, regionalen Biokäsespezialitäten oder alten Gemüsesorten – und vielem mehr – können Biohofläden punkten. Noch dazu zählen für ihren Kundenkreis Authentizität, Transparenz sowie die Geschichten, die hinter den Produkten stehen. Das ist eine große Chance für alle, die direkt vermarkten. Schließlich bergen Produkte aus eigener Erzeugung, aber auch Hof und Hofladen eine Menge Stoff für spannende Geschichten. Des Weiteren bieten Hofläden eine qualifizierte Beratung, ein schönes Ladenambiente und häufig auch Bistroangebote.

Entsprechend positiv beurteilen die meisten Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter ihre Betriebsperspektive, wie aus der Befragung von Ecozept und mareg hervorgeht. Unter den 169 Befragten betreiben rund Zweidrittel einen Hofladen. Mehr als die Hälfte von ihnen will die bestehende Direktvermarktung ausbauen, ein weiteres Drittel will diesen Betriebszweig wie gehabt fortsetzen. Nur weniger als fünf Prozent will ihren Hofladen schließen oder nur noch reduziert betreiben. Dabei fällt auf: Biolandwirtinnen und Biolandwirte blicken weitaus optimistischer in die Zukunft als ihre konventionellen Kolleginnen und Kollegen. Mehr als 70 Prozent der befragten Biodirektvermarkterinnen und Biodirektvermarkter plant einen Ausbau ihres Hofladens, bei den konventionellen Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern sind es 47 Prozent. Ähnlich positiv ist die Einschätzung der befragten Expertinnen und Experten: Sie erwarten eine unverändert hohe Verbrauchernachfrage und gute Einkommensmöglichkeiten in der Direktvermarktung. 

Doch trotz dieser positiven Prognose gilt: Wer einen Hofladen aufbauen will, sollte sich vorab gut informieren. Man ist gut beraten, vor dem Einstieg potenzielle Käufergruppen und das Marktumfeld gut zu analysieren und dabei auch vermeintliche Konkurrenten im Blick zu haben. Dank der beiden Studien der AMI und von Ecozept und mareg lässt sich der Markt nun besser einschätzen.

Die Studie der AMI heißt: Mehr Transparenz auf dem deutschen Bio-Markt – Verbesserung der jährlichen Marktschätzung unter besonderer Berücksichtigung des Lebensmitteleinzelhandels und der "sonstigen Einkaufsstätten".

Der offizielle Titel der Studie der Ecozept GbR lautet: InnoDirekt: Neue und innovative Formen der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte – Analyse und Erarbeitung von Handlungsempfehlungen.

Abschluss der Studie ist Anfang 2020. Ziel des Projektes ist es, Beratungskräften sowie direktvermarktenden Betrieben, insbesondere solchen, die vor einer wirtschaftlichen Neuausrichtung stehen, Entscheidungshilfen zu geben. Auch für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger und die Verwaltung (zum Beispiel Regionalmanagement) wird die Untersuchung Handlungsansätze geben.


Letzte Aktualisierung: 15.08.2019