Landwirtschaft


Sechs Gründe, warum der heimische (Bio-)Sojaanbau weiter zunehmen wird

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Das Anbau-Know-how für Soja ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Dadurch verbesserten sich auch die durchschnittlichen Erträge. Quelle: Jürgen Beckhoff, BÖLN

23.900 Hektar Sojabohnen wurden 2018 in Deutschland angebaut. Im Vergleich zu den Flächen von Mais oder Getreide ist diese Zahl zwar bescheiden, aber der jährliche Zuwachs verläuft seit Jahren mehr oder weniger rasant. So hat sich die Anbaufläche seit 2012 fast verfünffacht. Allein in den bedeutendsten Bundesländen für Soja, Baden-Württemberg und Bayern, sind die Flächen im letzten Jahr um zehn beziehungsweise 45 Prozent ausgeweitet worden.

Auch der ökologische Sojaanbau entwickelte sich parallel dazu sehr positiv und machte 2018 mit knapp 4.500 Hektar etwa ein Fünftel der Gesamtanbaufläche aus. Vieles deutet darauf hin, dass die Anbaubedeutung der Soja weiter zunehmen wird, sowohl im konventionellen wie auch im ökologischen Bereich. Sojaexperten wie Dr. Jürgen Recknagel, Geschäftsführender Vorsitzender des deutschen Sojaförderring e.V., sehen mittelfristig allein im Hinblick auf die natürlichen Voraussetzungen in Deutschland ein Anbaupotential von 100.000 Hektar. Schon mit den derzeit verfügbaren Sorten könnte laut Recknagel sogar auf bis zu 780.000 Hektar Soja nachhaltig angebaut werden.

Zurzeit sprechen einige Gründe dafür, dass zumindest eine Anbaufläche von 100.000 Hektar in Deutschland bis 2030 nicht utopisch ist:

1. Die Nachfrage nach heimischer Soja wächst

Soja aus Deutschland ist gefragt. Das gilt für Speise- und Futtersoja gleichermaßen. Mit einem Anteil von über 20 Prozent spielt Speisesoja im Biosegment eine wesentlich größere Rolle als im konventionellen Bereich. "Wir wachsen jährlich um fünf Prozent", bestätigt auch Martin Miersch, Leiter des Zentrums für Sojaanbau der Firma Taifun, die zu den größten deutschen Tofuherstellern gehört.

Zwar bezieht das Unternehmen auch Ware aus Österreich und dem benachbarten Elsass. Aber das Ziel bleibt, möglichst viel heimische Soja zu verarbeiten. "Auch der Lebensmitteleinzelhandel legt großen Wert auf regional erzeugte Soja", bestätigt Miersch. "Denn die deutschen Bioverbände haben starke Marken aufgebaut, die bei Verbrauchern gefragt sind."

Auch bei heimischer Biosoja als Futtermittel gehen Fachleute von einer weiter steigenden Nachfrage aus. Denn insbesondere die ökologische Geflügelhaltung ist in den letzten Jahren stark gewachsen und damit auch der Bedarf an hochwertigen Bioeiweißfuttermitteln. Zwar sind die Märkte für ökologische Speise- und Futtersoja aus heimischem Anbau laut Miersch noch klein und damit sensibel. "Aber da Speisesoja fast ausschließlich im Vertragsanbau erzeugt wird und auch bei Futtersoja Anbauverträge weit verbreitet sind, ist das Risiko für ein Überangebot mit stark fallenden Preisen gering", betont der Experte.

2. Die Wirtschaftlichkeit stimmt

Die Erzeugerpreise für Biosoja liegen seit Jahren auf konstant hohem Niveau und sind mehr als doppelt so hoch wie im konventionellen Bereich. Im Schnitt werden pro Dezitonne Speisesoja etwa 90 Euro gezahlt, für Futtersoja aus Verbandsanbau um die 80 Euro. Damit ist selbst bei mittleren Erträgen eine hohe Rentabilität sichergestellt. 

Das spiegelt sich auch in den Deckungsbeiträgen wider, wie die Auswertung der betriebswirtschaftlichen Ergebnisse von etwa 60 Biobetrieben zeigte, die zum deutschlandweiten Soja-Netzwerk gehören. Im untersuchten Zeitraum von 2014 bis 2017 erzielten die Biobetriebe in guten Erntejahren im Schnitt Deckungsbeiträge von 1.400 Euro pro Hektar. Selbst im witterungsbedingt ungünstigen Anbaujahr 2015 wurden durchschnittlich noch 950 Euro pro Hektar erreicht. Damit ist Soja im Ökobereich fast allen anderen Kulturen wie Winterweizen oder Ackerbohne überlegen.

3. Das Anbau-Know-how wächst

Die Auswertung der Ergebnisse aus dem Soja-Netzwerk lässt noch einen weiteren Schluss zu: Die Betriebsleiterinnen und -leiter, die in den letzten Jahren bei Soja eingestiegen sind, haben ihr Anbau-Know-how in relativ kurzer Zeit deutlich weiterentwickelt. Das gilt für konventionelle und Biobetriebe gleichermaßen.

Auch wenn es witterungsbedingt größere jährliche Schwankungen bei den durchschnittlichen Erträgen gab, lässt sich im untersuchten Zeitraum von vier Jahren für beide Betriebsformen ein Ertragsanstieg feststellen. 2017 kamen die konventionellen Betriebe im Schnitt auf 34 Dezitonnen pro Hektar, während die Biobetriebe um die 30 Dezitonnen pro Hektar erzielten. Diese Entwicklung führen Fachleute vor allem auf die zunehmende Kompetenz und Erfahrung beim Anbau zurück.

4. Die Züchtung springt an

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Das Angebot an frühreifen, ertragsstarken Sojasorten wird in den nächsten Jahren steigen. Quelle: Jürgen Beckhoff, BÖLN

Bisher gibt es noch keine Sojasorte, die speziell für die Klimaansprüche in Deutschland gezüchtet wurde. Insbesondere für Mittel- und Norddeutschland werden aber früh-abreifende Sorten mit hohem Ertragspotential und hohen Proteingehalten benötigt. Für internationale Zuchtunternehmen spielt eine frühe Abreife als Sorteneigenschaft jedoch eine untergeordnete Rolle. Entsprechend konzentriert sich der Sojaanbau bisher bei uns auf süddeutsche Gunstlagen in Bayern und Baden-Württemberg, wo auch mittel- und spät abreifende Sorten mit höheren Erträgen ohne größere Risiken angebaut werden können.

Aber mit steigender Anbaufläche und wachsendem Saatgutbedarf wird die Sojazüchtung für Zuchtunternehmen wirtschaftlich interessanter. Hinzu kommt, dass die Sojazüchtung auch durch staatlich geförderte Forschungsprojekte angekurbelt wird. So hat die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) 2018 ein sehr erfolgreiches Zuchtprojekt abgeschlossen, in das auch private Zuchtunternehmen eingebunden waren. Am Ende des Projektes standen mehrere früh abreifende Zuchtstämme mit höheren Erträgen und Proteingehalten als die derzeit eingesetzten Sorten. Ein Teil dieser Stämme wurde bereits zur Sortenprüfung angemeldet und wird in zwei bis drei Jahren verfügbar sein. Zudem wurde eine Arbeitsgruppe für die Sojazüchtung fest in der LfL etabliert.

2018 sind in der beschreibenden Sortenliste des Bundessortenamtes 28 Sojasorten aufgeführt, pro Jahr kamen bisher nur ein bis zwei neue dazu. Fachleute rechnen aber damit, dass die Zahl neu zugelassener Sojasorten ab 2019 deutlich zunehmen wird.

5. Es gibt immer mehr Anlagen für die Aufbereitung

Lange Zeit gab es zu wenige Anlagen für die thermische Aufbereitung von Sojabohnen, die für die Nutzung als Futtermittel unerlässlich sind. Da wenige, dezentrale Anlagen für weiter entfernte liegende Betriebe mit hohen Transportkosten verbunden waren, verzichteten viele Erzeugerinnen und Erzeuger auf den Anbau, trotz günstiger Voraussetzungen.

Doch immer mehr Futtermittelhersteller wagen aufgrund der positiven Entwicklung beim heimischen Anbau die Investition in die teuren Anlagen. Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg gibt es inzwischen ein relativ dichtes Netz an Aufbereitungsanlagen und Erfassern. Hinzu kommt eine wachsende Zahl mobiler Anlagen, mit denen Lohnunternehmen die Aufbereitung direkt auf den Betrieben vornehmen.

6. Unterstützung durch die Politik

Der verstärkte Anbau heimischer Eiweißpflanzen ist ein erklärtes politisches Ziel auf Bundes- und Landesebene. So startete 2012 die Eiweißpflanzenstrategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit dem Ziel, den Anbau heimischer Eiweißpflanzen einschließlich Soja zu stärken. Das geschieht vor allem über die Förderung der Forschung und praxisnahen Wissenstransfer rund um den Anbau, für die entsprechende Netzwerke wie das bundesweite Soja-Netzwerk mit 120 Betrieben aufgebaut wurden. Weiterer Schwerpunkt der Strategie ist die Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten, zu der auch die Aufbereitung und die weitere Verarbeitung der Soja gehört.

Auch auf Ebene der Bundesländer gibt es zahlreiche Programme, die den Anbau von Eiweißpflanzen vorantreiben sollen. So fördert das Land Bayern über das Programm "Vielfältige Fruchtfolgen" unter anderem den Anbau von Soja und anderen Eiweißpflanzen mit einer zusätzlichen Prämie. In anderen Bundesländern wie zum Beispiel in Hessen gibt es ähnliche Programme, mit denen zusätzliche Anreize für den Anbau von Soja und anderen Körnerleguminosen geschaffen werden sollen. Darüber hinaus stellen nahezu alle Bundesländer Mittel bereit, um die Forschung und Beratung rund um den Anbau von Körnerleguminosen zu unterstützen.


Letzte Aktualisierung: 17.12.2018