Ökobetriebe auf dem Pachtmarkt

Haben Ökobetriebe Nachteile auf dem Pachtmarkt?

Die Zunahme der Ökofläche in Deutschland hat sich in den letzten Jahren verlangsamt. Gleichzeitig mehren sich die Meldungen über Rückumstellungen landwirtschaftlicher Ökobetriebe auf konventionellen Landbau. Demgegenüber ist ein Anstieg der Pachtpreise für landwirtschaftliche Flächen zu verzeichnen. Sind Ökobetriebe auf dem Pachtmarkt benachteiligt? Welche Faktoren neben dem Pachtpreis sind ausschlaggebend für das Abschließen eines Pachtvertrages? Diesen Fragen wurde im Rahmen einer Studie der Universität Rostock nachgegangen. Die Forscherinnen und Forscher haben dazu in fünf verschiedenen Regionen in Deutschland 400 Ökobetriebe schriftlich befragt und Interviews mit 25 ihrer Verpächterinnen und Verpächter durchgeführt. Daraus wurden Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Wettbewerbsstellung von ökologischen Betrieben am Pachtmarkt abgeleitet.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Schwierigkeiten von Ökobetrieben auf dem Pachtmarkt in allgemeine Probleme und ökospezifische Probleme unterscheiden lassen.

Allgemeine Probleme:

  • Allgemeine Zunahme der Konkurrenz unter Pachtenden,
  • steigende Pachtpreise,
  • wenig Transparenz am Pachtmarkt.

Ökospezifische Probleme:

  • Vorbehalte bei Verpächterinnen und Verpächtern gegenüber ökologischer Bewirtschaftung,
  • ungenügende Eignung der Pachtflächen,
  • ungeeignete Pachtkonditionen (zu kurze Laufzeiten der Pachtverträge).

Die befragten Ökobetriebe konnten seit der Umstellung auf ökologischen Landbau ihre Flächen im Schnitt um mehr als 20 Prozent ausdehnen (der Durchschnitt aller Betriebe konnte im Gegensatz dazu seine Flächen um mehr als 50 Prozent ausweiten, die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe hat im gleichen Zeitraum hingegen um fast 40 Prozent abgenommen). Knapp drei Viertel der befragten Ökobetriebe hatten seit der Umstellung keine Probleme am Pachtmarkt. Ein Drittel der Landwirte berichtete hingegen von Problemen beim Abschließen neuer Pachtverträge und Pachtverlängerungen. Die Ursachen dafür: zunehmende Konkurrenz, steigende Preise und Schwierigkeiten beim Finden geeigneter Flächen und Verpächterinnen oder Verpächtern. Jedoch scheinen die negativen Erfahrungen am Pachtmarkt eher individuell zu sein und nicht spezifisch für Ökobetriebe.

Worauf achten Verpächterinnen und Verpächter?

Verpächterinnen und Verpächter orientieren sich den Ergebnissen der Studie zufolge zunächst vor allem an nicht-monetären Zielen. Dabei sind ihnen folgende Punkte wichtig:

  • Persönliche Bekanntheit der Pächterin oder des Pächters,
  • gutes Verhältnis zwischen Verpachtendem und Pachtendem,
  • Zuverlässigkeit bei der Bewirtschaftung ("Flächen sollen ordentlich bewirtschaftet werden"),
  • finanzielle Zuverlässigkeit (regelmäßiger Eingang der Pacht),
  • "Langfristiger Werterhalt der Flächen ist wichtiger als kurzfristige Rendite".

Wie können Pächter ihre Wettbewerbsstellung verbessern?

  • Verbesserung der persönlichen Bekanntheit zum Beispiel durch den Besuch lokaler Veranstaltungen, um potenzielle Verpächterinnen oder Verpächter kennenzulernen und Vertrauen herzustellen,
  • Verpächterinnen und Verpächter gezielt auf sich aufmerksam machen. Betriebsindividuelles Profil, mit dem für neue Flächen geworben werden kann, entwickeln (Hierbei neben der ökologischen Bewirtschaftung auch mit weiteren Leistungen/Nutzen werben),
  • Aufbau einer guten persönlichen Beziehung zu bestehenden Verpächterinnen und Verpächtern,
  • Finanzielle Zuverlässigkeit gewährleisten,
  • wenn in der Vergangenheit Probleme mit Verpächterinnen oder Verpächtern aufgetreten sind (auch wenn sie keine sachliche Basis haben), sollte das Gespräch mit dem Verpächter gesucht werden, um wieder eine solide Vertrauensbasis herzustellen.

Kontakt:

Universität Rostock
Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät
Justus-von-Liebig-Weg 6, 18059 Rostock
Prof. Dr. Hans Kögl
Telefon: +49 381 498-3001
Fax: +49 381 498-3002
E-Mail: hans.koegl@uni-rostock.de

Internet: www.uni-rostock.de

Letzte Aktualisierung 02.07.2015

Betriebsentwicklung für mehr Tierwohl

Cover Broschüre Nachhaltige Landwirtschaft

Nachhaltige Landwirtschaft

Zur Broschüre (PDF-Dokument)

Digitale Beratungstools

Mann steht mit Tablet in der Hand vor Kühen

Überblick der digitalen Tools für die Öko-Beratung.

Zur Liste

Nach oben
Nach oben