Pachten oder nicht pachten?

Pachten oder nicht pachten?

Dass die Pachtpreise in vielen Regionen stark gestiegen sind, ist eine oft beklagte Tatsache. Gerade Biobetriebe kann das empfindlich am Wachstum hindern.

Grenzpachtpreis errechnen

Vor allen weiteren Überlegungen über eine eventuelle Zupacht steht die Berechnung des Grenzpachtpreises. Der Grenzpachtpreis gibt an, bis zu welchem Pachtpreis die neue Fläche einen positiven Beitrag zum Betriebsergebnis bringt.

Um den Grenzpachtpreis zu ermitteln, berechnen Sie zunächst den durchschnittlichen Deckungsbeitrag Ihrer Flächen - nach der geplanten Erweiterung. Dies geschieht auf Grundlage der betriebseigenen Fruchtfolge. Wichtig dabei: Auch Grünland und Futterflächen haben einen Deckungsbeitrag, neben den darauf liegenden Prämien müssen Sie auch die Futterlieferung an die Tierhaltung bewerten. Achtung: Berücksichtigen Sie dabei auch die Umstellungszeiträume der neuen Flächen!

Für die neuen Flächen sind nun noch die Pachtnebenkosten zu berücksichtigen. Dazu gehören Grundsteuer, flächengebundene Umlagen und Beiträge. Zieht man die Pachtnebenkosten und die nicht variablen Lohnkosten (bzw. Lohnkostenansatz) vom durchschnittlichen Deckungsbeitrag ab, erhält man den Grenzpachtpreis. Hierbei sind die Prämien (Betriebsprämie, Ökoprämie, Naturschutzleistungen etc.) für die neuen Flächen noch nicht berücksichtigt. Wenn Sie diese zum Grenzpachtpreis addieren, erhalten Sie den Grenzpachtpreis mit Prämien. Er gibt die Pachthöhe an, ab der die neue Fläche keinen positiven Beitrag mehr zum Betriebseinkommen liefert. Der Pachtpreis muss also unter dem Grenzpachtpreis liegen, damit sich die Zupacht lohnt.

Die bisherigen Überlegungen beziehen sich auf eine Zupacht im geringen Umfang. Sollen größere Flächen zugepachtet werden, muss man die Auswirkungen auf die Allgemeinkosten beachten. Muss für die neue Fläche Technik gekauft oder müssen neue Mitarbeiter eingestellt werden? Dadurch verändern sich Abschreibungen, Zinsen und Personalaufwendungen.

Grenzpachtpreis errechnen

Durchschnittlicher Deckungsbeitrag inkl. Lohnkosten (Lohnansatz)
- Pachtnebenkosten (Berufsgenossenschaft, flächenabhängige Gemeinkosten)
- nicht variable Lohnkosten (Lohnansatz)
(- zusätzliche Festkosten bei großer Zupacht oder Flächenverlust)

= Grenzpachtpreis ohne Prämien
+ Prämien

= Grenzpachtpreis inklusive Prämien

Auswirkung auf Prämien beachten

Dieselben Berechnungen muss man anstellen, wenn der Verpächter den Preis von im Betrieb bereits vorhandenen Flächen anhebt. Auch hier gibt der Grenzpachtpreis an, ob es sich lohnt, die Flächen zu behalten. Ob Neupacht oder drohender Flächenverlust: Prüfen Sie, wie sich die Veränderung auf die Betriebs- und Ökoprämie auswirkt! Pachtbeginn und Pachtlaufzeiten spielen hier eine wichtige Rolle. Stehen dem Betrieb ausreichend Zahlungsansprüche für die neue Fläche zur Verfügung? Wie lange läuft der Verpflichtungszeitraum für die Ökoprämie noch? Bei einem Flächenverlust besteht die Gefahr, Ökoprämien zurückzahlen zu müssen.

Wer überlegt, seine Flächen zu erweitern oder Flächen abzugeben, muss vieles im Blick haben. Dazu gehören nicht nur Rentabilität und Liquidität. Auch die Lage der neuen Flächen spielt eine wichtige Rolle. Weitere Fragen müssen beantwortet werden: Ist die Futtergrundlage des Betriebs gesichert? Kann sich der Landwirt bzw. die Landwirtin durch Pacht eine Kaufoption offen halten? Um das Errechnen des Grenzpachtpreises kommt man in jedem Fall im ersten Schritt nicht herum.


Autoren

Harald Rasch und Dirk Werner, Bioland Beratung

Letzte Aktualisierung 02.07.2015

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