Landwirtschaft


Flüchtlinge als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft

Mitarbeiter Getreideernte, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Eine feste Tätigkeit in der Landwirtschaft erleichtert Flüchtlingen die Integration.

Knapp die Hälfte aller Flüchtlinge in Deutschland sind zwischen 18 und 40 Jahre alt (Stand: März 2019). Zudem ist der überwiegende Teil der zu uns geflüchteten Menschen hochmotiviert zu arbeiten und zu lernen. Da viele ökologische Betriebe einen großen Bedarf an Arbeitskräften haben, liegt es nahe, Flüchtlinge als Arbeitskräfte anzuwerben. Damit wird auch einen Beitrag zur schnelleren Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen geleistet.

Wer darf arbeiten?

Wer Flüchtlinge in seinen Betrieb einstellen will, sollte sich als erstes über den rechtlichen Status der einzelnen Personen informieren. Denn der Status entscheidet darüber, ob jemand in Deutschland arbeiten darf oder nicht. Eine uneingeschränkte Arbeitserlaubnis haben anerkannte Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis. Ein Betrieb kann diese problemlos einstellen und muss keine Besonderheiten beachten. Das gilt auch für eine betriebliche Ausbildung oder ein Praktikum.

Deutlich schwieriger ist es dagegen bei Asylbewerbern mit Aufenthaltsgestattung, deren Asylverfahren noch läuft und bei Personen mit Duldung, die nicht abgeschoben werden können, obwohl ihr Asylantrag abgelehnt wurde. Flüchtlinge mit diesem Status dürfen in den ersten drei Monaten nach ihrer Ankunft nicht arbeiten. Erst danach ist eine Anstellung für zunächst zwölf Monate möglich.

Aufwändige Vorrangprüfung

Saisonarbeitskräfte auf Feld, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Auch Flüchtlinge erhalten als Saisonarbeitskräfte den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn.

Allerdings muss man als Betriebsleiterin oder Betriebsleiter für jeden nicht anerkannten Flüchtling per Formular eine Arbeitserlaubnis bei der Ausländerbehörde beantragen. Parallel führt die Bundesagentur für Arbeit bei allen Anträgen eine sogenannte Vorrangprüfung durch. Dabei wird geprüft, ob Arbeitssuchende aus Deutschland oder dem EU-Raum die ausgeschriebene Stelle besetzen möchten. Denn grundsätzlich haben Deutsche und EU-Bürgerinnen und -Bürger Vorrang bei der Besetzung freier Stellen. Das macht den Antrag auf eine Arbeitserlaubnis sehr zeit- und arbeitsaufwändig. Zudem wird die gewünschte Arbeitserlaubnis nur selten erteilt.

Einfacher ist es für einen Betrieb, wenn asylsuchende beziehungsweise geduldete Menschen bereits 15 Monate ununterbrochen in Deutschland leben. Denn hier entfällt die Vorrangprüfung. Eine Arbeitserlaubnis von der Ausländerbehörde ist jedoch auch in diesem Fall Voraussetzung für eine Anstellung. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Behörde einen Asylantrag jederzeit ablehnen und den betroffenen Flüchtling abschieben kann, auch wenn bereits eine Arbeitserlaubnis erteilt worden ist.

Ausbildung und Praktika

Deutlich einfacher ist dagegen die Beschäftigung asylsuchender und geduldeter Flüchtlinge für eine Ausbildung oder ein Praktikum. Zwar gilt auch hier eine Wartezeit von drei Monaten, aber die Vorrangprüfung entfällt. Ein Praktikum muss lediglich vom Flüchtling bei der Ausländerbehörde angezeigt werden. Für eine betriebliche Ausbildung ist nur eine Erlaubnis durch die Ausländerbehörde erforderlich, die in der Regel erteilt wird.

Die Erlaubnis für eine Ausbildung erhält ein Flüchtling zunächst für ein Jahr. Dauert die Ausbildung länger und ist in einem angemessenen Zeitraum mit einem Abschluss zu rechnen, ist die Ausländerbehörde angehalten, die Duldung um ein weiteres Jahr zu verlängern. Voraussetzung für eine Ausbildung ist, dass sie vor Vollendung des 21. Lebensjahres begonnen wurde.

Was gilt beim Lohn?

Grundsätzlich gilt auch für fest angestellte Flüchtlinge in der Landwirtschaft der bundesweite Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde. Als Saisonarbeitskraft steht ihnen wie anderen Arbeitskräften ab dem 1. Januar 2019 ebenfalls der Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde zu. Auch für eine Ausbildung oder ein Praktikum gelten für Flüchtlinge die gleichen Tarife wie für Deutsche und EU-Bürgerinnen und -Bürger. Das heißt, bei einer Ausbildung richtet sich die Bezahlung nach dem Bundesausbildungsgesetz, während für ein Praktikum unter drei Monaten kein Mindestlohn gezahlt werden muss.

Wo findet man geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?


Letzte Aktualisierung: 13.01.2016