Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


biolare - Ökologischer Pilzanbau

Begründung der Jury

Die Firma Biolare bietet auf dem Gelände eines ehemaligen Braunkohlekraftwerkes im Landkreis Leipziger Land seit Herbst diesen Jahres als erster Betrieb in Europa Champignons an, die vollständig den AGÖL-Verordnungen entsprechen. Im konventionellem Champignonanbau werden vorwiegend Stroh und Pferde- bzw. Hühnermist als Ausgangsmaterialien eingesetzt. Der Einsatz dieser Substrate hat jedoch einige Nachteile wie Geruchsbelästigungen und Belastungen durch Emissionen. Aus Konsumentensicht wird befürchtet, daß über die Kette Futter-Huhn-Mist-Champignonsubstrat- die Champignons mit Schadstoffen belastet sein können. Nach der EU-Verordnung 2092/91 und deren Ergänzung 1900/98 wird bisher von der Unverzichtbarkeit der Rohstoffe Pferde- und Hühnermist ausgegangen. Da der Mist von Ökobetrieben nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht, dürfen diese Substrate auch aus konventionellen Betrieben stammen! Diese Richtlinie entspricht jedoch nicht dem Grundgedanken des ökologischen Landbaues, der einen geschlossenen Stoffkreislauf vorsieht.

Dank der Praxis des anerkannten Biobetriebes der Familie Dörwaldt (Mitglied von Gäa) ist es erstmals gelungen, Öko-Champignonsubstrat aus Rohstoffen herzustellen, die zu 100 Prozent aus anerkannten Ökobetrieben stammen. Diese Erkenntnisse bieten die Grundlage, die genannten EU-Vorschriften entscheidend weiterzuentwickeln. Biolare verzichtet in allen Bereichen der Champignonproduktion von der Substratherstellung (ohne Pferde- und Hühnermist) bis zur Ernte der Champignonproduktion auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Desinfektionsmittel.

In konventionellen Pilzbetrieben ist der Einsatz von Fungiziden zur Bekämpfung von Schadpilzen und von Insekten wie der Champignonmücke die Regel. Oberstes Prinzip von Biolare ist es, durch absolute Sauberkeit im Betrieb Infektionen zu verhindern. Die Frischluftzufuhr erfolgt über Sporenfilter, die Raumtemperatur ist niedriger als in anderen Betrieben, die Desinfektion der Räume erfolgt über Ausdämpfen mit heißem Wasserdampf. Durch den Verzicht des Einsatzes von Mist in der Substratproduktion ist es gelungen, Ammoniakemissionenauf ein Minimum zu reduzieren.

Das von Herrn Dörwaldt entwickelte Konzept ist beispielhaft und kann dazu beitragen, Champignonsubstrat EU-weit ausschließlich auf Substrat aus Ökolandbaubetrieben zu erzeugen. Besonderns zu erwähnen ist auch die Schaffung von 20 neuen Arbeitsplätzen in einer besonders strukturschwachen Region.

Letzte Aktualisierung: 17.01.2001