Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Demeter-Imkerei Günter Friedmann

Begründung der Jury

Die Demeter-Imkerei Friedmann in Steinheim-Küpfendorf hat sich im Bereich 2 "Artgerechte Tierhaltung, Tierzucht" beworben. Seit 1995 produziert die in der Schwäbischen Alb gelegene Vollerwerbs-Imkerei Honig nach Demeter-Richtlinien und vermarktet direkt auf Märkten, Hoffesten, im Versand sowie über Naturkost- und Hofläden. Circa 400 Bienenvölker wer­den vom Betriebsleiter Günter Friedmann, einem Auszubildenden und einer Aushilfskraft betreut. Außerdem werden Met und andere Bienenprodukte (unter anderem Wachs, Blütenpollen) pro­duziert und veredelt.

Herr Friedmann engagiert sich für die Akzeptanz von staatenbildenden Insekten in der Agrarlandschaft. Vor dem Hintergrund des Rückgangs der Erwerbsimkerei und dem zuneh­menden Verlust an Artenvielfalt im ländlichen Raum bekommt sein Engagement für die Erhaltung von Hornissen und Wespen eine besondere Bedeutung, auf die die Jury durch die Auszeichnung Aufmerksam machen möchte. So wird Herr Friedmann in der Region zum Beispiel gerufen, wenn sich Hornissen- oder Wespenschwärme auf Privatgrundstücken niedergelassen haben. Die Bürger werden von ihm aufgesucht und über die vermeintliche Gefährlichkeit der Insekten aufgeklärt. Die Schwärme werden entfernt und an anderer Stelle wieder ange­siedelt. Mit ihren Bienenvölkern trägt die Imkerei dazu bei, dass die Befruchtung wildlebener Pflanzen sowie von Nutzpflanzen als Voraussetzung für einen ausreichenden Fruchtansatz gefördert wird. Die Bienen tragen auch zur Erhaltung der Biodiversität und dadurch der genetischen Ressourcen bei.

Die Imkerei wird auch für eine besonders tiergerechte Haltung sowie die Pflege und Zucht von zur Zeit 400 Bienenvölkern ausgezeichnet. Darunter versteht Herr Friedmann, den Bie­nen arteigenes Verhalten in einem Maße zu ermöglichen, das weit über das in der ökologi­schen Imkerei übliche Maß hinaus geht. So vermehren sich die Königinnen im Stock ohne Eingriff des Imkers. Die Vermehrung erfolgt im Schwarmprozess. Die Bienen können jedes Jahr ein eigenes neues Wabensystem aufbauen. Blütenpollen wird bei den Völkern nur zeit­weise gewonnen, so dass jedes Volk Gelegenheit hat, Pollen in die Beute einzutragen.

In Mitteleuropa kann im Winter auf die Zufütterung von Zucker generell nicht verzichtet wer­den. Dafür wird Zucker aus dem ökologischen Landbau und ein Anteil von zehn Prozent Demeter-Honig mit Zusatz von Salz und Kamillentee verwendet. Der Einsatz von Antibiotika ist nicht erlaubt. Der Bienenschädling "Varroa", eine Milbenart, wird auf eine umweltschonende Art mit Ameisen- oder Oxalsäure bekämpft. Der Honig wird unmittelbar nach dem Schleudern ohne Erwärmung über die im Bienenstock übliche Temperatur hinaus in die Gebinde abgefüllt. Durch diese schonende Abfüllmethode bleiben natürliche und ernährungsphysiologisch wertvolle Fermente im Honig erhalten.

Die Jury schlägt die Imkerei Friedmann Preisträger vor, weil sich der Betriebsleiter in hohem Maße für eine Wiederbelebung der Imkereistandorte in Deutschland engagiert. Außer­dem können durch die hier praktizierte Wirtschaftsweise neue Perspektiven für die Imkerei aufgezeigt werden. Hervorzuheben ist auch die von Herrn Friedmann geleistete Aufklä­rungsarbeit in Form von Vorträgen, Beratung und Veröffentlichungen. Auch die Naturschutz­aspekte sind hervorzuheben, da sich Herr Friedmann stark für den Erhalt und die Akzeptanz zum Beispiel von Hornissen in der Region einsetzt. Die hier praktizierte tiergerechte Bienenhaltung und Bienenpflege sind sehr gut auf andere Berufsimkereien und Hobbyimkereien übertrag­bar.

Letzte Aktualisierung: 17.01.2003