Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Weingut Rummel

Ehepaar Rummel, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Klaus und Susanne Rumme, Foto: Weingut Rummel

Begründung der Jury

Das Weingut Rummel hat sich im Bereich Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung beworben. Die Jury schlägt das Weingut Rummel als 1. Preisträger vor, da es seit 1987 in vorbildlicher Weise pilzwiderstandsfähige Weinsorten (Piwi) anbaut.

Inzwischen sind über 40 Prozent der Betriebsfläche (von insgesamt zwölf Hektar) mit solchen Rebsorten bebaut. Seit zehn Jahren werden für alle Neuanlagen nur noch Piwi-Sorten ausgewählt. Damit ist das Weingut Rummel Vorreiter, da kaum ein anderer Weinbaubetrieb den Anbau von Piwi-Sorten ähnlich forciert.

Weinberge mit Begrünung, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Foto: Weingut Rummel

Im ökologischen Weinbau werden zwar diverse Pflanzenstärkungsmittel eingesetzt, die jedoch in feuchten Jahren und auf weniger günstigen Standorten keine ausreichende Wirkung gegen Echten und Falschen Mehltau besitzen. Trotz intensiver Forschungsanstrengungen gibt es bislang leider keine Pflanzenschutz-Alternative zur Anwendung von Kupfer, das daher im ökologischen Landbau zur Pilzbekämpfung zugelassen ist und in Absprache mit der Kontrollstelle angewendet werden darf. Nach den Regeln des Öko-Winzerverbandes Ecovin ist der Einsatz von Kupferspritzmitteln auf höchstens drei Kilogramm Reinkupfer pro Hektar und Jahr begrenzt.

In diesem Zusammenhang ist die Züchtungsarbeit von pilzwiderstandsfähigen Rebsorten durch das Weingut Rummel besonders zu würdigen, da dies derzeit nahezu der einzige Weg ist, in Deutschland ökologisch Wein ohne Kupferanwendungen anzubauen. Der Betrieb Rummel ist aufgrund der konsequenten Anpflanzung von - dem Verbraucher in der Regel unbekannten - Piwi-Sorten und der intensiven und erfolgreichen Vermarktung der daraus gekelterten Weine ein Beispiel für andere Öko-Winzer.

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"Neue Reben braucht das Land" - das Motto des Weingutes Rummel, Foto: Weingut Rummel

Die mit Piwi-Sorten gemachten Erfahrungen bringen den gesamten ökologischen Weinbau voran. Bis vor einigen Jahren gab es nur eine Piwi-Rebsorte in Deutschland (die Rotwein-Neuzüchtung Regent), das Weingut Rummel baut inzwischen mehrere neue Piwi-Sorten an.

Viele Winzer werden von der Umstellung auf ökologischen Weinbau abgehalten, da es bisher keine Alternative zu den Kupferspritzmitteln und dem ebenfalls im ökologischen Weinbau zugelassenen Netzschwefel gab und damit bei der Umstellung auf Ökologischen Weinbau ein hohes Ertrags- und Einkommensrisiko besteht. Das Weingut Rummel beweist mit seiner Bewirtschaftung, dass ökologischer Weinbau auch ohne Kupferspritzmittel erfolgreich sein kann. Die umweltschonende Ausbringtechnik (Recyclingspritze), vor allem die Vermeidung des Einsatzes von Traktoren mit Spritzgeräten und die damit verbundene Bodenverdichtung, die Förderung der Biodiversität und der Bodenfruchtbarkeit im Weinberg durch eine geeignete Bodenbedeckung (Ölsaaten und anderes) bezeugen das große ökologische Engagement der Familie Rummel.

Auch in der Vermarktung leistet das Weingut Rummel Pionierarbeit. Denn der Wein aus teilweise noch nicht vom Sortenamt zugelassenen und als Versuchsanbau kultivierten Rebsorten, wird vollständig durch eigene Direktvermarktung verkauft. Das Weingut Rummel hat sich darauf spezialisiert, Verbrauchern zu vermitteln, dass es mehr auf den Geschmack als auf den Namen der Rebsorten ankommt. Hier wird Verbraucheraufklärung direkt sowohl mit dem Weinbau als auch mit dem Weinausbau in Verbindung gebracht.

Weinflasche, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Foto: Weingut Rummel

Familie Rummel variiert attraktive Geschmacksmuster verschiedener Rebsorten in der Kellerwirtschaft, die unter den regionalen Klimabedingungen reifen können und etabliert diese so bei ihren Weinkunden, so dass ein erfolgreicher Absatz ihrer Weine sichergestellt ist. Dies belegen auch die bundesweiten Verkostungen von Ecovin, in denen die Rummel-Weine in den letzten drei Jahren immer erste oder zweite Plätze belegten.

Das Weingut Rummel hat in den letzten 17 Jahren eine erfolgreiche Direktvermarktung aufgebaut und besitzt eine funktionierende Marketing- und Werbestrategie. Es wurde deutlich, dass die Kunden Vertrauen in das Konzept und die Weine der Familie Rummel haben. Dies zeigt sich daran, dass auch die neuen Weine, die meist noch aus Rebsorten ohne Namen gekeltert sind, sondern nur mit Züchtungsstammnummern (zum Beispiel "17er"), erfolgreich vom Weingut Rummel vermarkt werden.

Die gut konzeptionierte Öffentlichkeitsarbeit stellt die Philosophie des Weingutes in den Mittelpunkt "ohne missionieren zu wollen". Das durchdachte, konsequente Konzept hebt sich deutlich von Vermarktungskonzepten anderer ökologischer Weinbaubetriebe ab.

Herr und Frau Rummel sind engagiert in der Verbreitung der Ergebnisse und wurden als Referenten zum ersten Symposium für den ökologischen Weinbau 2004 vom Verband Ecovin und vom Deutschen Weinbauverband eingeladen. Der Betrieb arbeitet seit Jahren mit der Lehr- und Forschungsanstalt Neustadt an der Weinstraße eng und konstruktiv zusammen. In der Züchtung von Piwi-Sorten arbeitet das Weingut mit der Schweizer Rebschule Freytag (Valentin Blattner) zusammen.

Letzte Aktualisierung: 17.01.2005