Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Gut Wulfsdorf

Begründung der Jury

Das Gut Wulfsdorf hat sich im Bereich "Gesamtbetriebliche Konzeption" beworben. Die Jury schlägt das Gut Wulfsdorf als dritten Preisträger vor, weil das Hofgut zeigt, wie die Umstellung größerer Höfe auf ökologischen Landbau wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Dabei setzt das Gut Wulfsdorf nicht nur auf die Belieferung des Großhandels oder großer Verarbeiter, sondern auf möglichst kurze und direkte Vermarktungswege. Am Beispiel der Entwicklung des Gutes Wulfsdorf lässt sich verfolgen, dass Wirtschaftlichkeit und ideelle Ziele nicht im Widerspruch stehen.

Das Gut Wulfsdorf ist als landwirtschaftlicher Betrieb Impulsgeber für Unternehmensgründungen, Kulturveranstaltungen, Umwelt- und Naturschutzaktivitäten, die Gründung eines ökosozialen Dorfprojektes sowie einer ökologischen Saatgutzüchtungsstation.



Das Gut Wulfsdorf liegt am Stadtrand von Hamburg in Schleswig-Holstein und gehört der Hansestadt Hamburg. Sie hat das Gut 1926 erworben und auf der 350 Hektar umfassenden Fläche Landwirtschaft betrieben. Aus dem abgewirtschafteten Staatsbetrieb mit wenig Eigenkapital wurde in 17 Jahren ein erfolgreiches Hofgut geschaffen. Ziel der Entwicklung war ein vielseitiges und wirtschaftlich erfolgreiches Hofgut, das für den Ausbau und die Entwicklung das notwendige Kapital im Wesentlichen selbst erwirtschaftet.

Mit viel Eigenleistung wurden drei baufällige Ställe abgerissen, der Kuhstall zum Laufstall umgebaut, der Tiefstall modernisiert, zwei Wohnungen ausgebaut und ein großer neuer Hofladen gebaut, eine Gemeinschaftsküche eingerichtet, ein Stallgebäude zur Bäckerei umgebaut, eine Metzgerei und ein Hofladencafe eingerichtet, eine Halle für den Marktbetrieb erstellt, eine neue Maschinenhalle mit einem Holzhackschnitzelheizwerk für eine CO2-neutrale Energieversorgung gebaut, drei Gewächshäuser errichtet und das Hofgelände neu gestaltet. Auf dem Hof und den zugehörigen Kooperationsbetrieben wurden rund 60 regionale Arbeitsplätze geschaffen.

Durch die besondere Lage des Gutes am Stadtrand Hamburg bot es sich an, einen Ort der Begegnung zwischen Stadt und Land zu schaffen. Der Hof unterhält einen gut frequentierten Hofladen mit etwa 1.400 Kunden in der Woche. Bis auf Sonntags ist der Hof an allen Tagen für Besucher geöffnet, auch solche, die keine Hofladenkunden sind, kommen um Hofatmosphäre zu erleben. Das im Hofladen eingerichtete Cafe mit Außenterrasse lädt zum Verweilen ein, auch bei der Hofgestaltung wurde viel dafür getan, dass die Besucher sich wohl fühlen.

Das Hofgut Wulfsdorf hat es verstanden die Standortfaktoren für Direktvermarktung sehr gut zu nutzen und neue Wege im Vermarktungsbereich über betriebliche Kooperationen und Vernetzung mit anderen benachbarten Institutionen zu schaffen. Hierbei stand die Förderung und Begleitung bei der Existenzgründung von eigenständigen Unternehmen (unter anderem Hofbäckerei, Hofmetzgerei, Abokistenservice) im Mittelpunkt.

1997 wurde der Initiativkreis Gut Wulfsdorf e.V. gegründet, in dem zwei Plätze für das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) geschaffen wurden und halbtags ein Diplom-Biologe beschäftigt wird. Der Initiativkreis widmet sich der Umweltpädagogik und führt jährlich über 2000 Besucher über das Gut. Im Mittelpunkt steht dabei die Förderung des Stadt-Land-Verhältnisses über Umweltarbeit, Kinder- und Jugendarbeit und Veranstaltungen sowie die Möglichkeit der Umweltorientierung für Schulabgänger(innen). Die Öffnung des Landwirtschaftsbetriebs und des Naturschutzraumes für die Öffentlichkeit hat eine Aktivierung des Ortes und der Region im Sinne der Lokalen Agenda ausgelöst. Dabei wurden durch Zusammenarbeit mit den Verein Jordsand, dem Dorfprojekt Allmende e.V. und dem Museumsdorf "de Spieker" Synergieeffekte zur Erhöhung der Attraktivität des Hofgutes Wulfsdorf hergestellt.

Das Hofgut betreibt eine vielseitige Viehhaltung. Es gibt 53 Milchkühe, 30 Mutterkühe und sowie die gesamte Nachzucht. Es werden 300 Mastschweine im Jahr erzeugt. Eine kleine Schafherde, 160 Gänse und Hühner, Pferde und Kaninchen runden den Viehbestand ab. Auf dem Ackerland werden 75 Hektar Speisegetreide, 37 Hektar Futtergetreide, Futtererbsen, Ackerbohnen, Lupinen, Silomais zehn Hektar Kartoffeln und 64 Hektar Kleegras. Im Ackerbau und in der Viehwirtschaft sind vier Landwirte und vier Auszubildende beschäftigt. Gemüse wird auf einer Fläche von zehn Hektar angebaut. Dazu kommen Foliengewächshäuser mit 2000 m2 Anbaufläche. Es werden ca. 50 verschiedene Gemüsearten angebaut, sowohl Feingemüse, als auch Lagergemüse. Das Lagergemüse wird im Winter kontinuierlich abverkauft. Im Gemüseanbau sind vier Gärtner beschäftigt, die im Sommer durch Saisonkräfte unterstützt werden. Durch Kooperation mit dem benachbarten Dorfprojektes Allmende Wulfsdorf e.V wurde die Einrichtung einer ökologischen Saatgutzüchtungsstation mit guter Ausstattung ermöglicht, in dem Züchtungs- und Qualitätsforschung auf biologisch-dynamischer Grundlage durchgeführt wird.

Direkte Naturschutzmaßnahmen wurden durch Anlage von Biotopen und Hecken vorgenommen. Das Hofgut pflegt derzeit rund 73 Hektar Naturschutzflächen, eines naturräumlich schönen Standortes der Landschaftspflege. Die ökologische Nachhaltigkeit ergibt sich aus der vielseitigen Landwirtschaft und wird von den Aktiven des benachbarten Vogelschutzvereines "Jordsand", immer wieder hervorgehoben, denn die Vogelwelt hat in Bezug auf Art und Anzahl eine sehr positive Entwicklung genommen.

Letzte Aktualisierung: 18.01.2007