Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Kurgestüt Hoher Odenwald

Hans und Jette Zollmann, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster

Begründung der Jury

Das Kurgestüt Hoher Odenwald hat sich im Bereich Gesamtbetriebliche Konzeption beworben. Die Jury schlägt das Kurgestüt Hoher Odenwald als zweiten Preisträger vor, weil der Betrieb in vorbildlicher Weise Pionierarbeit für die Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung von Bio-Stutenmilch leistet. Das 1959 gegründete Kurgestüt ist der erste und größte Stutenmilchbetrieb in Deutschland. Die innovative und vorbildliche Leistung des Familienbetriebes liegt in der speziellen Ausrichtung auf Bio-Stutenmilch und deren Produkte. Mit 150 Milchstuten und 440 Hektar biologisch-dynamischer landwirtschaftlicher Fläche verbindet das Kurgestüt artgerechte Tierhaltung mit der Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung von Bio-Stutenmilch und daraus hergestellten Produkten.



Stuten im Melkstand, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Foto: Zollmann

Das Kurgestüt ist Pionier, da es maßgeblich am kontinuierlichen Aufbau und der Entwicklung des Stutenmilchmarktes beteiligt ist. Stutenmilch war in den sechziger Jahren ein neues Produkt und es musste erst schrittweise ein Markt aufgebaut werden. Hierzu unterstützte das Kurgestüt wissenschaftliche Arbeiten über Stutenmilch. Im Zeitraum von 1970 bis 2004 wurden insgesamt drei Doktorarbeiten, eine Stillarbeit sowie einige Diplomarbeiten und weitere Studien durch das Kurgestüt ermöglicht, die heute als Standardwerke gelten.

Im Gestüt werden täglich etwa 200 Liter Stutenmilch gemolken. Das Produktsortiment des Kurgestüts besteht aus tiefgefrorener Stutenmilch, gefriergetrockneter Stutenmilch, vergorener Stutenmilch und gefriergetrockneter vergorener Stutenmilch sowie einer unter Verwendung von Stutenmilch hergestellten Kosmetikserie. Stutenmilch wird speziell in der menschlichen Ernährung, vor allem in der Säuglingsernährung und als Aufbaunahrung bei älteren Personen eingesetzt.

Hofladen des Kurgestüt Hoher Odenwald in Waldbrunn-Mülben, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Foto: Zollmann

Die Stutenmilch wird nach dem Melken sofort verarbeitet. Auf unnötige Standzeiten und Zwischenkühlung wird verzichtet, damit sich keine "Kühltankflora" entwickeln kann. Die Stutenmilch wird durch Schockgefrierung, Gefriertrocknung oder Vergärung haltbar gemacht. Eine Wärmerückgewinnung bei den Gefriertrocknungsanlagen spart Energiekosten. Die Wärme wird für die Beheizung der Milchverarbeitungsräume genutzt.

Stutenmilch wird in der Regel nur in kleinen Mengen getrunken. Kunden können daher kaum täglich frische Milch abholen. Die Stutenmilch wurde daher zunächst als tiefgefrorene Stutenvorzugsmilch auf den Markt gebracht. Durch Schockgefrieren entsteht jedoch eine stabilere Gefrierform, welche die Haltbarkeit der Bio-Stutenmilch deutlich verlängert. Zur Pulverisierung von Stutenmilch hat sich das Gefriertrocknungsverfahren als besonders geeignet herausgestellt.

Pferdeherde auf der Weide, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Foto: Zollmann

Das Gestüt leistete auch in der Festlegung von Hygienestandards für die Stutenmilchgewinnung und -Verarbeitung Pionierarbeit. Um die Stutenmilch zu vermarkten musste ihre Verkehrsfähigkeit als Lebensmittel nachgewiesen werden. Das tierärztliche Institut der Universität Gießen hat für das Kurgestüt ein kontinuierliches Kontrollprogramm entwickelt. Stutenmilch, die tiefgefroren oder als Pulver in den Versand kommt, verlässt das Gestüt nur, wenn entsprechende Kontrollergebnisse vorliegen. Das Kontrollprogramm wird immer wieder ergänzt und auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand gehalten.

Die Nachhaltigkeit des Konzeptes zeigt sich auch darin, dass bereits die dritte Generation in diesem Betriebszweig aktiv mitarbeitet. Zusätzlich unterstützt ein fachlich versiertes Team aus Lebensmitteltechnologen, Agrarwissenschaftlern sowie Informatikern den Familienbetrieb. Das Kurgestüt hat vier fest angestellte Arbeitskräfte, eine fest angestellte Familienarbeitskraft und vier Teilzeit angestellte Arbeitskräfte.

Pferdeherde auf der Weide, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Foto: Zollmann

Im Melkbetrieb stehen ständig zwischen 40 und 60 Pferde zum Melken. Dabei werden die Stuten von ihren Fohlen getrennt und im Abstand von jeweils drei Stunden drei mal in einem separaten Melkstand gemolken. Etwa ein Drittel der täglichen Milchmenge wird maschinell abgemolken, der Hauptteil steht den Fohlen zur Verfügung. Nach dem letzten Melken werden die Stuten wieder mit ihren Fohlen zusammen gelassen. Das Fohlen ist nicht nur für den kontinuierlichen Milchfluss der Stute unabdinglich, es sorgt auch für die notwendige Euterpflege, das natürliche Ausmelken des Stuteneuters. Auf diese Art und Weise wird das Entstehen von Euterkrankheiten und Entzündungen auf natürliche Weise verhindert.

Eine besondere Leistung stellt die Einführung und Entwicklung eines Verfahrens zur Herstellung der vergorenen Stutenmilch - auch "Kumys" genannt - im Jahr 1975 dar. Nach langen Bemühungen über Institute und Hefebänke in Deutschland dieses klassische Stutenmilchprodukt herzustellen, konnte das Kurgestüt schließlich in der Türkei original Kumyskulturen beziehen. Diese Kulturen werden bis heute mit Erfolg gepflegt, um das prickelnd, schmackhafte Sauermilchgetränk herzustellen.

Herde vor Mohn, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Foto: Zollmann

Das Kurgestüt hat es geschafft die Tierhaltung mit 150 Melkstuten mit Fohlen und einer Jungstutenherde den natürlichen Bedürfnissen der Pferde anzupassen. Großzügige Weidehaltung, Auslaufmöglichkeiten ständige Haltung in Herden ermöglichen es ausgeglichene und gesunde Milchpferde zu führen. Die freie Bewegung, die Aufnahme von schmackhaftem Weidefutter sowie die Wirkung von Sonnenlicht und der Temperatur im Freien fördern die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere. Eine gute Weideführung erhöht außerdem die Leistungsfähigkeit und senkt die Produktionskosten.

Im Sommer sind die Pferde auf der Weide, im Winter werden sie in Laufställen mit Auslauf nach draußen gehalten. Dieses Betriebskonzept trifft bei den aktiven Naturschutzgruppen vor Ort immer wieder auf Zustimmung und Anerkennung. Auch arbeitet das Kurgestüt seit vielen Jahren intensiv mit den lokalen Naturschutzgruppen zusammen, so werden beispielsweise auf geeigneten Flächen neue Hecken und Obstalleen angepflanzt.

Letzte Aktualisierung: 18.01.2007