Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Martinshof

Begründung der Jury

Der Martinshof hat sich im Bereich "Hofeigene und betriebliche Verarbeitung" beworben. Die Jury schlägt den Martinshof als ersten Preisträger vor, weil er sich auf die Herstellung und Vermarktung von Ziegenmilchprodukten spezialisiert und diese Produkte in der Verarbeitung und Präsentation so weiter entwickelt hat, dass sie sowohl im Lebensmitteleinzelhandel als auch in der Direktvermarktung erfolgreich vermarktet werden. Der Martinshof hat damit die Nischenprodukte aus ökologischer Ziegenmilch zu geläufigen Produkten entwickelt.

Er wirtschaftet seit 1984 nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus und zählt damit zu den Pionieren des Ökologischen Landbaus im Saarland und Rheinland-Pfalz. Unter dem Dach des Martinshofs befinden sich fünf von den Inhabern geführte Betriebe Landwirtschaft, Käserei, Metzgerei, Stadtladen und Biobus-Lieferservice. Diese Betriebe nutzen zahlreiche Synergien, für die sie als Einzelbetriebe wesentlich mehr Personal oder Fremdleistungen aufwenden müssten.

Der Martinshof ist seit mehr als 20 Jahren in der Region aktiv und hat mittlerweile 28 Biolandhöfe, Gärtner, Winzer und Bäcker als Lieferanten. Der Martinshof stellt neben den Fleisch- und Wurstwaren vor allem Ziegenmilch, -quark und -joghurt her. Fleisch- und Wurstwaren von Rind, Kalb, Schwein und Lamm werden in der eigenen Bioland-Metzgerei hergestellt. Einige Produkte wurden mehrfach von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft mit DLG-Gold, -Silber, -Bronze prämiert.

Für die Direktvermarktungskunden ist es wichtig, dass die Fleisch- und Wurstprodukte von einer der 500 besten Metzgereien Deutschlands ("Der Feinschmecker") stammen und konsequent nach Bioland-Richtlinien erzeugt werden. Mit Hilfe von Verarbeitungsbetrieben (Käserei und Metzgerei) und Vermarktungseinrichtungen (Frischdienst, Stadtladen, Naturkostläden; Großhandel) wird der Absatz des Martinshofs und der beteiligten Lieferanten gesichert. Seit 1997 hat sich die Zahl der MitarbeiterInnen von etwa 25 auf insgesamt fast 60 Personen entwickelt. Damit ist der Martinshof eines der größten Unternehmen des ökologischen Landbaus in Südwestdeutschland.



Begonnen hatte der 1984 gegründete Biolandhof ursprünglich mit klassischer Direktvermarktung mit Hofladen und Präsenz auf Wochenmärkten. 1986 wurden eine kleine Hof-Metzgerei und eine Käserei gebaut. 1987 war der Martinshof einer der ersten deutschen Lieferdienste für Bio-Lebensmittel. Mit dem 1998 eröffneten Stadtladen in Saarbrücken ging der Martinshof konsequent in die zentrale Lage einer Innenstadt. Der Stadtladen bietet vor allem Naturkost, Obst, Gemüse, Käse und Brot sowie eine große Wurst- und Fleischtheke. Ein Bistro rundet das Angebot des 240 m2 großen Stadtladens ab. Der Stadtladen ist das Schaufenster für die Verbraucher und bringt schnelle und ehrliche Rückmeldungen, was Produktqualität oder Sortimentsgestaltung betrifft.

Durch den Zusammenschluss mit einer überregional tätigen Firma 2005 liefert der 1987 gegründete Lieferservice unter dem Namen "Biobus" über das Saarland hinaus nach Lothringen, Luxemburg, Belgien und Rheinland-Pfalz. Die Kunden werden mit modernen Kühlfahrzeugen beliefert. Voraussetzung hierfür war die aufwändige und kostenintensive Zulassung der Martinshof-Verarbeitungsbetriebe als EU-Betriebe. Auf der Biofach 2006 präsentierte sich der Martinshof erstmals auf dem überregionalen Markt. Er stellte eine neue Verpackungslinie vor und erreichte nach der Globus Handelshof-Gruppe (Listung 2005), bei Tegut eine zweite Listung im Lebensmitteleinzelhandel. Zur bundesweiten Handelseinführung wurden die Martinshof-Produkte mit grünem Punkt und EAN-Codes ausgestattet.

Die große Nachfrage nach Ziegenmilchprodukten veranlasst den Martinshof die Ziegenherde aufzustocken. Im Herbst 2006 wird die Herde auf circa 250 Tiere angewachsen sein. In diesem Jahr (2007) wird ein neuer Ziegenstall mit einer Kapazität von bis zu 500 Ziegen gebaut. Inzwischen sind Ziegenmilchprodukte nicht mehr nur auf einen begrenzten Abnehmerkreis in der Nische beschränkt. Der Martinshof hat es geschafft diese Produkte so weiter zu entwickeln, dass sie in allen Vertriebskanäle angeboten werden können und dennoch nicht ihre Identität als bäuerliches Produkt verlieren. Mit dieser Strategie hat der Martinshof sein Wachstum aus eigener Kraft angestoßen.

In vier verschiedenen Ausbildungszweigen (Landwirtschaft, Metzgerei, Fleischwarenverkauf, Kaufmann mit Schwerpunkt Naturkost) stellt der Martinshof jungen Menschen einen Ausbildungsplatz zur Verfügung. Gegen den Trend wurden 2006 einige Ausbildungsplätze mehr als in den Vorjahren geschaffen. Die Auszubildenden erhalten die Möglichkeit, Produktion, Verarbeitung und Handel mit ökologischen Lebensmitteln zu erlernen. Dadurch wird ökologisches Gedankengut weiter getragen und der jungen Generation vermittelt.

Der Martinshof hat seine Wurzeln in der Naturschutzvereinigung Martin-Ott-Stiftung e.V. Als Dank für die Hilfe beim Aufbau des Hofes in den Pionierjahren gibt die Martinshof Biobus GmbH von jeder gelieferten Bestellung einen Beitrag an die Martin-Ott-Stiftung weite. Damit können Umweltprojekte der Stiftung finanziert werden.

Das Konzept und die Entwicklung von so genannten Nischenprodukten wie Ziegenmilchprodukte und deren erfolgreiche Vermarktung sind auch auf andere Betriebe übertragbar. Insofern wird der Martinshof als Pionier und Modellbetrieb bewertet und als erster Preisträger vorgeschlagen.

Letzte Aktualisierung: 17.01.2007