Gut Hirschaue

Gut Hirschaue

Begründung der Jury

Das Gut Hirschaue hat sich im Bereich "Besondere praxisgerechte Leistungen zur Weiterentwicklung der EG-Öko-Verordnung" um den Förderpreis Ökologischer Landbau beworben.

Die Jury schlägt Gut Hirschaue als 3. Preisträger vor. Seine besonderen Leistungen liegen im Bereich der Entwicklung einer möglichst artgerechten Wildtierhaltung unter Berücksichtigung der natürlichen Gegebenheiten.

Sein Engagement für den Naturschutz ist vorbildlich. Im Spreewald sind die Grundstückspreise niedrig, die Absatzmöglichkeiten für Öko-Produkte vor Ort gering. Trotz dieser besonderen und erschwerten Bedingungen hat sich Hartmut Staar entschieden, Biolandwirtschaft zu betreiben und sich mit Gut Hirschaue auf die Haltung von Dam- und Rot- und Schwarzwild spezialisiert. Das Gut ist inzwischen zum größten Öko-Gehegewildhalter in Deutschland avanciert.



Da es für die Wildhaltung noch keine expliziten Regelungen in der EG-Öko-Verordnung gibt, hat sich Gut Hirschaue im Bereich "Besondere praxisgerechte Leistungen zur Weiterentwicklung der EG-Öko-Verordnung" beworben.

Bereits beim Erwerb der landwirtschaftlichen Flächen durch Hartmut Staar in Brandenburg, war das Ziel klar: eine möglichst artgemäße Wildtierhaltung. Dazu gehörte einerseits die Idee, das benötigte Futter ausschließlich von der Gehegefläche zu gewinnen und andererseits diese aber ohne Einsatz von synthetischem Dünger und Pestiziden zu bewirtschaften, woraus unter anderem eine geringe Tierdichte pro Fläche resultiert. Außerdem sollte den Tieren die Möglichkeit für arttypisches Verhalten geboten werden. So sind die Gehege des Betriebes in Rietz-Neuendorf zwischen fünf und neun Hektar groß. Dadurch verfügt das Dam- und Rotwild, wenn es sich bedrängt fühlt, jederzeit über eine ausreichend große Fluchtdistanz zwischen sich und der vermeindlichen Gefahr. Verhaltensanomalien, wie das ängstliche Im-Kreis-Galoppieren bei Gefahr, wie es in üblichen Wildhaltungen mitunter zu beobachten ist, ist im brandenburgischen Öko-Betrieb nicht zu sehen. Die großen Herden grasen ruhig und können von den zahlreichen Besuchern des Betriebes beobachtet werden.

Die artgerechte Tierhaltung in enger Verbindung mit den natürlichen Gegebenheiten und dem Schutz der Natur ist ein wichtiger Bestandteil der Betriebsphilosophie. Wer das Betriebsgelände betritt, dem fallen sofort die Hecken zwischen den Gehegen, die sich aus den verschiedensten heimischen Beerensträucher zusammensetzen, auf. Von der Schlehe bis zur Kornellkirsche, dem Schneeball oder Weißdorn ist das ortstypische Gehölz vertreten. So wurden von 1992 bis 2005 auf insgesamt elf Kilometer dreireihig insgesamt 14.500 Bäume und Sträucher gepflanzt und zudem 1,3 Hektar Land zu Streuobstflächen entwickelt. Dabei wurden alte Apfelsorten wie Goldparmäne, Landsberger Renette und andere bevorzugt. Durch die mehrjährige Nutzung als Weidefläche ohne einen zwischenzeitlichen Umbruch wird die biologische Aktivität des Bodens gefördert.

Mit Hilfe eines konsequenten Umtriebs- und Fruchtfolgesystem versucht Familie Staar den Krankheitsdruck und den Parasitenbefall möglichst niedrig zu halten. Nach einer vierjährigen Luzerne- oder Kleegrasmischung erfolgt der Umbruch der Grasnarbe durch Mastschweine in Freilandhaltung. Infolge der ständigen Bewegung der Bodenoberfläche durch die Schweine wird Unkraut unterdrückt. Die Rhizomen der Quecke, als Problemunkraut auf unserem Standort, werden von den Schweinen gefressen. Der Aufwand für die mechanische Unkrautunterdrückung, das Hacken im Mais, kann somit verringert werden. Die im Betrieb gehaltenen Schweine, teilweise Wildschweine, teilweise Kreuzungen mit dem im Teilbetrieb eines Sohnes gezüchteten märkischen Sattelschwein, finden auf den großen Flächen reichlich Möglichkeit, ihr arteigenes Verhaltensinventar auszuleben, wie etwa, sich in Schlammkuhlen zu suhlen. Nach dem Umbruch der Grasnarbe wird Mais angebaut.

Der Betrieb unterstützt die Entwicklung der ökologischen Haltung von Wild unter anderem auch bei der Datenerhebung durch eine Wissenschaftlerin. So hat auf dem Gelände bereits eine Bundesfachtagung für landwirtschaftliche Wildhaltung stattgefunden. Seminare zur ökologischen Wildtierhaltung werden angeboten. Durch den Austausch mit anderen Wildtierhaltern und eigener Versuche konnte Familie Staar fundierte Informationen bei der Erstellung der Bioland-Richtlinie für die ökologische Dam- und Rehwildhaltung einbringen.

Das Wild wird direkt auf der Fläche und damit vergleichsweise stressfrei getötet. Auch die Verarbeitung der Tiere geschieht vor Ort. Seit 1997 gibt es eine hofeigene Fleischerei, in der neben den auf dem Betrieb gehaltenen Tiere auch in der Natur geschossenes Wild verarbeitet wird. Im selben Jahr richtete der Betrieb einen Hofladen ein. Ein Verkaufsmobil und seit 2001 eine eigene Gaststätte tragen zur Vermarktung bei. Angeboten wird ein breites Sortiment von Wild-Spezialitäten und Wurstwaren: angefangen beim vakuumierten Frischfleisch, über Bouletten und Knacker bis zu Schmalz, Wildsuppe oder Gulasch. Auch die Hirschgeweihe werden verkauft, werden allerdings mangels Größe weniger von Trophäenjägern als von Knopfherstellern nachgefragt.

Auch weil in der Gegend zunächst die Wildhaltung eher misstrauisch beobachtet wurde, haben Betriebsleiter Staar und seine beiden Söhne, die jeweils einen eigenen Teilbetrieb halten, einen wöchentlichen Rundgang über den Betrieb für die Öffentlichkeit eingeführt. Das Angebot wird je nach Wetterlage und Jahreszeit unterschiedlich intensiv angenommen. Damit niemals jemand umsonst vor den Toren steht, bieten die Staars den Rundgang an, gleichgültig, wie viele Teilnehmer die kleine Expedition ins Tierreich hat. Dass sich diese Öffentlichkeitsmaßnahme, die durch weitere Aktivitäten unterstützt wird, lohnt, zeigt nicht zuletzt die Große Zahl an Besuchern, die inzwischen zur Weihnachtsbegehung zum Betrieb kommen.

Letzte Aktualisierung 18.01.2008

Kontakt

Gut Hirschaue

Henrik Staar
An der Hirschaue 2
15848 Rietz-Neuendorf / OT Birkholz

Telefon: 0177/7992531
E-Mail: Henrik.Staar@gut-hirschaue.de

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