Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Baumschule Pflanzlust

Heinrich Niggemeyer und Ulrike Peter

Begründung der Jury

Die Bioland-Baumschule Pflanzlust hat sich im Bereich Vermarktung beworben und wird von der Jury für den Förderpreis Ökologischer Landbau 2010, Platz 2, vorgeschlagen.

In der Begründung ist das Engagement des Betriebes, sich erfolgreich als Marke auf Basis eines authentischen und integrativen Betriebskonzeptes zu entwickeln und zu positionieren, hervorzuheben. Dazu gehören unterschiedliche Bausteine:

Die Baumschule bietet ein umfangreiches Arten- und Sortenspektrum in hervorragender Bioqualität. Dabei hat es sich der Betrieb zur Aufgabe gemacht, insbesondere alte Obstbaumarten und -sorten zu erhalten. Mittlerweile stehen über 200 Sorten zur Verfügung, die für eine Pflanzung im Hausgarten oder für den Anbau auf Streuobstwiesen besonders geeignet sind. Dieses umfangreiche Sortiment gilt in Deutschland als nahezu einmalig und spricht sehr individuelle Zielgruppen an. Neben dem Streuobstanbau und Privatkunden sind Biobetriebe, die auch Obst anbauen, seine Hauptzielgruppe. Dazu gehören nicht die Erwerbsobstbauer.

Besonders positiv bewertet wurde das Engagement des Betriebes zur Erhaltung genetischer Ressourcen von Natur(schutz)denkmalbäumen. In Zusammenarbeit mit der Uni Kassel werden seit 2006 die aus Samen besonders markanter Altbäume (Naturdenkmale) gewonnenen Jungpflanzen in der Baumschule kultiviert und als "Junge Riesen" vermarktet. Zielgruppe sind Kommunen im Landkreis Kassel, die so in der Lage sind, Naturdenkmale ihrer Gemeinden zu verjüngen, historische Landschaftsbilder zu erhalten und Pflanzungen von Ausgleichsmaßnahmen in der Region standortgerecht auszuführen. Das Projekt hat einen starken regionalen Bezug und soll eine Vorbildwirkung auf ökologisch orientierte Baumschulen in anderen Regionen ausüben. Da jede Pflanzung von regionalen und lokalen Medien begleitet wird, hat das Gesamtprojekt eine hohe Werbewirkung und sehr positive Effekte auf das Image der Baumschule.



Der Betrieb verfolgt intensive Kommunikationsmaßnahmen, die von der individuellen Beratung in der Baumschule, über die Pflege einer Internetseite, bis zum Fachartikel in ausgewählten Zeitschriften reichen. Darüber hinaus beteiligt sich die Baumschule an den regionalen Apfeltagen und an Fachveranstaltungen für Pomologen. Nicht zuletzt tragen Veranstaltungen im Betrieb, wie der "Tag der offenen Tür", zur Popularität des Themas bei und stärken den Bekanntheitsgrad der Baumschule.

Im Jahr 1999 ergriffen die Betriebsinhaber die Initiative, die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Baumschulen mit zu gründen. Hier wird den Mitgliedern ein Forum für den Erfahrungsaustausch geboten und Unterstützung für Vermarktungsaktivitäten gegeben.

Teil der erfolgreichen Betriebsphilosophie ist, dass nur freundliche, motivierte und zufriedene Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kompetent beraten können und eine positive Ausstrahlung auf die Kunden haben. Da das eine Grundvoraussetzung für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung ist, sind in der Baumschule sieben Fachkräfte fest angestellt. Es wird Wert auf selbstständiges und verantwortungsbewusstes Handeln gelegt, welches das Management der eigenen Arbeitszeit einschließt. So ist es den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen möglich, Familie und Beruf gut miteinander zu verbinden.

Nicht zuletzt vermittelt der Betrieb mit der ökologischen Gestaltung seines Betriebsgeländes, das sowohl ökologische Bauformen als auch die Nutzung regenerativer Energien einschließt, Konsequenz, Authentizität und Glaubwürdigkeit im Hinblick auf ökologische Themen und auf die eigenen Produkte. Insgesamt hat die Baumschule Pflanzlust auf dem schwierigen Feld der Vermarktung von Gehölzen aus biologischem Anbau Pionierleistungen erbracht, die für viele andere ähnlich gelagerte Betriebe Weg weisend sein können.

Letzte Aktualisierung: 18.01.2010