Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Obsthof Augustin

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Ausgezeichnet für das besonders innovative Energiekonzept... Foto: Obsthof Augustin

Begründung der Jury

Der Obsthof Augustin hat sich im Bereich Naturschutz, Landschaftsgestaltung und Ressourcenschutz beworben und wird von der Jury für den ersten Preis nominiert. Diese Empfehlung wird vorrangig mit dem Erfolg des 2008 umgesetzten regenerativen Energiekonzeptes begründet. Die Jury bewertet dieses als hoch innovativ und misst ihm eine große Vorbildwirkung zu, weil es Impulse für das Energiemanagement vieler vergleichbarer Obstbaubetriebe - auch im konventionellen Bereich - geben kann.

Für die erfolgreiche Umsetzung dieses Konzeptes waren Visionen notwendig, die die Betriebsinhaber des 300 Jahre alten Familienunternehmens konsequent umsetzten. Das Energiepotenzial des Obsthofes besteht aus jährlich circa 650 Tonnen Äpfel sowie 150 Raummeter Holz, die durch Schnitt und Rodung der Anlagen anfallen. Um eine Lagerfähigkeit der Äpfel zu garantieren, müssen diese von circa 18 Grad auf circa ein Grad heruntergekühlt und bei dieser Temperatur gehalten werden. Dabei entsteht Abwärme, die bis 2008 nicht genutzt wurde. Im Gegenteil, für die Kühlung musste Energie aufgewendet werden. 



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... und ihre besonderen Bemühungen in der Kultur- und Landschaftsgestaltung. Foto: Obsthof Augustin

Das Obstholz hat keinen Marktwert und musste energieaufwändig geschreddert und entsorgt werden. Die neue, seit 2008 installierte Energieversorgung arbeitet mit einer Hackschnitzelanlage, die das Obstholz verwertet und mit einer neu entwickelten Wärmerückgewinnungsanlage, die mit Hilfe von Plattenwärmetauschern die Abwärme aus der Apfelkühlung nutzbar macht. Beide Systeme speisen Energie in einen Pufferwärmespeicher, der 20.000 Liter Wasser fasst, ein. Dieses warme Wasser wird von dort weiter transportiert, um die Büroflächen, die Sortierhalle, das Wohnhaus und die Mitarbeiterwohnungen zu beheizen sowie das Brauchwasser zu erwärmen. Der Obsthof Augustin hat  sich damit eine komplette Unabhängigkeit vom Erdgas  geschaffen. Da das Verbrennen des Holzes aus den Obstanlagen CO2 neutral ist und bei der Wärmegewinnung aus den Äpfeln sogar CO2 verbraucht wird, wird die Umwelt um circa  27.000 Kilogramm CO2 im Jahr entlastet.

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Aus Frostschutz-Beregnungsbecken werden artenreiche Biotope, Foto: Obsthof Augustin

Enge Kooperationsbeziehungen zu anderen Demeter-Obstbaubetrieben ermöglichten den Aufbau eines Betriebsteils "Vermarktung", der Äpfel einlagert und unter der Marke "Augustin" verkauft. So können auch die bestehenden Lagerkapazitäten optimal genutzt werden.  

Diskutiert wird der Aufbau eines Wärmeverbundnetzes, um Wohn- und Betriebsgebäude der direkten Nachbarschaft mit zu versorgen. Durch den Verkauf von Wärme könnte die Wirtschaftlichkeit der Anlage weiter gesteigert werden. Darüber hinaus sind der Bau eines Blockheizkraftwerkes und einer Photovoltaikanlage geplant, um auch einen Teil des auf dem Hof verbrauchten Stroms zu erzeugen.

Ein weiterer wichtiger Beitrag zum Ressourcenschutz wird mit Hilfe einer Wasseraufbereitungsanlage geleistet. Hierdurch ist es möglich, das verunreinigte Wasser aus der Großkisten-Schwemmentlehrung wieder zu verwenden.  So können ca. 150 m3 Trinkwasser im Jahr eingespart werden.

In den Bereichen Naturschutz und Landschaftsgestaltung geht der Betrieb neue Wege, um die Anforderungen eines hoch spezialisierten, ökologisch produzierenden Obstbaubetriebs sinnvoll mit Maßnahmen des Natur- und Landschaftsschutzes zu verbinden. So wurden die für die Frostschutzberegnung notwendigen Wasserbecken mit heimischen Gehölzen als Biotope angelegt, die zahlreichen Tieren und Insekten Rückzugsmöglichkeiten bieten. Darunter sind wichtige Nützlinge, die dem Obstbau als ökologische "Pflanzenschützer" zu Gute kommen. Weil sich diese Nützlinge nur in einem begrenzten Radius ausbreiten, wurden die "Beckenbiotope" untereinander mit Blühstreifen verbunden. Diese bilden ein Biotopverbundsystem zwischen den Lebensräumen und bahnen den Nützlingen Wege in die Anlagen. Insgesamt tragen diese Maßnahmen nicht nur zum Arten- und zum biologischen Pflanzenschutz bei, sondern werten das Landschaftsbild, in den oft monoton wirkenden Apfelanlagen, erheblich auf. Unterstützend wirkt, dass nur jede zweite der mit Gras eingesäten Fahr-gassen zwischen den Obstbaumreihen gemäht wird. In den ungemähten Reihen können sich Wildkräuter ausbreiten und so Insekten Lebensraum bieten.

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So gut schmeckt Klima-, Arten- und Biotopschutz! Foto: Obsthof Augustin

Die beschriebenen Aktivitäten des "Obsthofes Augustin" haben einen Demonstrationscharakter, der in der Fachwelt und bei Besuchern auf breites Interesse stößt. Insbesondere die Wärmerückgewinnungs-Hackschnitzelheizungsanlage wird als Modellanlage gemeinsam mit den an der Entwicklung beteiligten Firmen "michael breuer + Kollegen" und der "Stöver GmbH" allen Interessieren präsentiert. Hierzu gibt es auch Veranstaltungen auf regionaler Ebene beispielsweise mit der IHK Stade.

In diesem Zusammenhang ist die aktive Öffentlichkeitsarbeit des Betriebes, die unterschiedlichen Zielgruppen, Fachöffentlichkeit, Verbraucher und Verbraucherinnen sowie Schüler und Schülerinnen, einschließt, hervorzuheben. Hiermit wird das Image des ökologischen Obstbaus erheblich gestärkt.

Letzte Aktualisierung: 18.01.2010