Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Bunde Wischen e.V.

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Das Team des Vereins Bunde Wischen freut sich über die Auszeichnung mit dem Förderpreis Ökologischer Landbau 2010, Foto: Bunde Wischen e.V.

Begründung der Jury

Der gemeinnützige Verein "Bunde Wischen e.V." hat sich im Bereich Naturschutz, Land-schaftsgestaltung, Ressourcenschutz um den Förderpreis Ökologischer Landbau 2010 beworben und wird von der Jury für seine herausragenden Leistungen im Naturschutz ebenfalls für den 2. Platz vorgeschlagen.

Seit seiner Gründung verfolgt der Verein das Konzept Naturschutz umzusetzen, der durch die Direktvermarktung gegenfinanziert wird. Dies ist mit dem Prinzip einer Naturschutz orientierten Beweidung verbunden mit einer intensiven und hochpreisigen Direktvermarktung des Fleisches gelungen. Seit 23 Jahren konnte sich ein erfolgreicher Biolandbetrieb mit zwei Betriebszweigen: "Artenvielfalt und Biodiversität" und "Gallowayfleisch- und -wurstprodukte in Bioland-Qualität" entwickeln.



Rinder, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Naturschützer mit Biss: Gallowy-Rinder, Foto: Bunde Wischen e.V.

Der Verein bewirtschaftet rund 1100 Hektar Pachtfläche, die von 520 Galloways, 50 Highland-Cattles, 170 Heidschnucken und 18 Koniks (Wildpferde) beweidet wird. Im Sommer kommen 240 Ziegen von einem Bioland-Ziegenbetrieb hinzu. Die Flächen sind zu über 90 Prouzent Naturschutz und/oder Natura 2000 Gebiete. Mit über 900 ha Fläche ist die Stiftung Naturschutz der größte Verpächter und Kooperationspartner.

Mit der extensiven Beweidung wird die Offenhaltung der Landschaft eines ehemaligen Standortübungsplatzes der Bundeswehr garantiert. Durch den geringen Viehbesatz können sich fließende Übergänge von niedrigwüchsiger Vegetation zu höher wachsenden Busch-gruppen und Wäldern herausbilden. Es entwickelt sich eine halboffene Weidelandschaft, die vielen seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietet.

Pferde, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Eine Herde von Konikpferden grast auf den Flächen - und schafft dadurch ein Mosaik unterschiedlichster Lebensräume. Foto: Bunde Wischen e.V.

Da in der Ganzjahresweide keinerlei Zufütterung von Kraftfutter an die Tiere erfolgt, ist die Wirtschaftsform als besonders Grund- und Oberflächenwasser schonend anzusehen. So ist es auch möglich, empfindliche Biotope wie Sölle zu beweiden, ohne sie durch einen zusätzlichen Nährstoffeintrag zu gefährden. Auch hier können zahlreiche seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten kartiert werden.

Da die Ernährung der Tiere ausschließlich auf dem Aufwuchs der oft mageren Grünlandflächen basiert, hat das Fleisch eine besondere Qualität. Nur so gelingt es, das Fleisch sämtlicher Tiere hochpreisig über den hofeigenen Bioland-Laden in Schleswig zu vermarkten. Zum Kundenkreis gehören neben Privatkunden auch der Großhandel, der Lebensmitteleinzelhandel und Einkaufkooperativen.

Haus, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Nicht nur über den Hofladen wird das hochwertige Fleisch vermarktet, Foto: Bunde Wischen e.V.

Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit konnte die Qualität der Produkte und der Naturschutzleistungen sowohl im wissenschaftlichen Raum als auch in der Bevölkerung verbreitet werden. Der Verein beteiligte sich inhaltlich maßgeblich an die Erarbeitung eines Praxisleitfdens für Ganzjahresbeweidung in Naturschutz und Landschaftsentwicklung Dieser Leitfaden stieß beim Fachpublikum auf rege Nachfrage, so dass er bereits in der 2. Auflage erschienen ist. Gefördert wurde er vom Bundesamt für Naturschutz, von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, vom Freistaat Thüringen und von der NRW-Stiftung Natur-Heimat-Kultur. In der Öffentlichkeit wirkt unterstützend, dass die Weidegebiete mit Wanderwegen erschlossen sind. So konnte sich eine Erholungslandschaft entwickeln, die von der Öffentlichkeit jederzeit besucht werden kann.

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Der geringe Viehbesatz sichert die Entwicklung fließender Übergänge von niederwüchsiger Vegetation zu höher wachsenden Buschgruppen und Wäldern. Foto: Bunde Wischen e.V.

Das Konzept, den praktizierten Naturschutz als Basis für eine qualitativ hochwertige und hochpreisige Fleischproduktion zu entwickeln, ist Beispiel gebend für Landwirtschaftsbetriebe auf sensiblen Gründlandstandorten. Das gilt insbesondere dann, wenn sich eine intensive Grünlandbewirtschaftung aufgrund von Standortqualitäten und / oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als wenig tragfähig herausstellt. Beispielsweise kann dieses Konzept der halboffenen Weidelandschaft für Betriebe, die ihre Milchviehhaltung aufgeben müssen, eine kostengünstige Alternative sein, wenn aus Naturschutz- oder anderen Umweltgründen öffentliche Ansprüche an die Landschaft und deren Nutzung gestellt werden.

Letzte Aktualisierung: 18.01.2010