Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Kräutergut Dworschak-Fleischmann

Begründung der Jury

Das Kräutergut Dworschak-Fleischmann hat sich im Bereich Gesamtbetriebliche Konzeption beworben und wird von der Jury für den Förderpreis Ökologischer Landbau 2011, für den Platz 2, vorgeschlagen. Die Begründung der Jury basiert auf der besonders  innovativen Geschäftsidee, welche aus der Not geboren und zur Tugend gemacht wurde.  Das runde Betriebskonzept wurde aufgebaut als Existenzerhaltung der Familiengärtnerei in vierten Generation durch Gesamtumstellung auf die ökologische Gartenbauwirtschaft im Jahr 1994, da die konventionelle Bewirtschaftung sich nicht mehr wirtschaftlich tragen konnte. Es wird inhaltlich ausgefüllt durch die hoch professionelle Produktion vielfältigster Topfkräuter sowohl für den Naturkosthandel als auch den konventionellen Lebensmitteleinzelhandel bundesweit als innovative Nutzung einer Nische und Marktlücke im Biomarkt und wird abgerundet durch vielfältige soziale Aspekte im internen Betriebsmanagement.



Eines der Gewächshäuser auf dem Kräuterhof. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Eines der Gewächshäuser auf dem Kräuterhof, Foto: BLE

Das Produktionsmotto der Betriebsleiterin lautet: Biologische Kräuter zum Wohle von Mensch und Natur. Das Firmenlogo, der bunte Schmetterling, und die Qualität und Frische der Produkte stehen als Garant für Nachhaltigkeit. Beim Neubau der Gewächshäuser 1996 wurde besonderer Wert auf Energieeinsparung gelegt durch Doppelverglasung, Isolierfundament und inzwischen auch den Einsatz von zusätzlichen Noppenfolien als Mantel um die Gewächshäuser. Derzeit wird an der Fertigstellung einer hochmodernen computergesteuerten Doppelstockanlage gebaut, um den Ausstoß bei gleich bleibendem Energieaufwand zu verdoppeln, also den Energieaufwand pro Topf zu halbieren. Gleichzeitig läuft auf einer zweiten Schiene die Freilandproduktion, um einen großen Teil Kräuter im warmen Sommer vorzuproduzieren und sie dann im Frühjahr oder Winter in nur noch kurzer Zeit und mit einem geringen Energieaufwand fertig zu treiben. Außerdem werden wärmebedürftige Sorten im Hinblick auf "Kältetoleranz" selektiert.

Kräutervielfalt auf den Freiflächen. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Kräutervielfalt auf den Freiflächen, Foto: BLE

Mittlerweile werden im Betrieb auf insgesamt 2,58 Hektar ca. 250 verschiedene biologische Kräuter aus dem Gewürz- und Heilpflanzenbereich an 365 Tagen im Jahr produziert. Von den ca. 4,5 Mio. Töpfen ist Basilikum mit mehr als der Hälfte des Umsatzes der Renner im Biomarkt. Ein Viertel des Umsatzes fällt auf Schnittlauch und Petersilie, der Rest teilt sich auf die restlichen Sorten auf. In diesem Viertel sieht die Betriebsleiterin ganz klar ihren Marktvorteil. Dieser Bereich wird strategisch im Betrieb straff weiter entwickelt um dem Fachhandel, interessierten Gartencentern und Endverbrauchern die gewünschte Vielfalt anzubieten. Der Aufbau eines eigenen gut organisierten Logistiksystems bildet die Grundlage, um auch den LEH - die REWE war der erste LEH-Marktpartner des Betriebes – kontinuierlich zu beliefern.

Großes Feld mit Schnittlauch.  Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Jede Menge Schnittlauch, Foto: BLE

Die Betriebsleiterin setzt ihre Prioritäten neben der Produktion von Kräutern auch in die spezielle Mitarbeiterführung und hat im Betrieb Menschen mit sozialen Problemen in den Produktionsablauf integriert, die an anderer Stelle wohl kaum eine echte Chance hätten. Diese ganz normalen Problemfälle, die ganz normal und selbstverständlich in die Betriebsmannschaft integriert werden, schaffen im Miteinander einen deutlich zu spürenden Zusammenhalt im Betrieb. Die Betriebsleiterin setzt sich für die gesamte "Mannschaft" sozial hoch engagiert ein da sie sich deutlich bewusst ist, dass nur in einem guten Miteinander die großen Herausforderungen des Betriebes zu meistern sind. Seit einigen Jahren ist die Gärtnerei eine bekannte Adresse  für Wiedereingliederungs- bzw. Rehabilitationseinrichtungen, Berufsbildungswerke, Sonderschulen, Behindertenwerkstätten und andere. Ziel ist es, dauerhaft eine feste Anzahl von Arbeitsplätzen mit einer betreuenden Person offiziell zur Verfügung zu stellen.

Die Laufenten des Kräutergutes und ein Huhn auf Futtersuche. Klick führ zu Großansicht in neuem Fenster.
Die Laufenten des Kräutergutes auf Futtersuche, Foto: BLE

Durch das schnelle Wachstum des Unternehmens seit der Umstellung auf den ökologischen Gartenbau sind in den letzten Jahren 13 Vollzeitarbeitsplätze geschaffen worden. Pro Jahr werden im Betrieb bis zu 30 Praktikumsplätze zur Verfügung gestellt. Zusätzlich sind über das Jahr noch 15 Halbtagskräfte im Betrieb angestellt.

Dadurch hat sich der Betrieb in der Region nicht nur einen Namen gemacht und ist sehr stark in der öffentlichen Wahrnehmung, sondern erfüllt auch als sozialer Arbeitgeber eine wichtige gesellschaftliche Funktion in der Region. Die Betriebsleiterin arbeit in verschiedenen Gremien, zum Beispiel in der ÖkoInnung, verantwortlich mit.

Letzte Aktualisierung: 18.01.2011