Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Gärtnerei Obergrashof

Peter Stinshoff und Julian Jacobs
Peter Stinshoff und Julian Jacobs leiten die Gärtnerei Obergrashof.

Begründung der Jury

Die Jury schlägt die Gärtnerei Obergrashof, die sich für den Bereich "Gesamtbetriebliche Konzeption" beworben hat, als Preisträger vor, weil bei ihr - selbst als intensivem Gemüsebaubetrieb - das Wirtschaften in Kreisläufen als Prinzip des biologischen Landbaus oberste Priorität hat und Nachhaltigkeit im ökologischen, sozialen und ökonomischen Bereich die Leitmaxime des Denkens und Handelns ist.

Der nach Demeter-Richtlinien arbeitende Obergrashof, 25 Kilometer vor München im Dachauer Moos gelegen, hat sich seit Pachtbeginn (Eigentümer ist die Stadt München) im Jahr 1992 von anfänglichen fünf Hektar und drei Mitarbeitern auf heute 113 Hektar und 30 Mitarbeitern entwickelt. Auf 55 Hektar der Ackerfläche stehen Gemüsekulturen, der Rest ist mit Futter– und Getreidebau belegt.

Nachhaltigkeit heißt hier für den Obergrashof: Vielfalt - und zwar im Hauptfruchtanbau (es werden über 100 Sorten Feld- und Feingemüse angebaut), im Zwischenfruchtbau und im Feldrandbereich, der mit vielen Blühstreifen, Hecken und den angrenzenden Feuchtgebieten wertvolle Nützlingsbiotope darstellt. So dienen sie unter anderem 16 Bienenvölkern, die in Kooperation mit einem Demeter-Imker gehalten werden, als Nahrungsquelle.



Saatgut, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Erhalt, Zucht und Weiterentwicklung samenfester Gemüsesorten.

Nachhaltigkeit und Vielfalt im Pflanzenbau ist für den Obergrashof untrennbar mit der Saatgutfrage verbunden. Als Gegenpol zur gängigen Hybridzucht im konventionellen Gemüsebau und der damit verbundenen Genverwaschung ist dem Obergrashof Erhalt, Zucht und Weiterentwicklung samenfester Gemüsesorten eine Herzensangelegenheit geworden. Er betreibt selber Saatgutvermehrung, Erhaltungs- und Eigenzucht mit mittlerweile mehreren Sortenzulassungen durch das Bundessortenamt (unter anderem Blumenkohl Sorte Odysseus und Kohlrabi, Sorte Rasko). Für die Jury ist das Pionierleistung im besten Sinne.

Kompostmiete
Möglichst geschlossener Betriebskreislaufs.

Im Bereich Düngung setzt der Obergrashof auf das Ziel eines möglichst geschlossenen Betriebskreislaufs. Da für ihn Rinder– und Schafsmist essentiell  für den langfristigen Erhalt und Aufbau einer nachhaltigen Bodenfruchtbarkeit sind, wird eigens zu diesem Zweck eine Herde mit 68 Rindern und eine 40–köpfige Milchschafherde (mit eigener Käseherstellung) gehalten, was so in diesem Umfang kaum auf großflächig arbeitenden Gemüsebaubetrieben anzutreffen ist. Zusammen mit Ernteabfällen wird dieser hofeigene Stallmist einer beispielhaften sorgfältigen Kompostierung unter Zusatz von Gesteinsmehl unterzogen. Durch Einsatz dieses Mistkompostes zusammen mit einer vielfältigen Gründüngung kann der Obergrashof den außerbetrieblichen Düngerzukauf auf zehn Kilogramm Stickstoff pro Hektar (als Maltaflor) begrenzen. Für einen Gemüsebaubetrieb ist das eine beeindruckende Leistung.

Kühe
Murnau-Werdenfelser Rinder

Bei der Auswahl der Rinder hat sich der Obergrashof bewusst nicht für eine gängige (Fleckvieh, Braunvieh) Rasse entschieden, sondern das vom Aussterben bedrohte, in Bayern ursprünglich entstandene und beheimatete Murnau-Werdenfelser Rind gewählt. Die Herde wird im Herdbuch geführt und ist mittlerweile der zweitgrößte Bestand dieser Rasse. Damit heißt Nachhaltigkeit für den Obergrashof auch in der Tierhaltung wie im Pflanzenbau: Setzen auf Biodiversität, auf Vielfalt nicht nur der auf dem Hof gehaltenen Tierarten, sondern auch der Erhaltung noch vorhandener Rassen.

Nicht zuletzt bedeutet Nachhaltigkeit für den Obergrashof auch: Wissen weitergeben: Ausbildung von fünf bis sechs Lehrlingen pro Jahr, Erwachsenenbildung mit der Volkshochschule, Hoffeste, Hofführungen, Seminare im eigenen Seminarhaus, Waldorfkindergarten auf dem Hof, etc..

Innerhalb von 20 Jahren seit der Betriebsgründung ist ein enorm vielseitiger, lebendiger landwirtschaftlicher Betrieb mit ökonomischer, sozialer und  ökologischer Bedeutung innerhalb der Region entstanden.