Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Gut Hermannsdorf KG

Karl Schweisfurth, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Karl Schweisfurth leitet das Gut Herrmannsdorf.

Begründung der Jury

Die Jury schlägt das Gut Herrmannsdorf, Mitglied im Verband "Biokreis", das sich für den Bereich "Vermarktung" beworben hat, als Preisträger vor, weil es neue Wege der Kundenbindung und Finanzierung beim Aufbau des neuen landwirtschaftlichen Produktionszweiges: Haltung, Vermehrung und Mast von Zwei-Nutzungshühnern (Sulmtaler und Les Bleues) geht.

Ausgangspunkt der Überlegungen des Gutes Herrmannsdorf für dieses Projekt war die derzeit auch in der biologischen Landwirtschaft unbefriedigende und eigentlich ethisch nicht vertretbare Situation in der Geflügelzucht: Bei Legehennen und Mastgeflügel kommen nahezu ausschließlich hochspezialisierte Hybridrassen zum Einsatz, deren Zuchtlinien von weltweit nur noch vier Zuchtkonzernen kontrolliert werden. Die hohen Lege– und Mastleistungen der Tiere werden mit der Tötung "unnützer" männlicher Küken und körperlichen Beschwerden beim Mastgeflügel "erkauft".



Legehennen, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Mobile Hühnerställe

Als Alternative dazu entschloss sich das Gut Herrmannsdorf zum Aufbau einer Haltung von Zwei-Nutzungshühner, die zahlenmäßig und züchterisch bis heute nur ein Nischendasein führen. Um dieses Projekt zu finanzieren (Brutapparat, Mobilställe, Eiersortierung) und die Kunden mit der komplexen  Thematik – beispielsweise müssen die wegen geringerer Lege- und Mastleistung notwendigen höheren Preise für Eier und Fleisch erläutert werden – vertraut zu machen und mit ein zu beziehen, wurde die Idee des Landhuhn-Darlehens geboren: Kunden geben dem Gut Herrmannsdorf ein Darlehen von 300 Euro und bekommen zehn Jahre lang jedes Jahr einen Warengutschein in Höhe von 40 Euro zurück, den man in den Verkaufsläden, die die Waren des Gutes anbieten,  einlösen kann. Die Idee fand Anklang bei vielen  Kunden und so wurde das erste Darlehen mit einem Umfang von 100 000 Euro Anfang 2010 in kürzester Zeit von ihnen gewährt. Weiteres Fremdkapital (unter anderem für den Aufbau einer Geflügelschlachtung) wurde über ein zweites Landhuhn-Darlehen Anfang 2011 erworben.

Darlehensgeber
Die Darlehensgeber des Landhuhn-Darlehens werden durch verschiedene Aktionen in das Projekt mit einbezogen.

Gleichzeitig wurde ins Internet ein Landhuhn–Tagebuch, in dem Ereignisse und Entwicklungen rund um die neue Hühnerhaltung aktuell nach zu lesen sind, und ein Landhuhn Blog für Fragen und Meinungen der Kunden gestellt. Zusätzlich gibt es Spezialführungen, Newsletter und Verkostungsaktionen für die Darlehensgeber.

Damit ist es dem Gut Herrmannsdorf gelungen, Kunden und Darlehensgeber intensiv mit der Geflügelproblematik vertraut zu machen und hautnah an der Entwicklung des Landhuhn - Projektes teilhaben zu lassen.

Das Gut Herrmannsdorf hat mit seinem Landhuhn-Projekt die notwendige  Auseinandersetzung mit der allgemein vorherrschenden Situation in der Geflügelzucht und -haltung in den Mittelpunkt gerückt. Durch die Idee des Landhuhn-Darlehens ist nicht nur eine vergleichsweise  innovative Finanzierungsmöglichkeit geschaffen worden, die auch beispielhaft für andere landwirtschaftliche Unternehmen sein kann. Gleichzeitig werden Darlehensgeber und Kunden intensiv in die Diskussion und Entwicklung mit ein bezogen.

Letzte Aktualisierung: 10.01.2012