Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Gut Wilhelmsdorf, Ulrich Schumacher und Johannes Berger GbR, Bielefeld

Die Betriebsleiter Dr. Ulrich Schumacher  und Johannes Berger. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.

Laudatio anlässlich der Preisverleihung

Auf einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 330 Hektar, davon 100 Hektar Dauergrünland und 20 Hektar Naturschutzflächen, haben die beiden Betriebsleiter Johannes Berger und Ulrich Schumacher aus dem seit 1995 von der Stiftung Bethel gepachteten Landwirtschaftsbetrieb ein Unternehmen entwickelt, das sich vor allem durch Diversifizierung, das heißt Aufnahme weiterer neuer Betriebszweige, auszeichnet. Kennzeichnend ist eine klare Arbeitsteilung der beiden genannten Personen.

Dieser Betrieb beschäftigt inzwischen 35 Mitarbeiter. Die Tierhaltung umfasst Rinder, Milchkühe, Schweine und Schafe.

Aufbau einer eigenen Hofmolkerei

Dem unaufhaltsamen Konzentrationsprozess in der Milchbranche fallen vor allem regionale und kleine Molkereien zum Opfer. Umso wichtiger war daher der erfolgreiche Aufbau einer eigenen Hofmolkerei auf Gut Wilhelmsdorf. Unter dem Motto "Frische Bio-Milch aus der Region für die Region" werden 90 Prozent der erzeugten Milchprodukte (frische Biomilch und Naturjoghurt) im Umkreis von 20 km vermarktet. 90.000 Liter Milch werden monatlich direkt verarbeitet. Die Hofmolkerei beschäftigt inzwischen acht Mitarbeiter neben zahlreichen Fahrern, meistens in Teilzeitstellen. Die Milchleistung beträgt durchschnittlich 9.000 kg ECM pro Kuh und Jahr.



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Bio-Energie

Die Photovoltaikanlage liefert jährlich etwa 300.000 kWh. Die Biogasanlage, gespeist mit hofeigenem Wirtschaftsdünger, Futterresten und Pferdemist, wurde erweitert um ein 190 kW Blockheizkraftwerk. Produziert werden erneuerbarer Strom und Wärme für ein angrenzendes Altersheim und drei  Wohngebäude und an die Stadtwerke Bielefeld werden jährlich eine Million Kilowattstunden Strom verkauft. Das Gärsubstrat wird im Sinne einer Kreislaufwirtschaft als Dünger auf den Feldern ausgebracht und lediglich 20 Prozent der Nährstoffzufuhr für diese Biogasanlage kommen von außen.

Bundesweites Pilotprojekt Vergleich von Klimawirkungen

Neben dem Vergleich der Klimawirkungen ökologischer und konventioneller Betriebe wurden Stoffströme des Betriebes analysiert und für den Pflanzenbau Humus-, Stickstoff- und Energiebilanzen ermittelt. Gut Wilhelmsdorf weist eine ausgeglichene Humusbilanz auf. Innerhalb des Pilotprojektes war das Gut trotz armer Sandböden mit einer Ackerzahl zwischen 14 und 24 der Ökobetrieb mit der höchsten Milchleistung. Zum Vergleich: Im Durchschnitt erreichten die Ökobetriebe 6.380 Kilogramm ECM pro Kuh und Jahr, Gut Wilhelmsdorf dagegen 9.000 Kilogramm ECM pro Kuh und Jahr. Entsprechend sinken die Methanemissionen von 0,6 Kilogramm auf durchschnittlich 0,4 CO2 eq pro Kilogramm ECM.

Engagement im Naturschutz

Gemeinsam mit der Biostation Paderborn-Senne wurden im Betriebsgelände Kuhweiden und Hecken angelegt, in den Bruchwiesen Kopfweiden, im Ufersaum von Gräben Sträucher und auf den Weiden neue Obstbäume gepflanzt. Die Bewirtschaftung eines bestimmten Teils des Grünlandes erfolgt im Einvernehmen mit der Unteren Naturschutzbehörde. Das gewonnene Heu wird vor allem an trocken gestellte Kühe und Rinder verfüttert. Gut Wilhelmsdorf erhielt die NABU-Auszeichnung schwalbenfreundlicher Betrieb.

Engagierte Öffentlichkeitsarbeit

Der Betrieb leistet eine vorbildliche und wirksame Öffentlichkeitsarbeit. Die auf dem Hof organisierten Feste locken jeweils tausende von Besuchern an und nahezu wöchentlich strömen Schulklassen und Kindergartengruppen im Rahmen der Naturschule Bielefeld zu Besichtigungen auf den Betrieb. Seit sieben Jahren gibt es auf dem Betrieb einen Bauernhof-Kindergarten. In Form von regelmäßigen Newslettern wird über aktuelle Entwicklungen informiert. Der Betrieb kann daher als Multiplikator in Sachen Naturschutz bezeichnet werden.

Letzte Aktualisierung: 22.01.2015