Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Bio-Rinderzucht Harzer Rotes Höhenvieh

Gruppenbild
Bundesminister Schmidt mit Ehepaar Wehmeyer nach der Preisverleihung, Foto: BMEL, Holger Gross

Laudatio anlässlich der Preisverleihung

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Von rechts: Staatssekretär Bleser, Sieger Daniel Wehmeyer mit Frau und Eltern

Laudator: Florian Schöne
(Es gilt das gesprochene Wort.)

Der Betrieb von Daniel Wehmeyer hat die Jury enorm beeindruckt: Ein junger Neueinsteiger ohne landwirtschaftlichen Hintergrund, der innerhalb weniger Jahre einen erfolgreichen Betrieb im Bereich Mutterkuhhaltung und Landschaftspflege etabliert hat. Und dies, obwohl das wirtschaftliche Umfeld für Mutterkuhhalter enorm schwierig ist und die Berater sowie die Banken von einer Ausrichtung im Haupterwerb abgeraten haben: "Mutterkuhhaltung ist heute allenfalls noch im Nebenerwerb wirtschaftlich darstellbar", so war das geläufige Argument gegen die Pläne von Wehmeyer. Beharrlich hat er dennoch an seiner Überzeugung festgehalten und über die Jahre eine auf mehrere Standorte aufgeteilte Herde mit 240 Rindern der Rasse Rotes Harzer Höhenvieh aufgebaut. Die horntragenden Tiere sind vom Frühjahr bis Herbst ständig auf der Weide, in den kalten Wintermonaten werden sie in einem Außenklimastall auf Stroh untergebracht.

Mittlerweile ist Daniel Wehmeyer ein erfolgreicher Unternehmer und Dienstleister im Bereich Fleischerzeugung und Landschaftspflege. Der Betrieb pflegt naturschutzfachlich wertvolles Grünland in der gesamten Region des Oberharzes durch Beweidung oder Mahd, und erhält dadurch bedrohte Pflanzenarten wie Steppenfenchel oder verschiedenen Orchideen. Wehmeyer versteht sich selbst als Dialogpartner für den Naturschutz und geht aktiv auf die Naturschutzbehörden in der Region zu, um schützenswerte Flächen zu finden und unter Vertrag zu nehmen. Hierzu gehören auch spezielle Naturschutzarbeiten in den Landkreisen Osterode und Goslar sowie die Anlage von Schonstreifen für den Rotmilan. Als einziger Betrieb im Harz erntet er zudem mit dem Mähdrescher Gräser- und Kräutersamen von artenreichen Oberharzer Bergwiesen.

Auch im Ackerbau probiert Daniel Wehmeyer immer wieder Neues aus: So betreibt er einen speziellen Gemenge-Anbau von Ackerbohnen und Hafer für die Bullenfütterung und erzeugt Speise-Linsen im Gemenge mit Backgetreide. Die Linsen werden in einer eigenen Verpackung über den Naturkosthandel vertrieben, das Getreide wird überwiegend in einer benachbarten Vollkornbäckerei verarbeitet.

Nach Überzeugung der Jury ist daher festzuhalten, dass Daniel Wehmeyer in einem schwierigen Umfeld enorme Investitionen getätigt und wirtschaftliche Risiken bewältigt hat. Seine Grundüberzeugung, die Betriebsstrukturen ständig zu hinterfragen und zu optimieren, hat dazu geführt, dass der Betrieb mittlerweile verschiedene wirtschaftliche Standbeine hat. Der Betrieb macht daher in besonderem Maße deutlich, dass auch vermeintliche Nischenmärkte wie Landschaftspflege und Extensiv-Tierhaltung eine attraktive Perspektive bieten können, wenn man sie mit ausreichendem Engagement und Innovationskraft verfolgt. Dieses Engagement war für die Jury ein entscheidender Grund für eine Nominierung als Preisträger im Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau.


Letzte Aktualisierung: 20.01.2016