Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Bioland Gemüsegärtnerei Watzkendorf

Laudatio anlässlich der Preisverleihung

Laudatorin: Christina Zurek
(Es gilt das gesprochene Wort.)

Ich möchte Ihnen heute den ersten - von drei gleichwürdigen -  Preisträgern des Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau 2017 vorstellen. Es ist die Bio-Gärtnerei Watzkendorf.  Der kleine Ort Watzkendorf liegt 130 km nördlich von Berlin in Mecklenburg-Vorpommern. In der ehemaligen DDR wurde hier seit 1961 Gemüse angebaut. Nach der Wende entwickelte sich - nicht zuletzt durch das Engagement der jetzigen Betriebsleitenden-  der Gemüsebau zur heutigen Bio-Gärtnerei, die seit 1996 nach den Richtlinien des Bioland-Verbands bewirtschaftet wird. Saisonbedingt gärtnert ein Team von 15-30 Menschen auf den 21 Hektar Freilandfläche, in den 6.300 qm großen Gewächshäusern sowie knapp 9.000 qm großen Folienhäusern und Folientunneln. 

Die Gärtnerei überzeugte die Jury in mehrfacher Hinsicht von ihrer Preiswürdigkeit. 

Die Jury war beeindruckt von der hohen Qualität und der Vielfalt des produzierten Gemüses, das im Vergleich zu anderen prädestinierten Standorten in Deutschland (zum Beispiel Pfalz, Rheinland) unter klimatisch herausfordernden Bedingungen angebaut wird. 

Eine breite Palette aus Kohl-, Blatt-, Wurzel- und Fruchtgemüse wird in enger Kooperation mit dem Naturkostgroßhandel für den Berliner Markt produziert. Ziel ist es über die Saison gesehen möglichst lang regionale Ware verfügbar zu halten. Immer mehr Verbraucherinnen und Verbrauchern ist es wichtig, dass ihr Bio-Gemüse aus der Region kommt und nicht erst um den halben Welt-Ball reist, bevor es in ihrem Einkaufkorb landet. Die Gärtnerinnen und Gärtner von Watzkendorf arbeiten durch gute Kommunikation mit ihren Handelspartnern aktiv daran diesem Wunsch zu entsprechen. 

Als weiteres Standbein für Winter und Frühjahr investierte die Gärtnerei 2009 in umweltfreundliche Technik und 2012 in Gewächshäuser, um die Jungpflanzenanzucht zu professionalisieren. 

Ziel des Neubaus war es, den eigenen Jungpflanzenbedarf zu decken, aber auch der Verkauf an andere Erwerbsgärtnereien wurde so möglich. Heute beliefert die Gärtnerei Watzkendorf Betriebe in ganz Ostdeutschland. Damit schlossen sie einen weißen Fleck auf der Landkarte in diesem Bereich. Mit der Professionalisierung der Jungpflanzenanzucht in Ostdeutschland wurden regionale Strukturen entwickelt, die das Marktwachstum und das Angebot an deutschem Bio-Gemüse positiv fördern. Die Reduktion des Torfanteils in den Anzuchterden sowie die Möglichkeit für Gärtnerkolleginnen und -kollegen neben Hybriden, auch Jungpflanzen aus samenfesten Sorten zu bestellen, sind Schritte, bestehende Produktionsroutinen zu hinterfragen und im Sinne des ökologischen Landbaus weiter zu entwickeln. 

Innovativ ist ebenfalls die Art, wie sich die Gärtnerei mit der Frage der Düngung und Bodenfruchtbarkeit im Gemüsebau auseinandersetzt. 

Der hohe Biomasseentzug im Gemüsebau (insbesondere im Unterglasanbau) stellt die oft viehlos wirtschaftenden Gärtnereien immer wieder vor die Frage, wie es gelingen kann, ausreichend Nährstoffe in den Boden zu bringen. Vor diesem Hintergrund ist es sehr innovativ, dass die Gärtnerei in Watzkendorf versucht, über das Mulchen mit Grünschnitt aus dem Futterleguminosenanbau das Bodenleben zu fördern und die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. In Zusammenarbeit mit der Landesforschungsanstalt und Masterstudenten werden Kulturverfahren betriebsintern und im Labor optimiert. Während sich der Geschäftsführer Holger Kasdorf um die Gemüseproduktion kümmert, engagiert sich die Geschäftsführerin Sabine Kabath - neben dem Gemüseanbau - auch seit Jahren im Bioland Verband (Mitglied des Präsidiums) und ist Sprecherin des Fachausschusses Gemüsebau. Sie hat vor einigen Jahren das Gärtner-Netzwerk Mecklenburg-Vorpommern ins Leben gerufen und ist darum bemüht, den Bio-Gemüsebau auch durch den fachlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen im Sinne der ökologischen Grundprinzipien weiter zu entwickeln. Ihr Engagement geht weit über die Interessen des eigenen Betriebes hinaus und soll durch den Bundespreis ebenfalls gewürdigt werden. Und nun Film ab, damit Sie sich auf diesem Wege ein eigenes buntes Bild vom Wirken unserer Preisträger und Preisträgerinnen verschaffen können.


Letzte Aktualisierung: 26.01.2017