Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Bewerbergemeinschaft Henninger, Neder und Vogt

Laudatio anlässlich der Preisverleihung

Laudator: Anton Schreiber
(Es gilt das gesprochene Wort.)

Die drei in der Region Franken ansässigen Naturlandbetriebe Vogt, Henninger GbR und Neder GbR, die sich im Verbund mit dem Vermarktungsunternehmen Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG im Bereich Pflanzenbau, Pflanzenzüchtung beworben haben, erhalten den Bundespreis Ökologischer Landbau 2017, weil sie einen wichtigen Beitrag auf dem Weg einer für den Biolandbau eigenen Pflanzenzüchtung und Saatgutvermehrung im Bereich der Körnerleguminosen geleistet haben. Körnerleguminosen wie Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen wurden trotz unbestreitbarer Vorzüge (Stickstoffsammlung, Bodenfruchtbarkeit, heimische Eiweißfuttermittel) auch von ökologischen Betrieben immer weniger angebaut. Gründe waren stark schwankende Erträge, Krankheiten, Vogelfraß und hohe Verunkrautungsgefahr, besonders bei Erbsen. Erst in jüngster Zeit hat der Anbau wieder stärker zugenommen. Neben Initiativen wie der ´Eiweißpflanzenstrategie´ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hat auch die Bewerbergemeinschaft mit der Einführung der Erhaltungszüchtung und Vermehrung von Wintererbsen einen wichtigen Beitrag dazu geleistet. Wintererbsen sind im Gegensatz zu den üblicherweise hier angebauten Sommererbsen durch ihre Langstrohigkeit besser in der Lage, Unkraut zu unterdrücken, halten den Boden über Winter bedeckt, sind nicht so anfällig gegen Vogelfraß und überstehen Trockenperioden im Frühjahr besser. Hauptsorte ist die Wintererbse E.F.B.33, eine in Italien Mitte der 70 er Jahre zugelassene Sorte. 

Im Jahr 2002 konnte die Marktgemeinschaft der Naturland Bauern AG einen Co – Vertrag mit dem italienischen Sortenschutzinhaber abschließen, so dass Erhaltungszüchtung (das heißt Selektion in Einzel – und Parzellenaussaaten und daraus resultierendes Züchtersaatgut) und alle Stufen der Vermehrung (Vorstufen – und Basisvermehrung) an den Standorten der Bewerbergemeinschaft möglich wurden. Durch diese Initiative und die innovative Arbeit der Bewerbergemeinschaft sowie die agronomischen Vorarbeiten der Universität Kassel-Witzenhausen (2 BÖLN-Projekte) hat sich die Wintererbse E.F.B. 33 mittlerweile im Biolandbau etabliert und wird in immer größer werdenden Umfang, meist im Gemenge mit Getreide, angebaut. So ist ihre Vermehrungsfläche zu zertifiziertem Saatgut auf 200 Hektar angewachsen. Zusätzlich zur buntblühenden und deshalb tanninhaltigen E.F.B.33- Erbse wurden von der Bewerbergemeinschaft neuerdings zwei weißblühende (= tanninarme) und somit in größerem Umfang auch an Schweine und Geflügel verfütterbare Wintererbsen - Linien aus einem amerikanischen Sortiment selektiert und konnten von ihr in Österreich als Sorte `Pandora´ und `Specter` angemeldet und zugelassen werden. Weiterhin wurde von der Bewerbergemeinschaft gemeinsam mit der Universität Göttingen in einem Forschungsprojekt des Bundesprogramms ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) aus altem Zuchtmaterial eine Sommerackerbohnen-Population auf Langstrohigkeit selektiert, die in Landessortenversuchen Spitzenerträge brachte. 

Allerdings ist im Gegensatz etwa zu Mais und Weizen eine Ackerbohnen-Population nicht zulassungsfähig, so dass bis jetzt noch keine Vermehrung für den Konsumanbau möglich ist.

Von besonderer Bedeutung und für die Weiterentwicklung der ökologischen Saatgutzüchtung und -vermehrung und des biologischen Landbaus insgesamt ist, dass die gesamte Erhaltungszüchtung und alle Stufen der nachfolgenden Vermehrungen unter ökologischen Bedingungen auf den Flächen der Bewerbergemeinschaft stattfindet und in deren Fruchtfolge, die durch Saatgutvermehrung anderer ökologischer Kulturen (Getreide, Rotklee Soja) gekennzeichnet ist, mit eingebunden sind. Normales Öko-Z-Saatgut ist zum größten Teil nur in der letzten Vermehrungsstufe zum Z-Saatgut unter ökologischen Bedingungen vermehrt worden. Wenn der gesamte Prozess der Züchtung und Vermehrung im ökologischen System stattfindet, ist eine Selektion und Prüfung, inwieweit eine Sorte an die Anforderungen des biologischen Landbaus angepasst ist, wesentlich besser möglich, als bei Sorten, die unter konventionellen Bedingungen gezüchtet und selektiert werden. Der alte Spruch: "Wie die Saat, so die Ernte" erhält hier wieder seine volle Berechtigung. Er kann auch als Leitlinie für die langjährige, innovative Arbeit der Bewerbergemeinschaft in der Pflanzenzüchtung und Saatgutvermehrung gelten. Dafür erhält sie heute einen von drei gleichrangigen Bundespreisen Ökologischer Landbau. Im Namen der Jury: Herzlichen Glückwunsch!


Letzte Aktualisierung: 24.01.2017