Bioland-Hof Backensholz

Begründung der Jury für die Vergabe des "Bundeswettbewerbs Ökologischer Landbau" 2021

Bewerbungsbereich: Gesamtbetriebliche Konzeption 

Der Hof Backensholz liegt in Nordfriesland im Bundesland Schleswig-Holstein. Der 740 Hektar große Betrieb bewirtschaftet 180 Hektar Dauergrünland und 560 Hektar Ackerland, von denen 350 Hektar für die Ackerfuttergewinnung genutzt werden um die Tiere des Hofes zu ernähren. Den Schwerpunkt bildet die Milchviehwirtschaft. Zurzeit leben 895 Rinder (Milchkühe inklusive weiblicher Nachzucht), 20 Mastrinder, 2.000 Legehennen und 29 Schweine auf dem Hof. Die Besatzdichte ist mit 1,1 Großvieheinheiten pro Hektar moderat.

Der Hof ist seit Generationen ein Familienbetrieb. Er wurde 1989 von den Eheleuten Martina und Ernst Metzger-Petersen umgestellt und wird heute von ihren Söhnen Thilo und Jasper nach Bioland-Richtlinien geführt. Die Betriebsübergabe an die Söhne ist abgeschlossen und so organisiert, dass Sohn Thilo die hofeigene Käserei, den Hofladen und das Restaurant leitet und sein Bruder Jasper die Landwirtschaft, die Fleischvermarktung und den hofeigenen Kindergar-ten organisiert. Die Familie beschäftigt in Landwirtschaft, Verarbeitung und Vermarktung zusammen 70 Mitarbeitende.

Der Hof Backensholz ist ein überaus dynamischer Betrieb, der in Landwirtschaft, Verarbeitung und Vermarktung zahlreiche beeindruckende Innovationen umgesetzt hat und anspruchsvolle Projekte für die Betriebszukunft formuliert. Zentrales Ziel des Betriebskonzeptes ist dabei (auch mit Unterstützung von modernster Technik) eine möglichst hochwertige und geschlossene Kreislaufwirtschaft zu etablieren.

Im Bewertungsbereich "gesamtbetriebliche Konzeption" wurden die folgenden Punkte als besonders preiswürdig erachtet:

I: Innovatives Vermarktungskonzept:

  • Trotz der marktfernen Lage gelang der Aufbau eigener Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen, um die gesamte auf dem Hof erzeugte Milch selbst zu vermarkten. Das bedeutet in Zahlen: Die Tagesproduktion von 10.000 Kilogramm Milch pro Tag wird zu einem Handelsvolumen von circa 410.000 Kilogramm Käse im Jahr verarbeitet und über den Hofladen, Märkte, Bio-Großhandel und -Läden, Gastronomie und den Lebensmitteleinzelhandel vermarktet. Mit diesem Konzept wurde beziehungsweise ist der Hof unabhängig von den handelsüblichen Milchpreisschwankungen.
  • Es wurden saisonbedingt 15-20 Rohmilch-Käse-Spezialitäten entwickelt, die regelmäßig zum Teil bei den "World cheese awards" und den Deutschen Käsepreis prämiert werden.
  • Der Bau eines hofeigenen Ladens und Restaurants soll Nähe zur Kundschaft zum Beispiel durch Feste und Verkostungen fördern. Das Restaurant verarbeitet überwiegend hofeigene Produkte oder Lebensmittel von benachbarten Bio-Betrieben ist Bioland zertifiziert und Mitglied im Verein FEINHEIMISCH; Genuss aus Schleswig-Holstein e.V.

II: Innovativer Einsatz von Technik:

  • Die Landwirtschaft sowie die Verarbeitungsabläufe werden durch umfangreiche Datenknotenpunkte auf dem Hof so unterstützt, dass sowohl das Herdenmanagement, als auch die weitere Verarbeitung der Milch durch die Analyse von Daten ermöglicht wird. Der direkte Daten-Zugriff durch Handy oder Tablet sind fester Bestandteil des Arbeitsalltags der leitenden Mitarbeitenden.
  • Der Bau neuer Ställe (AFP Tierwohlstall für das Milchvieh und eines Kälberstalls) unter Tierwohl- und insbesondere Tiergesundheits-Gesichtspunkten wurde mit Fachleuten über mehrere Jahre geplant und dann umgesetzt. Eine passgenaue Datensammlung per Sensor und Transponder vereinfacht das Herdenmanagement und die Überwachung der Kälbergesundheit. Dank des Trackings können die Wiederkäueraktivitäten, die Bewegungs- und Ruhezeiten der Tiere in Echtzeit überwacht werden.
  • Der Einsatz eines Käse-Pflegeroboters in der Hofkäserei verringert die schwere körperliche Arbeit und sorgt für einen optimalen Reifezustand des Käses.

III: Innovatives Energiekonzepte:

  • Seit 2004 ist der Hof (Hofkäserei, Restaurant und landwirtschaftlicher Betrieb) durch den Betrieb einer Biogasanlage und einer Photovoltaikanlage "heizölfrei" und benötigt keine Wärmeenergie aus fossilen Brennstoffen.
  • Die umweltschädigende Glycol-Kälte-Anlage wurde in eine Ammoniak-Anlage umgerüstet. Langfristig wird darüber nachgedacht einen Eisspeicher (Eiswasseranlage) als Energiespeicher zu nutzen.
  • Eine Pflanzenkläranlage bereitet das Abwasser der Küche und des Hof-Restaurants auf, so dass es zur Toilettenspülung genutzt werden kann. Langfristiges Ziel ist jedoch die Nutzung der geklärten Abwässer als Teichwasser um Fische für den Hofladen zu produzieren, die wiederum mit Insekten aus der Biogasanlage gefüttert werden sollen. Die Energie aus der Wasseraufbereitung wird zurzeit zur Temperierung eines Gewächshauses genutzt, das Feingemüse für das Restaurant produziert.

IV: Innovativer Umgang im sozialen Bereich

  • Die Kooperation mit anderen Betrieben in der Region – auch grenzübergreifend mit Partnerbetreiben in Dänemark – eröffnet neue Perspektiven
  • Aufbau von Mitarbeitenden mit eigenen Verantwortungsbereichen als Fachleute für das Herden-Monitoring, die Kälberaufzucht, oder die Klauenpflege etc.
  • Unterstützung der Bereichsleitung durch einen Coach
  • Mitwirkung bei Forschungsvorhaben wie zum Beispiel einem Interregprojekt "Positively produced"; dessen Ziel es ist, nachhaltige Lösungen zum Beispiel für die klima-neutrale Produktion von Lebensmitteln zu finden. Mitwirkung beim EIP Projekt zur Entwicklung des Kälberstalls
  • Ausbildung von 6 Lehrlingen in 3 Ausbildungsberufen auf dem Hof
  • Soziales Engagement in der Region durch den Betrieb eines Bauernhofkindergartens auf dem Betriebsgelände

Für Familie Metzger-Petersen ist Biolandbau und der Einsatz von Technik und Computer gestütztem Betriebsmanagement kein Widerspruch, sondern eine sich ideal ergänzende Verbindung. Die hofeigene Verarbeitung und Vermarktung ermöglicht es von schwankenden Milchpreisen unabhängig zu sein. Eine weitere Leitlinie für das Handeln ist das Ziel, alle Stoffe - auch die vermeidlichen "Abfall-Stoffe der Produktion" - als Wertstoffe anzusehen und sie in den Wirtschaftskreislauf zu integrieren. Ein Beispiel dafür sind die Gärreste der Biogasanlage, die als Einstreu für die Milchviehherde genutzt werden, die Molke aus der Käseherstellung, die zu Molkepulver weiterverarbeitet werden soll oder die Abwässer des neu-en Hofrestarurants, die in einer Kläranlage gereinigt und weiter genutzt werden.

Das gesamtbetriebliche Konzept, aber auch einzelne Innovationen des Gut Backensholz können auch für andere große Betriebe ein Vorbild sein. Der Hof beweist, dass eine moderne umwelt- und ressourcenfreundliche Bio-Produktion im großen Maßstab möglich ist. Daher empfehlen wir das Gut Backenholz als Preisträger für den Bundespreis Ökologischer Landbau 2021.

Bioland Hof Backensholz

Jasper Metzger-Petersen
Schwabstedter Damm
25885 Oster Ohstedt
www.backensholz.de

Letzte Aktualisierung 18.01.2021

Kontakt Bundeswettbewerb

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

0228 / 6845 2917
Andreas Eckhardt

0228 / 6845 2926
Elmar Seck
 

boeln@ble.de

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Karte Demobetriebe

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